Schlafstörungen : Manche Krankheiten zeigen sich erst in der Nacht

Leitet das Kinderschlaflabor: Dr. Frank Kirchhoff
Leitet das Kinderschlaflabor: Dr. Frank Kirchhoff

Im Gespräch: Oberarzt Dr. Frank Kirchhoff / Tipp für Eltern: Abendrituale machen Kinder schläfrig

svz.de von
29. Juli 2014, 11:00 Uhr

Hinter Schlafstörungen können sich verschiedene Krankheiten verbergen. Sie können aber auch harmlos sein. Im Kinderschlaflabor findet Oberarzt Dr. Frank Kirchhoff heraus, woran der Patient leidet. Er leitet das Kinderschlaflabor am Klinikum Südstadt in Rostock. Jenny Strozyk sprach mit dem Oberarzt über seine Arbeit.

Wozu dient das Schlaflabor?

Kirchhoff: In einem Schlaflabor werden die drei Bewusstseinsstadien untersucht: der Wachzustand, der REM-Schlaf – Rapid-Eye-Movement, heißt übersetzt Schlaf mit rascher Augenbewegung – und der NREM-Schlaf – Non-Rapid-Eye-Movement, heißt übersetzt Schlaf ohne rasche Augenbewegung und unterteilt sich in Einschlafen, Leichtschlaf und Tiefschlaf. In den drei Phasen unterscheidet sich die Atem- und Hirnaktivität. Mit Hilfe der aufgezeichneten Parameter können wir ermitteln, ob Atempausen oder epileptische Anfälle für die Schlafstörungen verantwortlich sind oder ob es sich um einen Nachtschreck handelt.

Welche Daten werden gesammelt?

Die Hirnströme werden gemessen, die Augenbewegung, der Muskelturnus an den Beinen und die Körperbewegung. Außerdem wird die Sauerstoffsättigung, der Druck vor der Nase und die Luftbewegung ermittelt. Damit kann die Atmung überwacht werden. Über das EKG werden Herzreaktionen festgestellt. Etwa bei Krampfanfällen beschleunigt sich oft die Herzfrequenz. Auch Rhythmusstörungen können dadurch festgestellt werden. Über eine Kamera und ein Mikrofon werden die Kinder die ganze Nacht überwacht.

Wie läuft ein Besuch im Schlaflabor ab?

Zuerst gibt es ein Vorgespräch, bei denen wir die Kinder untersuchen und ihnen die Angst vor dem Unbekannten nehmen. Wir erklären wie alles abläuft. Dann wird der Termin für die Übernachtung in der Klinik vereinbart. In der Regel reicht eine Nacht im Schlaflabor aus. Bei Kindern, die Ein- oder Durchschlafstörungen haben, sollten es auch zwei sein. Die Schwester verkabelt das Kind und in der Nacht zeichnen wir die Daten am Computer auf. Die Kosten trägt die Krankenkasse.

Wann sollte ein Kind im Schlaflabor beobachtet werden?

Wenn Eltern Auffälligkeiten beim Schlaf ihres Kindes feststellen, beispielsweise bei langen Atemaussetzern, bei Schnarchen, andauernden Weckreaktionen, bei sehr unruhigem Schlaf oder bei unklaren Bewegungen, bei denen es sich um Krampfanfälle handeln könnte.

Was empfehlen Sie Eltern, deren Kinder Einschlafprobleme haben?

Rituale sind wichtig. Dadurch wird der Übergang von Tag zu Nacht geschaffen. Die Rituale sollten aus mehreren Schritten bestehen, aber nicht länger als 30 Minuten dauern. Dazu gehört das Zähneputzen, eine Geschichte, ein Gute-Nacht-Kuss und vielleicht auch eine kleine Massage. Die Schritte sollten sich jeden Abend wiederholen. Es ist wichtig, die Kinder schläfrig aber nicht schlafend hinzulegen. Sie sollen lernen, allein einzuschlafen. Wenn sie in der Nacht hochschrecken, schlafen sie dann allein wieder ein. Auch der Einschlaf- und Aufwachort sollte der gleiche sein. Auf elektronische Geräte mit blauen Lichtanteilen, wie PCs oder Handys sollte abends verzichtet werden.

Gibt es Phasen in der Kindheit, in denen Schlafstörungen auftreten?

In jeder kindlichen Phase kann es zu Schlafunregelmäßigkeiten kommen. Beispielsweise können Kinder zwischen drei und sechs Jahren an so genannter Schlafapnoe leiden.

Schulkinder neigen zu Schlafwandel und in der Pubertät treten vermehrt Einschlafstörungen auf.

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