zur Navigation springen
Medizin und Gesundheit

25. November 2017 | 03:15 Uhr

Medizin : Schluss mit endlosen Schmerzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Säulenbein, geschwollene Arme und Beine, verhärtete Narben: Helios Kliniken Schwerin stellen innovative Behandlungsmethoden vor

svz.de von
erstellt am 12.Mai.2014 | 23:23 Uhr

Als junge Frau wog Heike M.* gerade mal 50 Kilogramm. Das änderte sich mit ihrer Schwangerschaft. Sie nahm 21 Kilogramm zu. Nach der Geburt ihres Kindes wollte sie die überflüssigen Pfunde wieder loswerden. Doch trotz Diäten wurde Heike M. immer dicker, vor allem an den Beinen. Dazu kamen quälende Schmerzen. Die Diagnose: Lipödem – bekannt auch als Säulenbein. Erst eine Operation in den Helios Kliniken Schwerin verschaffte ihr Linderung.

Wie genau ihr die Ärzte helfen konnten, erfahren Interessierte während der „Frühlingstage der Plastischen Chirurgie“, zu denen das Schweriner Krankenhaus am Freitag und Sonnabend, 16. und 17. Mai, einlädt. An beiden Tagen dreht sich alles um die Erkrankung Lipödem, sowie um das Krankheitsbild Lymphödem und die Behandlung chronischer Wunden. Betroffene, Mediziner, Pfleger, Vertreter von Selbsthilfegruppen referieren und diskutieren in einem offenen Forum über den Umgang mit diesen Krankheiten sowie Behandlungsmöglichkeiten und deren Kostenübernahme. Beginn ist am Freitag um 18 Uhr im Rittersaal, Ritterstraße in Schwerin. Anmeldungen werden telefonisch erbeten unter 0385-3430026. Bei einer wissenschaftlichen Tagung am Sonnabend tauschen sich zudem Experten über neueste plastisch-chirurgische Methoden zur Lip- und Lymphödem-Behandlung sowie zu Therapiemöglichkeiten offener Wunden und chronischer Narben durch Eigenfett-Transplantationen aus.

„Beim Lipödem handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, die zwei bis drei Prozent der weiblichen Bevölkerung betrifft und meist im 2. bis 3. Lebensjahrzehnt beginnt“, sagt Dr. Roland Mett, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der Schweriner Helios Kliniken. Aufgrund einer genetischen Veranlagung kommt es bei den Betroffenen zu einem Stau von Lymphflüssigkeit im Gewebe. Das führe dazu, dass der Körper übermäßig Fettzellen produziert, die wiederum Lymphflüssigkeit einlagern. Die Folge: vergrößerte Körperteile, die fortwährend an Masse zunehmen. Insbesondere die Oberschenkel sowie der Gesäß- und Hüftbereich sind betroffen.

„Erkrankte sind erheblich in ihren Bewegungen eingeschränkt und haben starke Schmerzen“, listet der Chefarzt die Folgen auf. „Die Schmerzen kommen schubartig und ich hatte das Gefühl, meine Beine seien einbetoniert“, beschreibt Heike M. ihre Leiden. Doch damit nicht genug. Die körperlichen Auswirkungen von Lipödemen führen häufig auch zu seelischen Belastungen. Betroffene schämen sich für ihr Aussehen und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Behandelt werden Lipödeme zumeist mit Lymphdrainagen und komprimierender Wäsche. „Das hilft aber nur in frühen Stadien der Erkrankung. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht. Zudem haben die Betroffenen weiterhin Schmerzen und der Umfang der betroffenen Körperteile nimmt zu“, so Dr. Metts Einschätzung. „In akuten Fällen haben die Patienten sogar das Gefühl, dass ihre Haut durch die Kompression zu platzen droht.“

Auch Heike M. konnten Besuche beim Physiotherapeuten und das Tragen von Kompressionsstrümpfen nicht helfen. Ihre Situation besserte sich erst durch eine Operation, bei der ihr Dr. Mett Teile des überschüssigen Fettgewebes entfernte. „Ist die Masse an Fett erst mal weg, ist die Voraussetzung für einen Lymphstau nicht mehr gegeben“, erklärt der plastische Chirurg. „Ich bin jetzt viel beweglicher und habe fast keine Schmerzen mehr“, legt Heike M. den Erfolg der OP dar.

Ähnlich vielversprechend sind moderne Therapien bei Lymphödemen. Dabei handelt es sich um Schwellungen und Verhärtungen meist an Armen und Beinen, die entstehen, weil sich Lymphflüssigkeit im Gewebe ansammelt. Der Grund sind funktionsunfähige oder fehlende Lymphbahnen bzw. Lymphknoten. „Das kann angeboren sein. Häufiger werden bei tumorchirurgischen Eingriffen oder infolge von Bestrahlungstherapien Lymphbahnen oder Lymphknoten reduziert bzw. zerstört, wie etwa nach Brustkrebsoperationen oder nach Entfernung des schwarzen Hautkrebses im Bereich der Extremitäten“, erläutert Dr. Mett.

In solchen Fällen können mikrochirurgische Operationen helfen. Aktuell werden in hochspezialisierten Einrichtungen der Plastischen Chirurgie gesunde Lymphknoten zum Beispiel aus der Leistenregion entfernt und an die schadhafte Stelle eingepflanzt. „Es entwickeln sich neue Lymphbahnen und die Flüssigkeit kann wieder vermehrt transportiert werden. Dadurch bildet sich der Umfang und vor allem die Schmerzsymptomatik der betroffenen Extremität zurück“, so der Chefarzt.

Eine in MV weitgehend noch unbekannte, aber bereits erfolgreich eingesetzte Behandlung von Fehlbildungen, beispielsweise an der Brust, von offenen Wunden und Narben verspricht die Eigenfett-Transplantation. Mithilfe eines feinen Wasserstrahls wird ein Teil des Fettgewebes des Patienten schonend abgelöst, gefiltert und dieses dann an benötigter Stelle wieder eingesetzt. Der Clou: Die Substanz enthält neben Fettzellen auch Stammzellen. „Das ist ein echtes Wunder. Je nachdem wohin die Zellen transplantiert werden, machen sie genau das, was von ihnen verlangt wird“, sagt Dr. Mett. „Ins Fettgewebe transplantiert, sorgen die Stammzellen für eine weitere Fettzellbildung und garantieren den Erfolg der Transplantation. Am Rand von offenen, chronischen Wunden sorgen sie für eine verstärkte Zellbildung vom Wundrand ausgehend, sodass die Wunde heilen kann.“

Werden Fett- und Stammzellen in das Fettgewebe unterhalb von Narben gespritzt, helfen sie dabei, das feste Narbengewebe zu reduzieren. „Dadurch werden Narben wieder weich und die Patienten von Narbenschmerzen und Funktionseinschränkungen befreit“, so Dr. Mett, der das Verfahren bei den „Frühlingstagen der Plastischen Chirurgie“ stärker in die Öffentlichkeit rücken möchte. „Die wissenschaftliche Tagung am Sonnabend ist eine Chance, zu zeigen, was heute in der wiederherstellenden Chirurgie alles möglich ist.

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen