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Medizin und Gesundheit

25. September 2017 | 08:10 Uhr

Behandlung : Tiere als Co-Therapeuten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pferd, Hund oder Katze können kleinen wie großen Patienten helfen, zum Beispiel Angststörungen oder Depressionen zu überwinden.

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Mit einem depressiven Menschen Kontakt aufzunehmen, ist gar nicht so einfach – selbst für Psychotherapeuten. Man stelle sich vor, während der Sitzung tollt ein kleiner Hund um den Patienten, schaut ihn aus schwarzen Knopfaugen an und signalisiert: „Streichle mich.“ Das kann die Lage deutlich entspannen. Nicht nur Hunde, auch Pferde, Meerschweinchen oder Schildkröten werden deshalb manchmal als Co-Therapeuten eingesetzt.

„Vor allem bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen können mit tiergestützten Therapien große Erfolge erzielt werden“, sagt Prof. Arno Deister, Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Klinikum Itzehoe. „Depressive zum Beispiel haben mitunter Schwierigkeiten damit, Kontakt zu ihrem Gegenüber aufzunehmen und Vertrauen aufzubauen“, erklärt Deister. Ein Hund sei dann ein guter Weg, die Barriere zu durchbrechen – vorausgesetzt, Patient wie Therapeut haben in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit der jeweiligen Tierart gemacht. Das Tier fungiert dabei als „Türöffner“ zwischen Therapeut und Patient.

Ein Geheimnis der Wirkung von Tieren auf den Menschen könnte darin liegen, dass Tiere nicht werten. „Sie akzeptieren Menschen mit all ihren Schwächen und Stärken“, sagt Deister, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ist. Deshalb werden sie nicht nur therapeutisch eingesetzt. Neben der Therapie gibt es auch sogenannte tiergestützte Interventionen, also Aktivitäten mit Tieren.

Der Kontakt mit Tieren kann sich bei pflegebedürftigen Menschen positiv auf das Selbstbewusstsein auswirken.  Fotos: Ingo Wagner
Der Kontakt mit Tieren kann sich bei pflegebedürftigen Menschen positiv auf das Selbstbewusstsein auswirken. Fotos: Ingo Wagner
 

Sie werden nicht von Therapeuten durchgeführt, sondern zum Beispiel von Cornelia Drees, die Fachkraft für tiergestützte Interventionen ist. Sie besucht mit ihren Tieren Seniorenheime, Kindergärten, Schulen oder Heime für Menschen mit Beeinträchtigungen. Ein therapeutisches Ziel verfolgt sie nicht.

Drees lädt die Teilnehmer dort ein, sich in einem Kreis zusammenzufinden. Die Tiere – Meerschweinchen oder Kaninchen zum Beispiel – setzt sie in die Mitte. Dann stellt sie den Anwesenden jedes Tier vor, erzählt, wo es herkommt, was es mag und was nicht.

Dabei beobachtet sie, wer sich zu welchem Tier hingezogen fühlt – und umgekehrt. Dann stellt sie den Teilnehmern Aufgaben: „Das kann zum Beispiel sein, ein Meerschweinchen durch Kraulen glücklich zu machen“, erklärt Drees. Bemerkt der Streichelnde, dass das Tier sich wohlfühlt, stärkt das im besten Fall sein Selbstbewusstsein.

Cornelia Drees fährt mit ihren Tieren in Pflegeheime, Schulen oder Kitas.
Cornelia Drees fährt mit ihren Tieren in Pflegeheime, Schulen oder Kitas.
 

Wichtig ist dabei allerdings auch, dass auf das Wohlergehen des Tieres geachtet wird. „Nur entspannte und zufriedene Tiere können eine positive Wirkung auf Menschen haben“, sagt Drees, die ausgebildete Fachkraft für Tierintervention ist.

Grundsätzlich gehört eine tiergestützte Therapie nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung, erklärt Ann Marini vom GKV-Spitzenverband. Wer sich als Kassenpatient für eine tiergestützte Therapie interessiert, sollte bei seiner Krankenversicherung nachfragen, ob und inwieweit sie eine tiergestützte Therapie bezuschusst. Ob privat Krankenversicherte die Kosten einer tiergestützten Therapie erstattet bekommen, hängt vom konkreten Einzelfall ab, sagt Jens Wegner vom Verband der Privaten Krankenversicherung.

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