zur Navigation springen
Medizin und Gesundheit

18. Dezember 2017 | 05:59 Uhr

Burnout : Monotonie macht krank

vom

Arbeitsstress kann krank machen. Burnout, die neue Volkskrankheit, sucht nicht nur Prominente heim. Die IG Metall fordert eine Anti-Stress-Verordnung, um Beschäftigte zu schützen und Milliardenkosten zu ersparen.

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2012 | 10:09 Uhr

Arbeitsstress kann krank machen. Burnout, die neue Volkskrankheit, sucht nicht nur Prominente heim. Die IG Metall fordert eine Anti-Stress-Verordnung, um Beschäftigte zu schützen und der Gesellschaft Milliardenkosten zu ersparen. Hintergründe zu Belastungen am Arbeitsplatz.

Werden psychische Belastungen zum Problem?

Der englische Begriff Burnout, zu deutsch Ausgebranntsein, ist ein Zustand völliger geistiger Erschöpfung. Auch die Krankenkassen warnen: Psychische Gründe für Krankheit und Frühverrentung sind auf dem Vormarsch. 40 Prozent aller Frühverrentungen erfolgen aus psychischen Gründen. Ein Drittel der Krankheiten von Beschäftigten sei arbeitsbedingt, sagt Präventionsforscher Professor Rolf Rosenbrock. Der Wissenschaftliche Dienst der AOK sieht "gestiegene psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz" als Grund für den Anstieg der Fehltage aufgrund psychischer Beschwerden. So hat sich die Zahl der so begründeten Fehltage bei den AOK-Versicherten zwischen 2004 und 2010 von 8,1 auf 72,3 nahezu verneunfacht. Der BKK-Bundesverband gibt für den gleichen Zeitraum sogar eine Steigerung der Burnout-Fehltage um das Vierzehnfache an. Allerdings machen die Kassen darauf aufmerksam, dass die Zunahme der Burnout-Fehltage nicht allein damit zu begründen wäre, dass immer mehr Menschen psychische Probleme haben. Durch die Enttabuisierung psychischer Leiden würden psychische Ursachen nun auch häufiger erkannt und diagnostiziert. Burnout ist dabei keine eigentliche Behandlungsdiagnose, sondern ein Begriff, hinter dem sich spezifischere Krankheiten verbergen.

Wie hoch sind die Kosten?

Von 254 Milliarden Euro Krankheitskosten im Jahr 2008 entfielen 28,4 Milliarden Euro auf psychische Störungen. Sie machen 11,3 Prozent aus und nehmen damit nach Erkrankungen des Kreislaufsystems und des Verdauungssystems den dritten Rang ein. Weitere 26 Milliarden Euro kostete der Produktionsausfall nach Angaben von Forschern. Der Anteil arbeitsbedingter psychischer Belastungen verursacht dabei direkte Krankheitskosten von 9,9 Milliarden Euro und indirekte Kosten von 19,9 Milliarden Euro.

Welche Belastungsfaktoren gibt es?

Die IG Metall nennt zwei Beispiele: "Monotonie in der Arbeit kann zu einer ernsten psychischen Gefährdung werden", warnt Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban. Bei Montagetätigkeiten würden die Takte immer weiter verkürzt, so dass Menschen im Sekundenabstand über einen ganzen Arbeitstag hinweg immer gleiche Tätigkeiten ausführen müssten. Mindestarbeitstakte, die kürzer als 90 Sekunden sind, sollten deshalb in einer Anti-Stress-Verordnung verboten werden. Für Angestellte gehören Projektarbeiten häufig zum Alltag. "Allerdings werden Beschäftigte von einem Projekt in das nächste gehetzt", warnt Urban. Die Folge überlappender Projektlaufzeiten sei "Arbeiten ohne Ende".

Sind neue Bestimmungen nötig?

Die Gewerkschaft hält das Arbeitsschutzgesetz für gut, jedoch nicht seine Umsetzung: Bei psychischen Belastungen gebe es eine Schutzlücke - alles, was einfach messbar sei, werde viel eher umgesetzt: Von der Ergonomie am Arbeitsplatz bis zur Schadstoff- oder Lärmbelastung. So gibt es neun Verordnungen zum Arbeitsschutzgesetz, von der Bildschirmarbeitsverordnung bis zur Biostoffverordnung. Mit einer Anti-Stress-Verordnung, die ohne Zustimmung des Bundesrates von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) umgesetzt werden könne, verspricht sich die Gewerkschaft bessere Möglichkeiten, um gegen krankmachenden Stress am Arbeitsplatz vorzugehen. Verstöße sollten mit Bußgeldern und notfalls strafrechtlich verfolgt werden.

Ist die Politik für das Thema sensibilisiert?

Die Bundesarbeitsministerin hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass sie 2012 eine Kampagne gegen Arbeitsstress führen will: Sie wolle sich "mit Tarifpartnern, Sozialversicherungsträgern sowie Länderexperten zusammensetzen, um wirksame Maßnahmen gegen psychische Überlastung im Beruf zu entwickeln". Strengere Gesetze solle es aber nicht geben. Studien zeigten, dass "sieben von zehn Unternehmen das Thema schleifen lassen - meist aus Unwissenheit oder Hilflosigkeit".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen