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Medizin und Gesundheit

21. November 2017 | 17:00 Uhr

Reform : Neue Stützen für Pflegebedürftige

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Reform der Altenpflege in Deutschland: Angehörige sollen entlastet werden, die Unterstützung von Pflegebedürftigen wird erhöht. Eine Komplettumstellung soll folgen.

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Grünes Licht für die schwarz-rote Pflegereform: Ab 2015 erhalten die rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland höhere Leistungen. Auch die Angehörigen sollen entlastet werden. Ein weiterer Reformschritt ist noch vor der nächsten Bundestagswahl geplant. Kritiker halten das jetzt beschlossene Gesetz für unzureichend. Echte Entlastung oder vertane Chance? Hintergründe liefert Rasmus Buchsteiner.

Wie stark steigen die Pflegesätze?
Die Sätze – bisher bis zu 700 Euro bei häuslicher Pflege und bis zu 1918 Euro bei Heimpflege – werden zu Jahresbeginn 2015 um vier Prozent steigen.
Für Leistungen der Pflegestufe 0 soll das Plus allerdings mit 2,67 Prozent geringer ausfallen. Der Pflegeversicherung werden ab 2017 jedes Jahr fünf Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen – 20 Prozent mehr als heute.

 

Gibt es weitere Verbesserungen?
Die Zuschüsse für den Umbau in Wohnungen Pflegebedürftiger sollen steigen, von derzeit höchstens 2500 auf künftig 4000 Euro. Darüber hinaus sind steigende Zuschüsse für Pflegehilfsmittel wie Pflegebetten oder Notrufsysteme vorgesehen. Pflege-Leistungen können besser miteinander kombiniert werden. Wer eigentlich zu Hause gepflegt wird, soll leichter vorübergehend in einem Heim oder von ambulanten Diensten betreut werden können. Tages- und Nachtpflege kann ungekürzt neben Geld- und Sachleistungen beansprucht werden. Damit sollen pflegende Angehörige entlastet werden.

Was ändert sich sonst noch für Angehörige?
Wenn Angehörige pflegebedürftig werden, sollen Arbeitnehmer im Beruf eine Auszeit von zehn Tagen nehmen können. Dazu ist eine Lohnersatzleistung vergleichbar mit dem Kinderkrankengeld vorgesehen. Höhe: 70 Prozent des Bruttolohns. Außerdem soll ein Rechtsanspruch auf eine Pflege-Auszeit von sechs Monaten – mit Kündigungsschutz, aber ohne Lohnersatz – eingeführt werden. Ferner erhalten Beschäftigte, die Angehörige pflegen, einen Anspruch darauf, ihre Arbeitszeit für die Dauer von bis zu 24 Monaten zu reduzieren.´

Welche Verbesserungen gibt es in Heimen?
Die Reform sieht mehr Personal für Heime vor. So sollen die Fachkräfte bei Aufgaben entlastet werden, die nicht in strengem Sinne mit Pflege zu tun haben wie Vorlesen oder Spaziergänge. Der Personalschlüssel in den Heimen – die Zahl der Betreuungskräfte je Pflegefall – soll von derzeit 1 zu 24 auf 1 zu 20 angehoben werden. Damit würde die Zahl der Betreuungskräfte in der stationären Pflege von heute 25 000 auf 45 000 steigen.

Wie wird die Reform finanziert?
Die Koalition will den Pflegebeitragssatz um 0,5 Prozentpunkte bis zum Ende der Wahlperiode erhöhen. Zu Jahresbeginn 2015 soll es zunächst eine Anhebung um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent beziehungsweise auf 2,6 Prozent für Kinderlose geben. Für die Pflegeversicherung bedeutet das Zusatzeinnahmen von 3,6 Milliarden Euro. Wann der nächste Erhöhungsschritt folgen wird, ist noch offen.

Werden mit der Beitragserhöhung ausschließlich bessere Leistungen finanziert?
Nein. Ein Drittel der Einnahmen aus der für 2015 geplanten Beitragserhöhung – rund 1,2 Milliarden Euro – sollen angespart werden. Ziel sind stabile Beiträge, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ab etwa 2035 das „Pflege-Alter“ erreichen. Kritiker meinen jedoch, dass das zurückgelegte Geld über die Jahre an Wert verliere.

Werden Demenzkranke in der Pflegeversicherung künftig voll berücksichtigt?
Bisher erhalten rund 250 000 der 1,4 Millionen Demenzkranken keine Pflege-Leistungen. Ab Januar 2015 können sie – vorausgesetzt sie sind in Pflegestufe 0 – auch Angebote der Tages- und Nachtpflege in Anspruch nehmen. Bis spätestens 2017 soll dann ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt werden: Statt drei Stufen sind fünf Pflegegrade vorgesehen, von denen der Umfang der Leistungen für den Einzelnen letztlich abhängt.

Wie soll die Einstufung Pflegebedürftiger künftig funktionieren?
Das neue System soll sich nach den (noch) vorhandenen Alltagskompetenzen der Pflegebedürftigen richten. Sechs Kriterien sollen den Ausschlag für die Bestimmung des Pflegegrads geben: (1) Mobilität und selbstständiges Bewegen des Körpers; (2) Kognitive Fähigkeiten wie Erinnerungs- und Orientierungsvermögen; (3) Verhaltensweisen und psychische Probleme wie Panikattacken oder Wahnvorstellungen; (4) Selbstständigkeit bei Körperpflege, Essen, Trinken und Anziehen; (5) Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen wie Medikamenteneinnahme oder Wundversorgung sowie (6) Alltagsleben, soziale Kontakte und selbstständige Zeiteinteilung.
 

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