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Lesertelefon : So lässt Sie der Glimmstängel kalt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dauerklingeln an unserem Lesertelefon: Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben zahlreiche Tipps zur Nikotin-Entwöhnung

svz.de von
erstellt am 28.Mai.2014 | 11:54 Uhr

Ich habe ganz fest vor, mit dem Rauchen aufzuhören, aber Riesenzweifel, ob ich es schaffe….
Sie können Ihre Zuversicht stärken, in dem Sie sich einmal gedanklich mit Gewohnheiten beschäftigen, die Sie im Laufe Ihres Lebens erfolgreich geändert haben. Denken Sie auch an Verhaltensweisen, die Sie ganz neu erlernt haben. Denn genau darum geht es auch beim Rauchausstieg: Sie lernen ohne Zigarette auf ganz neue Art, wie man am besten Stress abbaut, wie man nikotinfrei den Kaffee genießt, wie man Konzentration erreichen kann oder Langeweile vertreiben kann.
Morgens auf die Zigarette zum Kaffee zu verzichten – das kann ich mir partout nicht vorstellen. Wie soll das gehen?
Generell sollten Sie all die Situationen, in denen Sie sonst immer geraucht haben, radikal verändern oder vermeiden. Vielleicht können Sie dann als Nichtraucher morgens auf Tee oder Kakao umsteigen? Alternativ kann man auch morgens einen Apfel essen. Überlegen Sie, was zu Ihnen passt. Ist Ihnen der Kaffee sehr wichtig, dann konzentrieren Sie sich ganz auf den nikotinfreien Geschmack des Getränks. Nichtraucher schmecken Aromen intensiver als Raucher. Erinnert Sie schon die Kaffeetasse an eine Zigarette? Dann kaufen Sie sich eine hübsche neue Tasse, mit der Sie nikotinfrei den Kaffee genießen, möglichst an einem anderen Platz als üblich.
Rauchen empfand ich immer als anregend. Wie soll ich ohne Zigaretten in Schwung kommen?
Halten Sie Ihren Kreislauf auf Trab. Steigen Sie eine Station früher aus dem Bus aus, nehmen Sie die Treppe und nicht den Fahrstuhl, nutzen Sie die Mittagspause für einen flotten Spaziergang. Auch Wasseranwendungen helfen: Tauchen Sie die Unterarme in ein Waschbecken, das mit kaltem Wasser gefüllt ist.

Außerdem: Trinken Sie viel Wasser, denn auch das regt den Kreislauf an. Sie können so lange trinken, bis Sie im Hals ein Brennen spüren, das dem des Rauchens einer Zigarette entspricht.
Ich rauche fast zwei Schachteln am Tag. Was ist die effektivste Methode, aufzuhören?
Wir empfehlen einen „Stopp-Tag“. Helfen können Nikotinersatzstoffe, die man in der Apotheke mit entsprechender Beratung bekommt und Raucher-Entwöhnungskurs. Adressen findet man unter www.anbieter-raucherberatung.de. Wir können Sie auch gern telefonisch bei der Entwöhnung begleiten. Das kostet Sie nichts, da wir anrufen. Anmeldung unter der BZgA-Raucherentwöhnung, Tel.: 01805/31 31 31. Oder Sie nutzen im Internet unter www.rauchfrei-info.de ein interaktives Ausstiegsprogramm.
Ich will schon der Kinder wegen aufhören zu rauchen. Aber ich verschiebe den Termin ständig. Wie komme ich da weiter?
Sie könnten auf einem Zettel notieren, warum Sie mit dem Rauchen aufhören wollen. Denken Sie an finanzielle und gesundheitliche Vorteile, aber auch an Verbesserungen, die mit Ihrer Familie – wie zum Beispiel die Vorbildwirkung gegenüber den Kindern – oder mit Ihren Freunden zu tun haben. Deponieren Sie diesen Zettel möglichst an einem Ort, wo Sie oft am Tag hingucken. Dann suchen Sie sich konsequent in den nächsten zehn Tagen Ihren Stopp-Tag und bereiten sich auf diesen vor.
Wie kann ich mich darauf vorbereiten?
Erforschen Sie genau die Situationen, in denen Sie gewöhnlich rauchen. Warum rauchen Sie jetzt? Suchen Sie Entspannung oder Konzentration oder wollen Sie die Langeweile vertreiben? Dann überlegen Sie, wie man diese Bedürfnisse in den jeweiligen Situationen ohne Zigarette befriedigen könnte. Das erfordert viel Kreativität, aber es lohnt sich. Außerdem sollten Sie vor dem Rauchstopp alle Zigaretten und Rauchutensilien aus der Wohnung verbannen. Vielleicht möchten Sie die Gardinen und Ihre Garderobe waschen, um den Geruch von kaltem Qualm zu beseitigen. Dann tun Sie das.
Meine Tochter raucht noch, obwohl sie schon im dritten Monat ist. Wie kann ich sie motivieren, es zu lassen?
Vielleicht sagen Sie ihr, dass sie durch einen Rauchstopp unendlich viel für sich und das Kind tun könnte: Die Frühgeburtsrate sinkt um die Hälfte im Vergleich zu Schwangeren, die weiterhin rauchen. Das Risiko einer Totgeburt reduziert sich um ein Drittel. Die Lungen des Kindes können sich vollständig entwickeln, und es wird weniger anfällig für Infektionskrankheiten und Allergien. Das Asthma-Risiko geht zurück. Die Gefahr des plötzlichen Kindstods sinkt.
Vorgestern habe ich meinen Sohn – er ist erst 14 – beim Rauchen erwischt. Er wollte nicht mit mir darüber reden. Wie reagiert man am besten?
Suchen Sie eine Situation, in der Sie mit Ihrem Sohn in alle Ruhe reden können. Viele Jungendliche zeigen zunächst wenig Gesprächsbereitschaft. Sie wollen nicht belehrt werden. Sie sind jedoch meist aufgeschlossener gegenüber sachlichen Informationen, aus denen sie selbst ihre Schlüsse ziehen können. Bieten Sie Ihrem Sohn „Fakten“ an. Das wäre zum Beispiel eine Tabelle mit den schädlichen Stoffen, die im Tabakrauch enthalten sind, wie Formaldehyd, Benzol, Nitrosamine und Blausäure. Material für Jugendliche finden Sie unter www.rauch-frei.info.
Ich rauche nur fünf bis zehn Zigaretten am Tag. Meine Mutter macht trotzdem Stress. Sie sagt, dass das für Frauen besonders gesundheitsschädlich ist. Ist das belegt?
Ja, denn Frauen reagieren empfindlicher auf die schädlichen Substanzen im Tabakrauch. So liegt beispielsweise das Risiko für einen Herzinfarkt bei Raucherinnen um 140 Prozent höher als bei Nichtraucherinnen. Im Vergleich dazu steigt bei Männern das Herzinfarktrisiko um 40 Prozent gegenüber Nichtrauchern.

Rauchen ist zudem ein Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs, vorzeitig einsetzende Wechseljahre, verringerte Fruchtbarkeit, Osteoporose (Knochenschwund) und einen beschleunigten Alterungsprozess. Raucherinnen berichten zudem häufiger über Menstruationsbeschwerden und unregelmäßigen Zyklusverlauf.
Welche Sportarten eignen sich besonders, damit man nach dem Rauchstopp nicht zunimmt?
Sie sollten eine Sportart wählen, die Ihnen Spaß macht – denn Erfahrungen zeigen, dass man „reine Vernunftlösungen“ oft nicht lange durchhält. Wenn Sie früher gerne Sport getrieben haben, können Sie vielleicht mit einer Sportart beginnen, die Sie bereits kennen. Ihr Körper erinnert sich noch an die Bewegungsabläufe, und Sie kommen schneller wieder in Form. Wenn Sie Anfänger sind, raten wir zum Beispiel zu Aqua-Gymnastik, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Walken.

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