Lesertelefon : Unleidlich ohne Zigaretten

Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, braucht Alternativen zum Griff zur Zigarette – sonst läuft man Gefahr, rückfällig zu werden.
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Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, braucht Alternativen zum Griff zur Zigarette – sonst läuft man Gefahr, rückfällig zu werden.

Was hilft gegen Entzugssymptome? Wie halte ich durch? Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantworteten zahlreiche Fragen.

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05. Januar 2016, 21:00 Uhr

Zu Silvester habe ich mir geschworen, mir in diesem Jahr das Rauchen abzugewöhnen. Könnte ich es mit der E-Zigarette schaffen?
Die Studienlage reicht nicht aus, um die E-Zigarette als geeignetes Mittel zur Raucherentwöhnung empfehlen zu können. Auch die gesundheitliche Unbedenklichkeit von E-Zigaretten ist nicht erwiesen. Hinzu kommt, dass Sie mit der E-Zigarette in der Regel Ihre gewohnten Rauch-Rituale und Gewohnheiten beibehalten. Für eine erfolgreiche Tabakentwöhnung muss aber die psychische Abhängigkeit vom Glimmstängel überwunden werden – und das geht nur mit einer Verhaltensänderung. Schauen Sie im Internet unter www.rauchfrei-info.de nach. Hier finden Sie Unterstützung und ein kostenloses Online-Ausstiegsprogramm.

Seit dreißig Jahren rauche ich, fühle mich gut, habe weder Probleme mit dem Atmen noch Husten. Trotzdem mahnt mich mein Arzt, aufzuhören. Ich bin jetzt 67, was soll das noch bringen?
Es sind nicht nur die Atemwege, die durch das Rauchen Schaden nehmen. Raucher haben zum Beispiel ein extrem erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein 60-jähriger Raucher weist das Herzinfarktrisiko eines 79-jährigen Nichtrauchers auf. Studien belegen, dass Raucher im Durchschnitt zehn Jahre früher als Nichtraucher sterben. Ein Rauchausstieg lohnt sich in jedem Alter. Das Risiko für einen Herzinfarkt und für einen Schlaganfall ist bereits während der ersten fünf Jahre nach der letzten Zigarette um mehr als 40 Prozent niedriger.

Wenn es stressig wird, stecke ich mir immer eine Zigarette an, etwa eine Schachtel pro Tag. Mich stört die Qualmerei mehr und mehr. Ich will in diesem Jahr endlich aufhören, habe aber Zweifel, ob ich durchhalte …
Vielleicht können Sie für den Ausstieg beruflich ruhigere Phasen nutzen? Wenn es die nicht gibt, dann sorgen Sie in der Anfangsphase so weit wie möglich für einen entspannten Alltag. Bauen Sie bewusst entspannende Momente ein: morgens vielleicht eine kleine Teezeremonie und einen Apfel statt Zigarette, mittags einen kurzen, flotten Spaziergang, zwischendurch tiefes Durchatmen, möglichst am geöffneten Fenster, abends dann ein warmes Wannenbad. Überlegen Sie für sich, was Ihnen Entspannung bringen kann und schreiben sie die Varianten auf, damit sie zur Hand sind, wenn es ernst wird.

Kontakte

Telefon: Das Beratungstelefon für Rauchentwöhnung der BZgA erreichen Sie von Mo-Do. 10-22 Uhr, Fr-So. 10-18 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800/831 31 31.

Internet: www.rauchfrei-info.de: mit interaktivem Ausstiegsprogramm und „Rauchfrei-Lotsen“ (Unterstützung von Ex-Rauchern)
www.rauchfrei-programm.de: Gruppenkursen in Wohnortnähe, Kostenerstattung.

Material: START-Paket zum Nichtrauchen u.a. mit Info-Broschüre, Kalender für die ersten 100 Nichtraucher-Tage, Stressball, Pfefferminzpastillen, Alle Materialien kann man kostenlos bestellen, per E-Mail: order@bzga.de, per Post: BZgA, Maarweg 149-161, 50825 Köln, per Fax: 0221/8992257.
 

Ich will unbedingt aufhören, aber in meiner Familie rauchen fast alle …
Sie können es trotzdem schaffen. Informieren Sie am besten gleich Ihre ganze Familie über Ihr Vorhaben und bitten Sie um Rücksicht und Unterstützung. Vielleicht können Sie mit einem Familienmitglied eine Wette abschließen. Das motiviert zum Durchhalten. Möglicherweise ist Ihr gutes Beispiel sogar ein Ansporn für andere und Sie können die Entwöhnung gemeinsam meistern.

Bei mir wurde eine Herzschwäche diagnostiziert. Kann ich trotzdem bei der Raucherentwöhnung zur Unterstützung Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin nehmen?
Besprechen Sie das Vorgehen bei der Entwöhnung in Ruhe mit Ihrem Arzt, um zu entscheiden, welche Methode der Raucherentwöhnung für Sie die beste ist. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte in jedem Fall das Verhältnis von Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Es gibt zahlreiche nichtmedikamentöse Methoden, die Sie beim Rauchstopp unterstützen können. Hierzu zählen zum Beispiel Gruppenkurse oder Online-Programme. Wenn Sie möchten, begleiten wir Sie auch gern telefonisch bis zu vier Wochen bei Ihrem Rauchausstieg.

Mein größtes Vorhaben für dieses Jahr ist, die Qualmerei zu lassen. Aber die Entzugssymptome schrecken mich. Womit muss ich als langjähriger Raucher rechnen?
Es kann zu starkem Rauchverlangen kommen, zu Nervosität, Aggressivität, Schlafstörungen, gesteigertem Appetit und schlechter Stimmung. Aber einige Aussteigende verspüren fast keine Symptome und manche leiden nur ein paar Tage unter geringen Problemen. Andere spüren den Entzug stärker. Aber Sie können sicher sein, dass die Symptome nach sieben bis zehn Tagen stark abgeschwächt sind und spätestens nach einigen Wochen verschwinden.

Ich mache gerade einen Entwöhnungskurs mit. Es wurde empfohlen, möglichst viel zu trinken. Das fällt mir sehr schwer. Ist das wirklich so wichtig?
Für Körper und Gesundheit ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig. Das gilt in besonderem Maße für die Zeit während und nach einem Rauchstopp. Empfohlen werden ca. 1,5 bis 2 Liter pro Tag. Trinken Sie in kleinen Schlucken. Das beschäftigt den Mund, dem nach der Entwöhnung oft erst einmal die Zigarette fehlt. Man kann sich an mehr Flüssigkeitsaufnahme gewöhnen. Vielleicht machen Sie sich einen Trinkplan. Suppen und Kaffee gehören auch mit zur Flüssigkeitsbilanz. Verwenden Sie kalorienfreie oder -arme Getränke, wie Mineralwasser, Tee, Fruchtsaftschorlen, kalorienreduzierte Fruchtsäfte oder Limonaden.

Ich möchte mit dem Rauchen aufhören. Leider gibt es keinen Kurs in meiner Nähe. Lassen sich – vielleicht auch online – Gleichgesinnte finden, mit denen ich mich austauschen kann und die mich vielleicht auch unterstützen könnten?
Ja, auf www.rauchfrei-info.de gibt es eine „rauchfrei-Community“. Die Nutzer unterstützen sich in der Zeit der Tabakentwöhnung gegenseitig - und oft auch darüber hinaus. Eine besondere Rolle nehmen dabei die so genannten „Rauchfrei-Lotsen“ ein. Das sind Menschen, die den Rauchausstieg geschafft haben, die dabei selbst oft durch Höhen und Tiefen gegangen sind und sich sehr gut in Ihre Situation hineinversetzen können.

Etwa fünf Zigaretten rauche ich pro Tag. Mein Mann sagt, ich sei abhängig, aber bei dieser geringen Zahl kann man doch wohl noch nicht von einer Abhängigkeit sprechen, oder?
Auch bei wenigen Zigaretten pro Tag kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Dabei ist vor allem die psychische Abhängigkeit vom Rauchen nicht zu unterschätzen. Mit dem weltweit anerkannten Fagerström-Test kann man mehr über die eigene Zigarettenabhängigkeit herausfinden. Der Test steht auf der Rauchfrei-Seite der BZgA im Internet unter www.rauchfrei-info.de. Beim Rauchen gibt es übrigens keine risikoarme Konsummenge. Auch vergleichsweise wenige Zigaretten erhöhen das Krankheitsrisiko, zum Beispiel für Herz-Kreislauferkrankungen.

Mein Mann raucht seit Jahren. Nach dem letzten Arztbesuch sagte er mir, ich müsse mir keine Sorgen machen, er könne ruhig weiter rauchen. Seine Lunge sei topfit. Aber es ist doch nicht nur die Lunge, die vom Rauch betroffen ist, oder?
Nein, Rauchen schädigt den gesamten Organismus, auch die Augen, den Zahnhalteapparat, den Verdauungstrakt sowie das Skelett. Es kann zu Erektionsstörungen führen und schränkt die Fruchtbarkeit ein. Neben den Lungenerkrankungen sind es vor allem Herz-Kreislauferkrankungen, wie Schlaganfall und Herzinfarkt, von denen Raucher besonders betroffen sind. Ihr Risiko ist dabei doppelt so hoch wie das von Nichtrauchern. Der aktuelle gute Lungenbefund sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Tabakrauch dennoch die Lunge angreift. Schädigungen treten oft erst zeitversetzt auf.

Ich habe schon oft versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber ohne Zigaretten werde ich regelrecht unleidlich. Wie kommt das?
Um besser zu verstehen, was sich beim Rauchstopp abspielt, ist es hilfreich, zwischen der psychischen und der körperlichen Komponente der Zigarettenabhängigkeit zu unterscheiden. Zunächst zur Psyche: Viele Menschen rauchen vermehrt bei Stress und in anderen belastenden Situationen. Nach dem Rauchstopp müssen schwierige Situationen ausgehalten bzw. anders bewältigt werden. Das reibt viele Menschen auf. Für die körperliche Komponente ist in erster Linie das Nikotin verantwortlich. Es dockt im Gehirn an spezielle Rezeptoren an und stimuliert so die Freisetzung des Botenstoffs Dopamin. Dadurch entsteht ein Wohlgefühl. Davon will man mehr – also wird weiter geraucht. Das Gehirn gewöhnt sich schnell an den regelmäßigen Konsum, die Rezeptoren werden unempfindlicher. Mehr Nikotin ist nötig, um das gleiche Wohlgefühl zu erzeugen. Außerdem bilden sich neue Rezeptoren. Bekommen die nicht genug Nikotin, kommt es zu Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Bedrücktheit, innere Unruhe, Angst ….

Also muss ich mit der Zigarette immer eine „Nikotin-Unterversorgung“ ausgleichen …
Ja, die Abhängigkeit entsteht zwar, weil man mehr von dem Wohlgefühl möchte, welches der Botenstoff Dopamin hervorruft. Aber später will man nur den Normalzustand wieder herstellen und körperliche Entzugserscheinungen vermeiden.

Unser Sohn wohnt noch mit in unserem Haus. Er raucht stark. Ich habe ihn gebeten, zum Rauchen rauszugehen. Aber jetzt im Winter bleibt er oft drin. Ich möchte keinen Streit, sollte ich trotzdem darauf bestehen, dass er rausgeht?
Ja, bestehen Sie unbedingt auf einer rauchfreien Umgebung. Tabakrauch enthält giftige und krebserzeugende Substanzen, wie Arsen, Formaldehyd oder Benzol. Die Folge können zahlreiche, zum Teil schwere Erkrankungen sein, wie Lungenkrebs, Brustkrebs, Krebs der Nasenhöhle und der Nasennebenhöhlen und Herz-Kreislauferkrankungen. Das Risiko für eine Erkrankung durch Passivrauchen ist umso höher, je länger und intensiver jemand dem Tabakrauch ausgesetzt ist. Es gibt jedoch keine Grenze, unterhalb derer Passivrauchen unbedenklich wäre.

Unsere Tochter (15) hat sich ein E-Shisha gekauft. Sie sagt, sie nehme kein Nikotin, nur Fruchtaromen und das sei nicht gefährlich. Stimmt das?
Viele, aber nicht alle E-Shishas sind nikotinfrei. Einige Produkte enthalten das abhängig machende Nervengift Nikotin. Außerdem kann der Konsum von E-Shishas möglicherweise die Hemmschwelle zum Gebrauch von nikotinhaltigen Produkten wie Wasserpfeifen oder Zigaretten herabsetzen. Solange keine unabhängige Analyse eine gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte nachweist – auch im Hinblick auf einen Langzeitgebrauch – raten wir vom Konsum von E-Shishas ab. Insbesondere gehören E-Shishas nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen.

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