Lesertelefon : Süchtige reagieren nicht auf Drohungen

  Glücksspielsüchtige verlieren oft völlig die Kontrolle.
Glücksspielsüchtige verlieren oft völlig die Kontrolle.

Die Gefahren des Glücksspiels: Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) führten gestern lange Gespräche an unserem Lesertelefon.

von
10. Juli 2015, 12:00 Uhr

Mein Mann ist Stammgast in der Spielhalle. Unser Geld wird extrem knapp. Ich habe ihn schon so oft gebeten, das Spielen zu lassen. Aber er spielt weiter. Was soll ich tun?
Es ist die Regel, dass Süchtige weder auf Bitten noch auf Drohungen reagieren. Sie können Ihrem Mann nur sachlich sagen, was sein Glücksspiel für die Familie bedeutet und dass Sie sehr darunter leiden. Und Sie können ihm erklären, dass es Beratungsstellen gibt, die ihn beim Weg aus dem Glücksspiel professionell begleiten würden. Wohnortnahe Adressen stehen unter www.check-dein-spiel.de.

Unser Geld verschwindet in Spielautomaten – trotz vieler ernster Aussprachen mit meinem Mann. Kann ich sein Konto sperren lassen?
Bei vielen Banken können Kartensperrungen grundsätzlich von jedem durchgeführt werden. Der Kontoinhaber kann diese aber jederzeit entsperren lassen oder trotz der Kartensperrung weiterhin am Schalter mit Personalausweis Geld abheben. Darum handelt es sich nur um eine kurzzeitige Lösung. Eine Entziehung der Kontovollmacht kann bei einem Erwachsenen zum Beispiel nur nach einer Entmündigung durchgeführt werden. Aber wenn Ihr Mann einverstanden ist, könnte er die Geldverwaltung an eine Vertrauensperson abgeben.

Mich macht die Spielsucht meines Mannes völlig fertig. Er ist überhaupt nicht bereit, das zu verändern. Ich schlafe schon kaum noch. Er wird uns noch völlig ruinieren. Was raten Sie mir?
Ich rate Ihnen, sich Hilfe zu holen. Die gibt es kostenlos und auf Wunsch auch anonym in Suchtberatungsstellen. Dorthin können sich sowohl die Betroffenen als auch Angehörige wenden. Eine Übersicht über die Beratungsstellen finden Sie unter www.spielen-mit-verantwortung.de oder unter www.bzga.de. Außerdem können Sie als Ehefrau sich auch an eine Ehe- und Familienberatungsstelle wenden, um Fragen der materiellen Existenzsicherung zu besprechen. Adressen findet man zum Beispiel unter www.dajeb.de.

Kann man süchtig werden, wenn man nur ab und an in die Spielhalle geht? Ich nehme auch immer nur 50 Euro mit.
Glücksspielsüchtige haben den zwanghaften Drang zu spielen, was auch den finanziellen Totalverlust einschließen kann. Sie verlieren oft völlig die Kontrolle. Das ist bei Ihnen offensichtlich nicht der Fall. Wenn Sie überprüfen wollen, ob das Glücksspiel für Sie gefährlich werden könnte, können Sie auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.check-dein-spiel.de einen anonymen Selbsttest durchführen.

Ich schließe auch manchmal Sportwetten ab. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man davon süchtig wird. Wie entsteht eine solche Sucht?
Das spürt man kaum, denn der Übergang vom Spaß zur Sucht ist fließend. Zu Beginn des Spiels gewinnen die meisten Spieler und sind dann ganz euphorisch. Gewinne werden als persönlicher Erfolg gewertet und immer höhere Gewinne erwartet. Die Risikobereitschaft wächst. Das Spiel wird intensiver und häufiger. So kann der Beginn einer „Suchtkarriere“ aussehen.

Ist denn Glücksspielsucht eine echte Krankheit, so wie zum Beispiel eine Depression oder Alkoholsucht?
Ja, denn die Spieler fühlen sich wie ferngesteuert. Sie sind abhängig vom Glücksspiel. Das ist wie bei anderen Süchten auch – es nicht zu tun, bedeutet, einem sehr starken Drang nicht nachzugeben. Daran scheitern sie oft, was zu Selbstverachtung, Schuldgefühlen und Verzweiflung führen kann. Ohne professionelle Hilfe gelingt es kaum, die Glücksspielsucht zu überwinden.

Mein Sohn (32) hat sich wegen seiner Glücksspielsucht an eine Beratungsstelle gewandt. Ich befürchte, dass er die vereinbarten Termine nicht einhält. Als ich dort anrief, wurde mir aber jede Auskunft verweigert. Was kann ich da machen?
Die Beratungsstellen stehen – wie Ärzte auch – unter Schweigepflicht. Von dort werden Sie also auch künftig keine Informationen erhalten. Hinzu kommt: Ihr Sohn ist ein erwachsener Mann und für seine Handlungen selbst zuständig. Sie sind dafür nicht mehr verantwortlich. Wenn Sie wissen möchten, ob er zu den Terminen geht, können Sie ihn fragen. Er kann allerdings selbst entscheiden, ob er Ihnen die Auskunft gibt oder nicht. Wenn es Ihnen schwer fällt, mit der Situation umzugehen, können Sie sich ebenso professionelle Hilft holen. Die meisten Beratungsstellen sind auch für Angehörige da.

Ich weiß, dass ich im Casino oft zu viel Geld lasse. Ich will das nicht mehr, will aber auch nicht zu einer Beratungsstelle. Gibt es auch anonyme Hilfe?
Ja, via Internet. Sie können Sie sich direkt an das Beratungsteam von www.check-dein-spiel.de wenden. Das ist kostenlos und anonym. Entweder lassen Sie sich per E-Mail beraten oder Sie kommen in die offene Chat-Sprechstunde, jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr.

Mein Mann macht gerade eine Therapie gegen seine Spielsucht. Aber die Schulden gehen ja so nicht weg. Wie kommen wir da runter?
Schuldnerberatungsstellen können Ihnen helfen, indem sie mit allen Beteiligten realistische Ziele für den Schuldenabbau entwickeln. Unter www.meine-schulden.de finden Sie Beratungsstellen in Ihrer Nähe. Fragen sie vorab, ob der Service kostenlos ist. Wenn Sie sich lieber per Telefon beraten lassen, bietet sich vielleicht die „Schuldenhelpline“ (0180-4564564) an. Der Anruf kostet 20 Cent aus dem deutschen Festnetz, unabhängig von der Gesprächsdauer (abweichender Mobilfunktarif: maximal 42 Cent pro Min.).

Bei der Telefonberatung zur Glücksspielsucht, einem Gemeinschaftsprojekt von Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Deutschem Lotto- und Totoblock (DLTB), erhalten Betroffene, Angehörige und Interessierte kostenlos individuelle und professionelle Beratung. Telefon: 0800 1 37 27 00 (Montag bis Donnerstag 10 - 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 - 18 Uhr).


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen