Serie : Mein Feind, die Wespe

Obst lockt Wespen an - Insektengiftallergiker müssen beim Essen im Freien daher besonders auf der Hut sein.
Obst lockt Wespen an - Insektengiftallergiker müssen beim Essen im Freien daher besonders auf der Hut sein.

Insektengiftallergien sind lebensgefährlich. Eine spezifische Immuntherapie über einen längeren Zeitraum wirkt jedoch bei fast allen Betroffenen.

svz.de von
17. März 2014, 14:44 Uhr

Manche gehen nicht gern vor die Tür, wenn es draußen wärmer wird. Wer eine heftige Insektengiftallergie hat und von einer Biene oder Wespe gestochen wird, kann schnell in Lebensgefahr schweben, wenn er kein Notfallset dabei hat. Eine Immuntherapie kann die Gefahr senken.

Auslöser einer Insektengiftallergie sind in unseren Breiten vor allem Honigbienen sowie einige Wespenarten. Dass Menschen auf das Gift dieser Insekten mit einer oft schmerzhaften Schwellung rund um die Einstichstelle reagieren, ist völlig normal. Bei etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung kommen örtliche allergische Reaktionen hinzu – zu erkennen an Schwellungen, die im Durchmesser oft größer als zehn Zentimeter sind und länger als 24 Stunden fortbestehen. Diese Form der Insektengiftallergie ist zwar sehr unangenehm, lässt sich aber meist durch feuchte, kühlende Umschläge sowie antientzündliche Cremes gut behandeln und klingt nach einigen Tagen wieder ab. Doch es kann auch schlimmer sein: Etwa drei Prozent der Bevölkerung zeigen anaphylaktische Stichreaktionen. Typisch sind Beschwerden, die ohne Zusammenhang mit der Einstichstelle auftreten. Sie sind Zeichen einer möglicherweise lebensgefährlichen Situation. Betroffene verspüren zum Beispiel ein Kribbeln an Handtellern und Fußsohlen, Quaddelbildung am gesamten Körper, Atemnot und Herzrasen. Auch Kreislaufbeschwerden wie Schwindel und Schwächegefühl sind möglich, die meist innerhalb von Minuten bis zu etwa einer halben Stunde nach dem Stich beginnen. Schlimmstenfalls kommt es zum allergischen Schock, dem totalen Herz-Kreislauf-Versagen.

Verglichen mit anderen Allergien wie Heuschnupfen sei das Risiko für anaphylaktische Reaktionen bei Insektengiftallergien grundsätzlich erhöht, weil das Allergen eingestochen werde und dadurch große Mengen direkt in den Organismus gelangten, erklärt Prof. Margitta Worm. Sie leitet das Allergie-Centrum an der Charité in Berlin. Glücklicherweise trete ein allergische Schock nur bei 0,5 Prozent der Patienten mit Insektengiftallergien auf. „Kommt es nach einem Stich zu Atemnot oder Kreislaufsymptomen wie Schwindel, Herzrasen und Ohnmacht, sollte unverzüglich der Notarzt gerufen werden“, betont Worm. Für Betroffene besteht Lebensgefahr. Auch wenn sich nur Hautreaktionen zeigen, sollten Patienten unmittelbar zum Arzt.

Alle Patienten, die einmal eine anaphylaktische Reaktion durchgemacht haben, erhalten nach positiver Testung auf eine Insektengiftallergie ein Notfallset. Es enthält lebensrettende Medikamente und sollte immer griffbereit sein. Ein zweiter wichtiger Schritt für diese Patienten sei es, eine spezifische Immuntherapie zu beginnen, erklärt Worm. Dabei werden über einen längeren Zeitraum regelmäßig verdünnte Gaben des Insektengifts gespritzt. „Die spezifische Immuntherapie schützt über 90 Prozent der Behandelten sicher vor erneuten anaphylaktischen Reaktionen“, sagt die Allergologin.

Neben diesen Maßnahmen bleibt es grundsätzlich immer wichtig, Stiche durch entsprechendes Verhalten zu vermeiden. Meist kommt es durch unbedachtes Verhalten zu Stichen: etwa durch panisches Vertreiben der Tiere, Unachtsamkeit beim Essen im Freien.

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