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Lärm : „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Morgiger „Tag gegen Lärm“ will bewusst machen: Hörschäden sind nicht heilbar

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2014 | 17:39 Uhr

Auf die gefährlichen Folgen von Lärm für das menschliche Hörorgan will die Deutsche Gesellschaft für Akustik mit einem Aktionstag aufmerksam machen. Zum morgigen „Tag gegen den Lärm“ hat Matthias Lanin mit der Vorsitzenden des Berufsverbandes der HNO-Ärzte Mecklenburg-Vorpommern, Dipl.-Med. Angelika von Schütz, über Hörschäden und ihre Behandlungschancen gesprochen

Welche Arten von Hörschäden gibt es?
von Schütz: Man unterscheidet zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungs-Schwerhörigkeit. Beide Formen können auch gleichzeitig auftreten, dies wird als kombinierte Schwerhörigkeit bezeichnet. Die Altersschwerhörigkeit, die Lärm-Schwerhörigkeit und als Sonderform der Hörsturz sind Schallempfindungsschwerhörigkeiten.
Wie kann man die bekommen?
Bakterielle und auch virale Infektionskrankheiten können zum Beispiel Hörschäden hervorrufen. Dies sind in erster Linie Mittelohrentzündungen, insbesondere die sogenannte Grippeotitis, Mumps, Masern, Varizellen und Hirnhautentzündungen.
Und welcher Lärm ist schädlich?
Das zu erkennen, ist in der Praxis oft nicht einfach. Es ist abhängig von subjektiven Faktoren wie Vorschäden des Ohres beim betroffenen Patienten und von der Lärmpegelhöhe und natürlich der Dauer. Daher kann es bei kurzer Lärmeinwirkung und hoher Lautstärke (Akutes Lärmtrauma) als auch bei länger andauernder geringerer Lautstärke (Ständige Lärmexposition) zu bleibenden Hörschäden kommen.
Woran bemerkt man einen Hörschaden?
Bei den betroffenen Patienten tritt eine Hörminderung unterschiedlichen Ausmaßes auf. Diese Hörminderung kann begleitet sein von Ohrgeräuschen und manchmal von Druckgefühl im Kopf und in den Ohren.
Wie wirkt sich Lärm auf die Lebensqualität aus?
Die Folgebeschwerden sind vielfältig und reichen neben den Hörproblemen oder dem Hörverlust oder auch Tinnitus über Kopfschmerzen auch bis zu psychovegetativen Symptomen, wie Schlaflosigkeit und Depressionen.
Und Hörschäden?
Die meisten Patienten schaffen es, sich auf die Situation einzustellen. Andere sind in der Kommunikation im täglichen Leben erheblich beeinträchtigt. Man weiß inzwischen auch, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Minderung und/oder dem Verlust des Hörvermögens und dem Verfall der Gedächtnisleistung. Dies begründet sich in einer durch Hörprobleme verursachten geringeren Forderung des Gehirns durch Reizentzug und daraus resultierender abnehmender sozialer Interaktion. Besondere Bedeutung gewinnt dieser Aspekt durch die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung und eine deutliche Zunahme der Demenzerkrankungen.
Kann man Lärmschäden behandeln?
Im eigentlichen Sinne nicht. Eine einmal eingetretene Schwerhörigkeit ist irreversibel. Sie kann weder durch medikamentöse noch operative Therapien rückläufig gemacht werden. Für die Betroffenen gibt es aber die Möglichkeit einer Hilfsmittelversorgung über ein Hörgerät. Die modernen Hörhilfen sind technisch hochwertig und dadurch für die Patienten eine gute Alternative zum Ausgleich des Hörverlustes. In jedem Fall sollten Betroffene über einen HNO-Arzt ihr aktuelles Hören untersuchen und sich beraten lassen. Eine Vermeidung der Lärmexposition ist den Patienten zu empfehlen, manchmal aus Arbeitsplatzgründen aber nicht einfach realisierbar.
Welche Berufe sind durch Lärm besonders gefährdet?
Betroffen von Lärm-Schwerhörigkeiten sind besonders Beschäftigte in der metallverarbeitenden Industrie, wie beispielsweise Schlosser. Aber auch Berufe wie Tischler, Parkettleger, Bauberufe besonders im Tief- und Straßenbau oder auch Mitarbeiter auf Rollfeldern von Flughäfen.
Nehmen diese Hörschäden zu?
Leider. Oft wird die Lärmeinwirkung auf das Gehör unterschätzt. Auch ein gesundes Ohr braucht Erholungsphasen, was beim Dauergebrauch von MP3-Playern nicht beachtet wird. Auch deshalb gibt es heute bereits Jugendliche mit nachweisbaren Lärmschäden. Selbst in Lärmberufen wird nicht immer und auch nicht situationsgerechter Lärmschutz getragen, obwohl hier die Hersteller inzwischen sehr gute Produkte anbieten.

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