Lesertelefon : Mit gesunder Lebensweise gegen Krebs

Vorsorge statt Nachsorge: Durch eine Darmspiegelung kann Darmkrebs rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
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Vorsorge statt Nachsorge: Durch eine Darmspiegelung kann Darmkrebs rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Warum Vorsorge so wichtig ist: Experten der Helios Kliniken Schwerin beantworteten gestern die Fragen unserer Leser zum Thema Darmkrebs.

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10. März 2016, 05:00 Uhr

Kann ich der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen?
Man kann sehr viel tun, um der Entstehung von Darmkrebs vorzubeugen. So gelten äußere Einflussfaktoren als häufigste Ursache für seine Entstehung. Genetische Faktoren kommen auch vor, sind aber deutlich seltener die Ursache für eine Darmkrebserkrankung. Zu den vermeidbaren Auslösern von Darmkrebs zählen unter anderem Rauchen, Fleischverzehr, Übergewicht, Fast Food, wenig Bewegung, etc. Durch eine gesunde Lebensweise kann man also bereits viel tun, damit kein Krebs entsteht.

Ich habe keine Beschwerden – warum soll ich zur Vorsorge gehen?
Krebs ist eine heimtückische Erkrankung, die häufig noch in Stadien heilbar ist, in denen man keine Beschwerden hat und umgekehrt häufig nicht mehr heilbar ist, wenn bereits Beschwerden auftreten. Darum ist die Vorsorge so wichtig.

Welche Therapien gibt es?
Bei Darmkrebs führen nur die klassischen Therapien wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie zu den besten Behandlungsergebnissen und bieten eine Möglichkeit auf Heilung. Allerdings werden diese klassischen Therapien heutzutage durch neue Behandlungsmethoden ergänzt, die das Leben krebskranker Patienten nicht nur deutlich verlängern, sondern auch ihre Lebensqualität verbessern. Hier sind vor allem der Einsatz neuer Medikamente, die das Immunsystem stimulieren (Immuntherapie) oder die zielgerichtet die Gefäßversorgung von Tumoren unterbinden und somit zum Absterben der Krebszelle beitragen (zielgerichtete Therapie) hervorzuheben.

Ist Darmkrebs heilbar?
Bei früher Entdeckung ist Darmkrebs zum größten Teil heilbar. Die Medizin hat in den letzten Jahren zudem deutliche Fortschritte gemacht, sodass in Stadien, in denen der Darmkrebs früher nicht heilbar gewesen wäre, es heute gelingen kann, eine Heilung hervorzurufen. In fortgeschrittenen Stadien ist eine Heilung jedoch weiterhin nicht mehr möglich.

Kann man an den Blutwerten erkennen, ob man Darmkrebs hat?
Leider gibt es keinen sicheren oder spezifischen Blutwert, an dem man erkennen kann, dass eine bösartige Erkrankung im Darm vorliegt. Es gibt zwar den Nachweis von sogenannten Tumormarkern im Blut. Diese sind jedoch leider nicht so sicher, dass man damit einen Tumor ausschließen oder nachweisen kann. Entsprechend bleiben immer noch die Darmkrebsvorsorge durch den Test auf Blut im Stuhl und als sicherste Maßnahme die Darmspiegelung übrig, wenn man Darmkrebs ausschließen will.

Muss immer operiert werden?
Das hängt davon ab, in welchem Stadium der Erkrankung der Tumor im Darm erkannt wird. Es gibt wenige ganz frühe Tumorstadien, in denen wir keine Operation durchführen müssen. Diese können allein durch endoskopische Maßnahmen entfernt und geheilt werden. Ist ein Tumor sehr weit fortgeschritten, kommt häufig leider auch eine Operation nicht mehr in Betracht, da durch die Operation kein Heilungserfolg mehr erzielt werden kann. Für die weit überwiegende Mehrzahl aller Patienten mit Darmkrebs, bleibt jedoch die Operation das einzige Verfahren, mit dem die Tumorerkrankung sicher entfernt und in vielen Fällen auch geheilt werden kann.

Was passiert mit mir, wenn ein Stück Darm entfernt werden muss?
Der Darmkrebs betrifft typischerweise den Dick- und den Mastdarm. Diese beiden haben zusammen eine Länge von etwa 1,60 bis 1,80 m. Wenn wir bei einer Operation einen Darmtumor entfernen, wird der Tumor mit einem Sicherheitsabstand und den umliegenden Lymphknoten und Lymphbahnen entfernt. Damit entfallen immer etwa 20 bis 30 cm des Darms, manchmal auch noch mehr. Man kann jedoch ohne dieses Stück des entfernten Darms sehr gut leben.

Der Dickdarm hat vor allen Dingen die Aufgabe, dem Stuhl Wasser zu entziehen. Entsprechend kommt es nach Entfernung von Anteilen des Dickdarms dazu, dass der Stuhlgang etwas dünner wird und auch häufiger auftritt. Im Allgemeinen muss vorübergehend mit Verdauungsbeschwerden gerechnet werden, die sich durch eine angepasste Ernährung jedoch meistens gut behandeln lassen.

Wann ist ein künstlicher Darmausgang erforderlich?
Heutzutage wird nur noch bei wenigen Patienten ein dauerhafter künstlicher Darmausgang angelegt. Etwa 90 Prozent aller Patienten mit Darmkrebs können heute ohne einen solchen Ausgang operiert werden. Wir legen diesen Ausgang dann an, wenn der Tumor ganz nahe am Schließmuskel liegt und somit nach der Operation die Kontinenzleistung eingeschränkt wäre. In manchen Fällen wird vorübergehend noch ein künstlicher Darmausgang angelegt, um die Darmnähte zu schützen. Dieser kann 4 bis 6 Wochen nach der Operation problemlos und ohne Eröffnung des Bauchraumes wieder zurück verlegt werden.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Entwicklung von Darmkrebs?
Neben Faktoren wie Erbanlagen, höherem Lebensalter, Rauchen und Alkoholmissbrauch ist bekannt, dass eine unausgewogene Ernährung das Risiko an Krebs zu erkranken, erheblich fördern kann. Übergewicht, durch eine erhöhte Energiezufuhr, ein hoher Fettanteil in der Lebensmittelauswahl, eine hohe Alkoholzufuhr, eine ballaststoffarme Kost und eine unzureichende Zufuhr bestimmter Vitamine und Spurenelemente sowie sekundärer Pflanzenstoffe begünstigen die Entwicklung vieler Organtumore.

Zusätzlich steigt das Risiko an Krebs zu erkranken durch die Aufnahme krebserregender Stoffe in Lebensmitteln wie Schimmelpilze oder Benzpyrene, welche beispielsweise beim Grillen entstehen können.

Welche krebshemmenden Ernährungsaspekte sind heute bekannt?
Um Einfluss auf die Krebsentstehung zu nehmen, sind heute verschiedene krebshemmende Ernährungsfaktoren bekannt.

1. Eine reduzierte und bewusst gewählte Fettzufuhr ist wichtig. Wünschenswert ist eine tägliche Fettaufnahme von etwa 60 bis 80g Fett (etwa 1g Fett pro kg Körpergewicht). Neben der Fettmenge ist aber auch die Fettauswahl entscheidend. Der Verzehr von pflanzlichen Ölen wie Raps-, Oliven-, Lein- oder Maiskeimöl ist zu bevorzugen. Auch sollten 1- bis 2-mal pro Woche fettreiche Seefische wie Hering, Wildlachs, Makrele und Thunfisch auf dem Speiseplan stehen. Diese Fettfische enthalten reichlich Omega-3 Fettsäuren, welche nicht nur die Blutfettwerte positiv beeinflussen und auf die Gefäße schützend wirken, sondern unter anderem auch die Durchblutung fördern und entzündungshemmende Funktionen im Körper übernehmen.

2. Auch Ballaststoffe üben vielfältige Schutzmechanismen aus. Ballaststoffe sind unverdauliche Pflanzenfasern, welche überwiegend in Gemüse und Obst sowie Getreide und Getreideerzeugnissen (z.B. Vollkornbrot. Haferflocken, Naturreis) vorkommen. Neben der sättigenden Wirkung beeinflussen Ballaststoffe die Darmgesundheit. Die unverdaulichen Pflanzenbestandteile regen die Darmtätigkeit an, verhindern eine Verstopfung und verkürzen die Verweildauer der Nahrung im Darm. So bleibt Schadstoffen, welche auf dem Verdauungsweg entstehen, nur wenig Zeit die Darmschleimhaut zu schädigen.

3. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe sind das A und O. Zur ausreichenden Bedarfsdeckung von Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist es wichtig, reichlich Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Täglich sollten es fünf Portionen sein, wobei eine Portion etwa in eine Hand passen sollte.

Besonders zu empfehlen sind Gemüse und Obst der Saison und besser noch regional angebaut, denn dann ist der Gehalt der wünschenswerten Inhaltsstoffe besonders hoch. Sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Carotinoide, der gelbrote Pflanzenfarbstoff in Möhren, Paprika, Tomate), Vitamin E und C, Selen und Calcium haben eine gewisse Schutzwirkung.

Was ist mit Fleisch und Wurstwaren? Steigert ein übermäßiger Verzehr das Darmkrebsrisiko?
Gerade verarbeitete Fleischwaren wie Wurst und Speck, konservierte Fleischsorten wie Corned Beef oder Fertigsoßen mit Fleisch, erhöhen das Risiko an Darmkrebs zu erkranken. Das Fleisch von Rindern, Kälbern und Schweinen erhöht vermutlich ebenfalls das Risiko für die Entwicklung eines Darmkrebses. Genügend verlässliche Studien liegen allerdings aktuell noch nicht vor.

Wichtig ist es zu wissen, dass ein gesunder Mensch nicht auf Fleisch verzichten muss. Ein vernünftiges Maß beim Verzehr ist empfehlenswert, um auch von den im Fleisch wichtigen Nährstoffen wie Eiweiß, Eisen und Vitaminen zu profitieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bewertet weißes Fleisch wie Geflügel unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger als rotes Fleisch von Rind und Schwein. Pro Woche werden nicht mehr als 300 bis 600g Fleisch und Fleischerzeugnisse empfohlen, durchschnittlich sind das täglich nicht mehr als 70g.

Immer, wenn ich Milch- oder Milchprodukte zu mir nehme, habe ich Probleme. Ist das eine Lactoseintoleranz?
Vor, während oder auch nach der Therapie kann es zu Schwierigkeiten bei der Verträglichkeit von einzelnen Lebensmitteln kommen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass durch die Störung der Verdauungsfunktion eine Milchzuckerunverträglichkeit (Lactoseintoleranz) entstehen kann. Es kommt dann unter Umständen zu Blähungen, Bauchschmerzen und durch den Einstrom von Wasser auch zu Durchfall. Nicht jede Blähung spricht für eine Lactoseintoleranz. Wer die Vermutung einer Unverträglichkeit hat, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen und einen Lactosetoleranztest durchführen.

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