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Medizin und Gesundheit

21. Oktober 2017 | 19:55 Uhr

Abszesse : Kein harmloser Pickel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Abszesse können zur Blutvergiftung führen – deshalb gilt: Finger weg und entweder abwarten oder zum Arzt gehen

Appetitlich ist das Ganze nicht: Auf der Haut sieht er auf den ersten Blick wie ein Pickel aus. Nur eben, dass die betreffende Stelle angeschwollen und gerötet ist. Noch dazu pocht sie und ist druckempfindlich - ein Abszess, eine Eiteransammlung im Gewebe. Die Größe kann von einem Durchmesser von wenigen Millimetern bis hin zur Größe eines Apfels reichen.

Abszesse treten aber nicht nur auf der Haut auf. „Überall im Körper können sie sich bilden“, sagt Prof. Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Streuen Erreger aus der Eiteransammlung im Gewebe in den Körper, dann droht im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung.

Was führt zu einem Abszess?

„Einem Abszess liegt meist eine bakterielle Infektion zugrunde“, erläutert Löscher. Etwa durch eine Hautverletzung beim Rasieren oder durch eine unzureichend versorgte Wunde gelangen die Bakterien in den Körper. „Normalerweise werden solche Keime vom Immunsystem bekämpft“, erklärt der Mediziner und Heilpraktiker Thomas Sokollik aus Kreuztal.

Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, dann ist es auch nicht in der Lage, gegen die Bakterien anzugehen. „Die Entstehung von Abszessen ist nicht immer durch Erreger bedingt“, sagt Löscher. Auslöser können auch Entzündungen sein, die durch Verletzungen, Fremdkörper oder Prozesse im Immunsystem verursacht werden.

Wann sollte man abwarten, wann zum Arzt?

„Kleine Abszesse auf der Haut heilen oft innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab“, sagt Sokollik. „Treten aber zusätzlich zu der Eiteransammlung Beschwerden wie Fieber oder Schüttelfrost auf, dann muss das Krankheitsbild unbedingt in einer Praxis oder in einer Klinik untersucht werden“, betont Löscher.

Alle Alarmglocken sollten schrillen, wenn Betroffene ausgehend vom Abszess einen rötlichen Streifen auf der Haut bemerken: Im schlimmsten Fall ist dies ein Anzeichen für eine Blutvergiftung. Abgeschlagenheit, Fieber und allgemeines Unwohlsein können Hinweise auf eine Infektion durch einen Abszess an einem inneren Organ sein. Dann muss man so schnell wie möglich zum Arzt.

Bei einem Abszess im Kieferbereich muss man zum Zahnarzt.

Können kleinere Abszesse selbst behandelt werden?

Ja. Oberste Regel: Keinesfalls an dem Abszess herumdrücken oder ihn aufstechen. „Sonst besteht die Gefahr, dass sich Eiter und Bakterien verteilen und der Abszess noch größer wird“, sagt Sokollik. Kleinere Abszesse reifen, platzen und entleeren sich häufig von selbst. „Dann muss der Wundkrater desinfiziert und gegebenenfalls mit einem Pflaster geschützt werden“, erklärt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Wenn das nicht klappt, sollte der Abszess von einem Arzt durch einen Schnitt geöffnet werden. Ergänzend zu einem Eingriff kann der Arzt Antibiotika verschreiben. Als rezeptfreie Medikamente kommen Zugsalben infrage. „Sie sollten aber möglichst nur zur Überbrückung und nach Absprache mit einem Arzt angewendet werden“, rät Sellerberg.

Wie kann man vorbeugen?

Immer auf Hygiene achten. Wunden sollten gründlich desinfiziert werden, um eine Eiterbildung zu verhindern. Kleidung, die zu stark in die Haut einschneidet oder scheuert, kann ebenfalls zur Abszess-Bildung führen. „Treten bei jemandem häufiger Abszesse auf, sollte die Ursache hierfür genau untersucht werden“, erklärt Löscher. Denn dies kann etwa ein Anzeichen für Diabetes sein.

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