Ernährung : Macht Werbung Kinder dick?

Weltweit sind rund 41 Millionen Kinder übergewichtig oder fettleibig, heißt es in einem aktuellen Bericht der WHO-Kommission.
Weltweit sind rund 41 Millionen Kinder übergewichtig oder fettleibig, heißt es in einem aktuellen Bericht der WHO-Kommission.

Millionen Jungen und Mädchen sind laut WHO-Bericht übergewichtig. Experten fordern eine Zucker-Fett-Steuer und eine Werbe-Beschränkung.

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26. Januar 2016, 12:00 Uhr

Die Zahl dicker, kleiner Kinder hat erheblich zugenommen – vor allem in Afrika und Asien. Mindestens 41 Millionen Mädchen und Jungen unter fünf Jahren sind übergewichtig oder fettleibig, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern in Genf berichtete. Das entspreche 6,1 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe – 1990 seien es 31 Millionen (4,8 Prozent) gewesen.

Die Schuld für diesen Anstieg sieht die WHO vor allem in der Werbung für ungesundes Essen. Die Staaten müssten daher mit Gesetzen und Programmen eingreifen. In Deutschland fordern Experten Ähnliches.

Am stärksten stieg die Zahl zu dicker Kinder unter fünf Jahren nach dem WHO-Bericht in Ländern mit unterem und mittlerem Einkommen. 2014 waren dort 15,5 Millionen Kinder übergewichtig – mehr als doppelt so viele wie 1990 (7,5 Millionen). Fast die Hälfte der zu dicken Kinder lebe in Asien (48 Prozent), ein Viertel in Afrika.

Die WHO wies auch darauf hin, dass Unterernährung in der frühen Kindheit das Risiko für Übergewicht in späteren Jahren erhöhe, wenn sich die Ernährung und körperliche Aktivität änderten.

Grundlage für die Einstufung als übergewichtig ist der Body-Mass-Index (BMI), der sich aus dem Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht errechnet. Fettleibige (adipöse) Menschen haben ein erhöhtes Risiko für viele Gesundheitsprobleme, etwa Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die Psyche kann leiden.

Hierzulande gibt es der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) zufolge keine aktuellen Daten über die Zahl kleiner, dicker Kinder.

Eine repräsentative Erhebung unter Drei- bis Sechsjährigen habe es zuletzt zwischen 2003 und 2006 gegeben, sagte Sprecherin Stefanie Gerlach. Die DAG gehe aber davon aus, dass die Zahlen im älteren Kindes- und Jugendalter auf einem hohen Niveau geblieben sind.

Die WHO wandte sich direkt an die Staaten. „Ein stärkeres politisches Engagement ist notwendig, um die globale Herausforderung von kindlichem Übergewicht und Fettleibigkeit anzugehen“, teilte der Co-Vorsitzende der WHO-Kommission zur Bekämpfung von Fettleibigkeit bei Kindern, Peter Gluckman, mit. So könnten etwa Standards für Schulessen, eine Zucker-Steuer oder die Beschränkung von Werbung für ungesundes Essen helfen.

Auch die DAG sieht den Staat in der Pflicht. „Alle Erfahrungen haben gezeigt, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Lebensmittelindustrie nicht wirksam sind“, resümiert Gerlach. Deshalb fordere ihr Verband eine Zucker-Fett-Steuer. Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke, die sich an Kinder und Jugendliche wende, sollte beschränkt werden. Alle Bundesländer sollten zudem Qualitätsstandards für Schulessen verbindlich festlegen.

Tipps für Eltern: Übergewicht vorbeugen

Wenn Kinder übergewichtig werden, bemerken Eltern das nicht immer rechtzeitig. Sind sie sich unsicher, sprechen sie am besten regelmäßig den Kinderarzt auf das Thema an. „Der verfolgt Wachstum sowie Entwicklung des Kindes und sieht deshalb als Erster, wenn das Gewicht aus der Bahn läuft“, sagt Stefanie Gerlach, Sprecherin der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG).

Muss der Arzt bereits Fettleibigkeit feststellen, gibt es Gerlach zufolge spezialisierte Einrichtungen, die eine Adipositas-Therapie anbieten, in der Betroffene etwa über eine Veränderung des Lebensstils beraten werden.

 „Ist die Notwendigkeit der Therapie vom Arzt bescheinigt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten“, so die DAG-Sprecherin.

Eltern sollten ihren Kindern außerdem mit gutem Beispiel vorangehen, sagt Stefanie Gerlach. Konkret empfiehlt sie, die Sprösslinge zum Sport zu bewegen und Fernsehzeiten zu begrenzen. Eltern sollten ihre Kinder auch nicht überall mit dem Auto hinfahren und sie stattdessen ermutigen, öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad zu nehmen.

Außerdem wichtig: mit frischen Zutaten selbst kochen, statt Fertiggerichte und Fast Food zu kaufen.

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