Infektionskrankheit : Schwindsucht ist nicht ausgerottet

Tuberkulose wird durch Bakterien verursacht und häufig durch Husten oder Niesen übertragen.
Tuberkulose wird durch Bakterien verursacht und häufig durch Husten oder Niesen übertragen.

Dass es Tuberkulose längst nicht mehr gibt, ist ein gefährlicher Trugschluss: Jährlich sterben mehr als eine Million Menschen weltweit dran.

svz.de von
06. Juli 2015, 23:34 Uhr

Tuberkulose ist ansteckend und vor allem tückisch. In der öffentlichen Wahrnehmung galt sie lange Zeit als besiegt. Doch die Realität sieht anders aus, weltweit sterben jährlich mehr als eine Million Menschen an der Erkrankung.

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose, auch TB oder TBC, ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit. Die Erkrankung wird durch Bakterien verursacht und bei der häufigsten Form, der offenen Lungentuberkulose, über Husten oder Niesen übertragen. Die Erreger nisten sich dann in aller Regel in der Lunge ein. „Es können aber auch andere Organe infiziert werden“, erläutert Barbara Hauer, Tuberkulose-Expertin im Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Wann bricht die

Erkrankung aus?

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) schätzt, dass ein Drittel der Bevölkerung den Erreger in sich trägt. In vielen Fällen bricht die Krankheit aber nie aus, weil die körpereigene Abwehr sie stoppt. In anderen Fällen erkranken Menschen Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der ursprünglichen Infizierung.

Wie verbreitet ist

Tuberkulose?

Tuberkulose gehört weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten – neben HIV/AIDS und Malaria. Nach dem WHO-Tuberkulosebericht für das Jahr 2014 erkrankten weltweit neun Millionen Menschen. 1,5 Millionen Betroffene starben.

Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu TB-Erkrankungen. 2013 wurden dem RKI 4318 Fälle übermittelt, etwa 100 mehr als 2012.

Wer gehört zu den

Risikogruppen?

Das sind Menschen mit geschwächter körpereigener Abwehr. Schlechte Ernährung und schlechte medizinische Faktoren begünstigen TB. Da im hohen Alter die Abwehrkräfte häufig nachlassen, besteht auch bei Senioren ein erhöhtes Risiko. „Manch einer hat sich zum Beispiel in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg infiziert, aber erst heute kommt die Krankheit zum Ausbruch“, sagt RKI-Expertin Hauer.

Wie zeigt sich

Tuberkulose?

Am Tag fühlt man sich wie bei einer Grippe schlapp, in der Nacht hat man Schweißausbrüche. Hinzu können Fieber, Kurzatmigkeit, ungewollter Gewichtsverlust und Husten mit blutigem Auswurf kommen. Oft stellt der Hausarzt TB zufällig fest. Bei der ansteckenden Form müsen Betroffene in Quarantäne. Erkrankte sollten mit der TB offen umgehen und dafür sorgen, niemanden anzustecken.

Wie sieht eine mögliche

Therapie aus?

„Die Therapie erfolgt über Antibiotika“, sagt Hauer. Im Schnitt liegt die Therapiedauer bei einem halben Jahr. „Eine Behandlung kann sich bei ungünstigen Faktoren über zwei Jahre hinziehen“, sagt Hauer. Wenn Medikamente nicht helfen, dann werden die Entzündungsherde gegebenenfalls bei einer Operation entfernt.

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