Gesundheit : Lüftungsanlagen gegen Allergien

Gesundheit! Wer von Allergenen in der Luft geplagt ist, kann Abhilfe schaffen.⋌ Foto: dpa
Gesundheit! Wer von Allergenen in der Luft geplagt ist, kann Abhilfe schaffen.⋌ Foto: dpa

Gesundheit! Wie geht es Ihrer Nase? Wer unter Allergieerregern aus der Luft leidet, dem kann eine Lüftungsanlage im Haus helfen

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15. März 2020, 05:00 Uhr

Die Werbeversprechen klingen toll: Wer eine Lüftungsanlage in seinem neuen Haus einbaut, leidet weniger unter lästigen Allergie, die durch Partikel in der Atemluft ausgelöst werden. Aber stimmt das denn?

Nur bei bestimmten Allergenen

Tatsächlich kann eine Lüftungsanlage Abhilfe schaffen, da sie kontinuierlich die Luft filtert. Das hilft aber unter Umständen nur bei bestimmten Allergenen – nämlich bei jenen, die in der Raumluft schweben und nicht bei jenen, die sich auf Oberflächen ablagern. Das erklärt Prof. Karl-Christian Bergmann von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Berlin.

Da Partikel aus dem Fell von etwa Hunden und Katzen in der Luft hängen, werden sie von einer Lüftungsanlage angesaugt und über die Abluft aus dem Raum entfernt. Auch Milbenallergiker profitieren in gleicher Weise von der Absaugleistung der Lüftungsanlage, allerdings vorwiegend in der Heizsaison.

Denn der relativ große Milbenkot zersetzt sich nur bei trockener Luft, erklärt Prof. Bergmann, der den Polleninformationsdienst der Charité in Berlin leitet. Die Bestandteile sind erst dann klein genug, wenn sie sich mit Luftbewegung im Raum, etwa durch das Staubsaugen, verteilen können. Erst dann kann eine Lüftungsanlage sie erfassen und absaugen.

Am wenigsten Nutzen haben nach Ansicht des Experten Pollenallergiker von einer Lüftungsanlage. „Einfach, weil die Pollen nicht lange in der Luft herumfliegen“, erklärt der Experte. „Pollen gelangen durch die offenen Fenster in die Wohnung, fallen auf den Boden und bleiben dort liegen. Lüftungsanlagen entfernen aber nur Partikel, die in der Luft schweben und erreichen kaum welche, die auf dem Boden liegen.

Abhilfe gegen Pollen kann eine automatische Lüftungsanlage bieten, in der Filter das Eindringen von Pollen in den Wohnraum von vornherein verhindern oder wenigstens reduzieren.

So funktionieren Wohnraum-Lüftungsanlagen

Die meisten Wohnraum-Lüftungsanlagen funktionieren in der Regel so: Sie saugen die Außenluft an, filtern und erwärmen sie und führen sie nach innen, erklärt Günther Mertz, Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäude-Klima die Wirkungsweise. „Gleichzeitig wird die verbrauchte Luft über Rohrleitungen nach außen geleitet. Dabei wird ihr Wärme entzogen und der einströmenden Luft hinzugefügt.“

Für Allergiker kommt es letztlich darauf an, ob spezielle Feinstaubfilter eingebaut sind, die Schadstoffe und auch Pollen aus der hereinströmenden Außenluft ausreichend entfernen können. Zudem muss man in Zeiten, in denen die Pollen fliegen, die bei einem die individuelle Allergie auslösen, natürlich die Fenster im Haus möglichst geschlossen halten. Regelmäßige Frischluftzufuhr ist jedoch ebenfalls wichtig.

„Es kommt immer darauf an, welche Filter eingebaut sind. Habe ich schlechte Filter, sauge ich die Schadstoffe eher noch von außen in die Wohnung hinein“, ergänzt Prof. Bergmann. „Für Allergiker sind Filter der Klasse F7 geeignet“, erklärt Mertz. „In ihnen bleiben zuverlässig und fast vollständig Schadstoffe und Pollen aus der Luft hängen.“ Diese Filterkategorie ist auch für die Innenräume wichtig, um die Kotpartikel der Hausstaubmilben aus der Luft zu nehmen.

Damit die Filter das zuverlässig tun, müssen sie alle drei Monate ausgebaut und ausgesaugt werden, rät Mertz. „Einmal im Jahr ist ein Filterwechsel sinnvoll, in besonders belasteten Regionen auch zweimal jährlich.“ Eine Fachberatung passend zur individuellen Situation kannn helfen, Unklarheiten zu beseitigen bevor teuere Anschaffungen gemacht werden.

Nur für stark gedämmte Gebäude sinnvoll

Eine Allergie allein sollte aber kein Grund sein, eine automatische Lüftungsanlage zu installieren. „Das ist allenfalls ein Nebeneffekt“, betont Martin Brandis vom Team Energieberatung des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Und es funktioniert auch nicht überall. Üblicherweise werden Lüftungsanlagen in Neubauten oder nach umfassenden Modernisierungen älterer Gebäude eingesetzt.“

Im Grunde diene eine Lüftungsanlage dazu, stark gedämmte und abgedichtete Gebäude ausreichend zu belüften – also dort wo aufgrund der dichten Dämmung das zeitweise händische Lüften aufwendig oder nicht genug wäre.

Brandis betont: „Gibt es irgendwo Undichtigkeiten oder ist das Haus nicht ausreichend gedämmt, macht eine Lüftungsanlage wenig Sinn – auch nicht für Allergiker.“

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