Gesundheit : Volkskrankheit Herzleiden

Von 2005 bis 2013 nahm die Zahl der Stent-Eingriffe um 227 Prozent zu.
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Von 2005 bis 2013 nahm die Zahl der Stent-Eingriffe um 227 Prozent zu.

Verengte Blutgefäße am Herzen sind die häufigste Todesursache, aber Experten warnen: zu viele Eingriffe.

svz.de von
23. Juli 2014, 07:30 Uhr

Die jährlich gut 335 000 Klinik-Behandlungen wegen verengter Herzkranzgefäße sind laut einer neuen Studie womöglich teilweise überflüssig. Es gebe wahrscheinlich zu viele solche Eingriffe, sagte die Mitautorin des neuen Krankenhausreports der Krankenkasse Barmer GEK, Eva Maria Bitzer. Insgesamt gelte, dass die Zahl der Behandlungen auch deshalb zunehme, weil die Kliniken die entsprechenden Preise bezahlt bekommen wollten, sagte Kassen-Vizechef Rolf-Ulrich Schlenker. „Man muss gegensteuern“, forderte er von der Politik, die derzeit eine Klinikreform plant.

Gegen verengte Herzkranzgefäße stieg vor allem die Zahl der Eingriffe, bei denen mit Medikamenten beschichtete Stents in die Arterie eingeführt werden. Sie nahm von 2005 bis 2013 um 227 Prozent auf gut 204 000 zu. Aufwendige Bypass-Operationen am offenen Herzen nahmen um 24 Prozent auf 53 000 ab.

Die Implantation von Stents, kleinen Gittergerüsten, ist vergleichsweise schonend. Daher würden auch immer mehr Risikopatienten und Ältere damit versorgt, die früher unbehandelt geblieben seien. Doch erfüllt die Methode laut dem Report ihre Erwartungen nicht: Jeder fünfte Patient müsse sich innerhalb von zwölf Monaten erneut einer Behandlung unterziehen. Die Experten wiesen darauf hin, dass es insgesamt weniger Durchblutungsstörungen am Herzen und entsprechende Behandlungen gebe. Die Gründe seien, dass weniger Menschen an Bluthochdruck oder zu hohen Blutfettwerten litten und Betroffene besser behandelt würden. Deshalb seien Zweifel daran angebracht, dass die steigende Zahl der Behandlungen zur Erweiterung der Gefäße gerechtfertigt sei.

Zu Herz-Eingriffen könnten Medikamente die Alternative sein, mehr Bewegung, Gewichtsverminderung und Physiotherapie. Patienten sollten darauf achten, dass ihnen die Alternativen erläutert würden.

Hintergrund

Herzinfarkt: Symptome erkennen

Eine koronare Herzerkrankung macht sich oft erst bemerkbar, wenn es schon fast zu spät ist: Typische Folge von verengten Herzkranzgefäßen ist ein akuter Herzinfarkt. Anzeichen dafür sind Schmerzen in der Brustmitte rund um das Brustbein, die in den Oberkörper ausstrahlen. Prof. Dietrich Andresen von der Deutschen Herzstiftung beschreibt sie als „flächenartig, drückend und brennend“, verbunden mit einem Engegefühl in der Brust. Die Annahme, dass die Schmerzen bei einem Herzinfarkt immer in den linken Arm ausstrahlen, sei falsch.„Das kann, muss aber nicht sein“, sagte der Kardiologe. Begleitend hätten Herzinfarkt-Patienten oft Schweißausbrüche, ihnen werde übel und sie müssten sich übergeben. Wer die Anzeichen eines Infarkts bemerkt, sollte umgehend den Notarzt rufen, denn es besteht Lebensgefahr.

Eine zweite Form der koronaren Herzkrankheit spüren Betroffene bei körperlicher Belastung. „Bei einer Angina pectoris verengen sich die Herzkranzgefäße immer mehr, sind aber noch offen“, erklärt Andresen. Das äußert sich in Form von Schmerzen. Sie sind vom Charakter her wie bei einem Infarkt. Bleibt der Betroffene stehen, verschwinden sie wieder. Allerdings kann es infolge einer Angina pectoris irgendwann auch zum Infarkt kommen.

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