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Medizin und Gesundheit

16. Dezember 2017 | 14:07 Uhr

Künstliche Wurzel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einen Zahn zu verlieren, ist für viele ein Albtraum – Implantate können das Gebiss wieder vervollständigen

Wer durch einen Unfall, durch Karies oder Parodontitis einen oder mehrere Zähne verliert, braucht Ersatz. Neben konventionellen Brücken und herausnehmbaren Prothesen kommen dafür Implantate infrage. Die künstlichen Wurzeln sehen aus wie Schrauben, bestehen meist aus Titan und werden fest im Kieferknochen verankert. Sind sie eingeheilt, kommt eine Krone darauf. Jährlich werden in Deutschland rund eine Million Implantate eingepflanzt, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI).

Was spricht für ein

Implantat?

„Der wesentliche Vorteil eines Implantats ist, dass die natürlichen Nachbarzähne nicht beschliffen und nicht beschädigt werden“, erklärt DGI-Sprecher Prof. Germán Gómez-Román. Für manch einen älteren Patienten sind Probleme mit dem herausnehmbaren Zahnersatz ein Grund, über ein Implantat als Alternative nachzudenken. Die Krone auf einem Implantat sitzt später fest und ermöglicht unbeschwertes Kauen. Und sie sieht aus wie ein natürlicher Zahn. „Vielen Patienten, die sich für ein Implantat entscheiden, ist es wichtig, dass der Zahnersatz möglichst wenig auffällt und den eigenen Zähnen so nahe wie möglich kommt“, sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Welche Risikofaktoren

gibt es?

„Bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen oder schwerem Diabetes sollte man sehr kritisch darüber nachdenken, ob ein Implantat sinnvoll ist“, erklärt Oesterreich. „Auch bei Tumorerkrankungen und Osteoporose eingesetzte Bisphosphonate können den Einsatz von Implantaten verbieten.“ Diese Erkrankungen ziehen mitunter erhebliche Komplikationen nach sich, erschweren die Einheilungsphase und erhöhen das Verlustrisiko.

Wie finde ich einen

erfahrenen Facharzt?

Erster Ansprechpartner ist der Zahnarzt. „Er ist für die Befunderhebung, Diagnose und die Festlegung und Planung der Therapie zuständig“, erläutert Oesterreich. Das Einsetzen des Implantats kann dann ein Zahnarzt, ein Implantologe oder ein Oralchirurg übernehmen.

Wann sollte der

Eingriff erfolgen?

Eine Lücke im Gebiss wird am besten schnellstmöglich geschlossen. „Wenn ein Zahn gezogen wurde oder verloren ging, bildet sich der Kieferknochen relativ schnell zurück“, erklärt Gómez-Román. Einmal verloren gegangenes Knochengewebe muss vor oder während einer Implantation wieder aufgebaut werden. Das erhöht den Aufwand.

Wie läuft die

Implantation ab?

Ein Implantat wird meist unter örtlicher Betäubung eingesetzt. „In unserer Klinik verwenden wir nur Titanschrauben“, sagt Gómez-Román. Bei Patienten, die beispielsweise mit den Zähnen knirschen, muss dies bei der Konstruktion berücksichtigt werden. Leidet ein Patient unter einer Metallallergie, wird Keramik eingesetzt. Die Zahnlücke schließt der Mediziner mit einem vorläufigen Zahnersatz. Ist die implantierte Schraube gut eingewachsen, passt der Arzt den endgültigen Zahnersatz an, der später auf der Kunstwurzel sitzt.

Welche Komplikationen

können auftreten?

Direkt nach dem Eingriff darf das Implantat nicht gleich voll belastet werden. Die Einheilphase, in der die Ersatzwurzel fest mit dem Knochen verwächst, dauert etwa zwei bis drei Monate. „Günstig ist, wenn der Patient zumindest anfangs nach der Operation auf weiche Kost setzt. Unverzichtbar ist außerdem gute Mundhygiene“, rät Gómez-Román. Mögliche Komplikationen sind Entzündungen rund um das Implantat oder auch entzündlicher Knochenabbau.

Welche Kosten

entstehen?

Zahnimplantate sind deutlich teurer als die Behandlungsalternativen. „Bei gesetzlich Versicherten gehen die chirurgischen Leistungen ausschließlich zu Lasten des Patienten. An den Kosten für den Zahnersatz beteiligt sich die Kasse im Rahmen der Festzuschussregelung“, erklärt Oesterreich. Je nach Material, Oberflächenstruktur und notwendigen Behandlungsschritten müssen Patienten unterschiedlich tief in die Tasche greifen. „Aber mit 2500 bis 3000 Euro kann ein Patient schon rechnen“, sagt Gómez-Román.

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