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Medizin und Gesundheit

14. Dezember 2017 | 23:42 Uhr

Medizin : Schmerzhafte Darmentzündung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Ältere haben Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut – sie können zu unangenehmen Beschwerden führen

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2014 | 18:30 Uhr

Die Symptome erinnern an eine Blinddarmentzündung: plötzlich einsetzende Schmerzen im Unterbauch, Druckempfindlichkeit, erhöhte Temperatur. Im Blut sind erhöhte Entzündungswerte nachweisbar, unter Umständen lässt sich eine Verhärtung im Bauch tasten. Anders als bei einer Blinddarmentzündung ist das alles aber nicht auf der rechen, sondern auf der linken Bauchseite lokalisiert.

„Es kann sich dann um eine Divertikulitis handeln, eine bakteriell verursachte Entzündung von Divertikeln“, erläutert Prof. Dr. Jörg-Peter Ritz, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an den Schweriner Helios Kliniken. „Sie entsteht in beutelförmigen Ausstülpungen der Darmschleimhaut, den sogenannten Divertikeln. Diese finden sich fast immer im unteren Teil des Dickdarms, dem sogenannten S-Darm.“

Divertikel im Dickdarm sind nichts Ungewöhnliches. Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland leben damit – der größte Teil von ihnen ohne Beschwerden. „Bei 40 Prozent aller Patienten, die zu einer vorsorglichen Darmspiegelung gehen, also keine gesundheitlichen Probleme haben, werden Divertikel entdeckt“, so der Schweriner Chirurg. Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, betroffen zu sein: weit über 50 Prozent Prozent aller über 70-Jährigen haben Divertikel.

Warum es zu diesen Ausbuchtungen der Darmschleimhaut kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Auf jeden Fall, so Prof. Ritz, gibt es einen Zusammenhang zur Lebensweise: Während es in Asien und Afrika kaum Betroffene gibt, nimmt die Erkrankungshäufigkeit in den industrialisierten Ländern auch bei jungen Menschen immer weiter zu. „Eine Ernährung mit viel rotem Fleisch und wenigen Ballaststoffen sowie fehlende Bewegung erhöhen das Risiko, Divertikel zu bekommen“, so der Chirurg.

Divertikel allein müssen nicht behandelt werden. Das wird erst erforderlich, wenn sich Komplikationen entwickeln, was jährlich bei etwa 120 000 Patienten in Deutschland der Fall ist. Dass es zur Entzündung (Divertikulitis) kommt, hängt unter anderem mit dem Darminhalt zusammen. Ist der sehr fest, kommt es zur Verstopfung und damit zu einem verstärkten Druck auf die Darmwand – und auch auf deren Ausbuchtungen. In ihnen sammelt sich Stuhlmasse, Keime können sich ausbreiten und die Schleimhaut entzünden. Das tut weh – und kann schlimmstenfalls dazu führen, dass der Darm platzt und Stuhl in die Bauchhöhle austritt oder sich Abszesse entwickeln. Diese Patienten müssen dann operiert werden.

Bei einer Reihe von Patienten wird die Erkrankung chronisch, das heißt, sie kommt immer wieder. „In solchen Fällen sollte operiert und der entzündete Darmabschnitt entfernt werden“, so Prof. Ritz. Bei unkomplizierten Ersterkrankungen aber reicht fast immer eine konventionelle Therapie mit Antibiotika und einer Diät. Wichtig ist aber auch dabei eine gründliche Diagnostik und eine engmaschige ärztliche Kontrolle – für den Fall, dass das Antibiotikum nicht anschlägt oder für den Fall, dass sich die Entzündung verschlimmert. „Der erste Schub ist der gefährlichste“, betont der Schweriner Chirurg, der an der Entwicklung von Leitlinien zur Behandlung der Erkrankung beteiligt war.

Müsse tatsächlich operiert werden, passiere das in neun von zehn Fällen laparoskopisch, also im Schlüssellochverfahren, so Prof Ritz. Da im Regelfall nur ein etwa 15 cm langer Darmabschnitt entfernt werden müsse, beeinflusse das die spätere Darmfunktion in keiner Weise. Ein künstlicher Darmausgang, den die meisten Patienten besonders fürchten, müsse nur in sehr seltenen Fällen bei Notoperationen gelegt werden. Aber auch bei diesen Patienten kann er zumeist wieder zurückverlegt werden, wenn die Entzündung abgeklungen ist.

Wer einmal erkrankt war – egal, ob er konventionell behandelt oder operiert wurde – sollte anschließend besonders auf seine Ernährung achten. Ballaststoffreiche Kost und regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme, gepaart mit körperlicher Aktivität und dem Abbau von Übergewicht helfen Prof. Ritz zufolge dabei, das Risiko neuer Entzündungen zu reduzieren, die Divertikel selbst gehen aber nicht mehr weg.


Entzündungen des Dickdarms – Appendizitis, Divertikulitis, Colitis – stehen im Mittelpunkt des „Falk-Gastroforums“, das am 6. September im Schweriner Ludwig-Bölkow-Haus stattfindet. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Jörg-Peter Ritz werden dort neueste Erkenntnisse zur Behandlung von Dickdarmentzündungen vermittelt.

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