zur Navigation springen
Medizin und Gesundheit

20. November 2017 | 14:49 Uhr

Gesundheit : Verdacht auf Behandlungsfehler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die neue Hüfte macht Probleme oder die Schmerzen wollen nach der Blinddarm-OP nicht nachlassen - was sollten Betroffene dann tun?

Jährlich beschweren sich Tausende Patienten über mögliche Behandlungsfehler. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wann spricht man von Behandlungsfehlern?

Ein Behandlungsfehler definiert sich durch drei Punkte, erklärt Claudia Schlund von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Zunächst muss ein Schaden vorliegen. Dessen Ursache muss auf die Behandlung zurückzuführen sein. Und: Es muss nachgewiesen sein, dass bei der Behandlung tatsächlich gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen wurde. „Wird die Behandlung nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder zeitgerecht durchgeführt, so wird dies als Behandlungsfehler bezeichnet“, heißt es beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Ist jede Komplikation auf Versagen des Arztes zurückzuführen?

Nein. Aus einem unerwünschten Ergebnis einer Behandlung kann man noch nicht auf einen ärztlichen Fehler schließen. Manche Probleme treten ein, obwohl der Arzt alles richtig gemacht hat. „Eine Infektion zum Beispiel kann bei jedem Eingriff passieren. Es gibt ein Restrisiko, auch wenn alle Hygienemaßnahmen getroffen werden“, so Schlund. Vor Behandlungen klären Ärzte deshalb über dieses natürliche Risiko auf.

Wer muss den Behandlungsfehler nachweisen?

Die Beweispflicht liegt beim Patienten. Krankenkassen helfen jedoch mit einem medizinischen Gutachten. „Wenn ich gesetzlich versichert bin, kann ich mich an meine Krankenkasse wenden. Die ist gesetzlich dazu verpflichtet, Sie mit einem Gutachten kostenfrei zu versorgen“, sagt Schlund. Mit diesem Gutachten beauftragt wird der MDK. Eine weitere Möglichkeit ist, sich an die Gutachterkommission und Schlichtungsstelle der Ärztekammer zu richten.

Was macht der Gutachter?

Nur in seltenen Fällen stattet er dem Patienten einen Besuch ab. Stattdessen prüft er die Leistung des behandelnden Arztes, indem er die Krankenakten exakt durcharbeitet. Je nach dem Umfang kann es Monate dauern, bis das Gutachten fertig ist.

Was kann ich selbst tun?

Schlund rät, ein Gedächtnisprotokoll von der Zeit der Behandlung anzulegen. Die Krankenkasse hilft dabei. Wichtig ist auch, ob es Zeugen gibt: Haben zum Beispiel Zimmernachbarn im Krankenhaus etwas von Gesprächen mit den Ärzten mitbekommen? Schlund empfiehlt, sich eine Kopie der Patientenakte aushändigen zu lassen. „Das macht sehr viel Sinn, manche Fehler sind dokumentiert.“

Wie sieht es bei Privatpatienten aus?

Auch sie sollten die Versicherungen ansprechen. Der Nachteil von Privatpatienten: Ihre  Versicherung ist nicht verpflichtet, ein Gutachten in die Wege zu leiten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen