Plage nach Regen erwartet : Jetzt kommen die Mücken

Das Wetter in den nächsten Wochen entscheidet: Damit die Mücken nicht zur Plage werden, braucht es einen Kälteeinbruch im Mai.
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Das Wetter in den nächsten Wochen entscheidet: Damit die Mücken nicht zur Plage werden, braucht es einen Kälteeinbruch im Mai.

Nach den ausgiebigen Regenfällen der letzten Tage: Warum fliegen die Plagegeister nur so auf uns und was können wir dagegen tun?

svz.de von
04. Juni 2016, 07:00 Uhr

Mücken mögen nicht jeden. Während manche Menschen Nacht für Nacht regelrecht zerstochen werden, können andere praktisch unbehelligt durchschlafen. Warum ist das so? Eine Frage, die auch die Wissenschaft interessiert. Der Entomologe Jonathan Day sagt: „Unsere Studien zeigen, dass etwa 20 Prozent der Menschen für die Mücken besonders attraktiv sind.“

Das hat gleich mehrere Gründe, meint der Insektenkundler von der Universität von Florida in Vero Beach. „Zuerst einmal orientieren sich Mücken auf visuellem Wege, vor allem auch in der Dämmerung. Hier zeigt sich, dass Menschen mit dunkler Kleidung vorrangig angeflogen werden, und auch jene, die durch Bewegungen auf sich aufmerksam machen.“

Der größte Trumpf der kleinen Biester ist aber wohl, dass sie uns so gut riechen können, denn Körperausdünstungen nehmen Mücken bis auf eine Entfernung von 50 Metern wahr, haben die Forscher herausgefunden. Ihr gutes Geruchsvermögen ist für sie überlebenswichtig, denn die Weibchen nutzen Proteine aus dem Blut für ihre Eiproduktion, also um Nachkommen in die Welt zu setzen. So sind es auch nur die weiblichen Tiere, die uns ansteuern und stechen. Der Stechapparat der Männchen ist zurückgebildet und gerade noch ausreichend, um Pflanzensäfte zu saugen bzw. zu lecken. Es sind also nur die Weibchen, die uns des Nachts Probleme bereiten. „Sind die Weibchen erst einmal in unserem näheren Umfeld angekommen, orientieren sie sich am Geruch und auch an unserer Körpertemperatur“, sagt Day.

Was an diesem Geruch so anziehend ist, weiß Joseph Conlon von der American Mosquito Control Association in Mount Laurel: „Insgesamt konnten wir 350 für die Insekten attraktive Komponenten in den Ausdünstungen der menschlichen Haut ausfindig machen.“ Vor allem Schweiß mit seinen Abbauprodukten hat es den Tieren angetan.

Tiere können unsere Blutgruppe riechen

Ein Team japanischer Wissenschaftler um Yoshikazu Shiraia hat herausgefunden, dass die Stechmücken sogar die Blutgruppe der meisten Menschen riechen können. Etwa 80 bis 85 Prozent von uns zählen nämlich zu den sogenannten „Secretors“, wie die Wissenschaftler sagen. Ihre Blutgruppen-Antigene lassen sich auch in Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Speichel oder Tränen nachweisen. Das Forscherteam um Shiraia vom Institute of Pest Control Technology in Murakami konnte nun anhand der Stechmückenart Aedes albopictus, die auch in Deutschland vorkommt, zeigen, dass die Tiere „Secretors der Blutgruppe 0 mit 83,3 Prozent etwa doppelt so häufig anfliegen wie Secretors der Blutgruppe A, die sie nur in 46,5 Prozent aller Fälle ansteuern.“ Alle anderen Blutgruppen fanden sich im Zwischenfeld. Festzustellen bleibt aber auch, wie Yoshikazu Shiraia sagt, dass „Secretors generell häufiger angeflogen werden als Non-Secretors, und zwar völlig unabhängig der Blutgruppe.“

Im Visier: Schwangere und Biertrinker

Aber nicht nur durch unsere Hautausdünstungen, auch durch unseren Atem verraten wir uns. Das Kohlendioxid darin lockt Stechmücken selbst aus größeren Entfernungen an, haben Entomologen festgestellt. Interessant daran ist nun, dass größere Menschen und auch schwangere Frauen prinzipiell mehr Kohlendioxid ausatmen als kleinere Menschen bzw. Kinder. Schwangere sind somit gleich doppelt attraktiv für Stechmücken, da sie zudem auch noch eine leicht erhöhte Körpertemperatur aufweisen und die Tiere höhere Körpertemperaturen nachweislich bevorzugen.

Eine bemerkenswerte Entdeckung haben auch japanische Wissenschaftler von der Toyama Medical and Pharmaceutical University in Sugitani gemacht. Sie fanden heraus, dass Menschen „signifikant häufiger“ angeflogen werden, wenn sie zuvor eine Flasche Bier getrunken haben. Die Forscher konnten bei ihren Probanden nach dem Biergenuss zwar eine leicht erhöhte Körpertemperatur messen und auch entsprechende Alkoholausdünstungen feststellen, „eine Korrelation zwischen Alkoholkonsum und Insektenstichhäufigkeit ergab sich allerdings nicht“, resümieren die Forscher. Naja, das wäre ja wohl auch noch schöner.

Was wirklich gegen Stiche wirkt

  • Vor dem Zubettgehen duschen, frische Wäsche für die Nacht anziehen, möglichst frisches Bettzeug benutzen.
  • Helle dichtschließende Kleidung bevorzugen. Spezielle „moskitodichte“ Jacken, Hemden und Hosen gibt es im Outdoor-Fachhandel.
  • Fliegengitter vor Fenstern und Türen verhindern wirksam das Eindringen der Tiere, das Lüften ist dennoch möglich.
  • Regentonnen entleeren und Dachrinnen säubern. Mückenlarven brauchen zumindest kleinste Wasseransammlungen, um sich entwickeln zu können. Im Gartenteich helfen Libellenlarven und bestimmte Wasserkäferarten, den Bestand klein zu halten. Frösche und vor allem Fische vertilgen noch größere Mengen an Mückenlarven, leider aber auch nützliche Insekten.
  • Elektroverdampfer helfen zuverlässig im Haus, verbreiten allerdings auch Chemie im Raum.
  • Spezielle Abwehrprodukte zum Einreiben oder Besprühen der Haut irritieren die Mücken bzw. lassen sie abdrehen. 
  • Stark qualmende Grill- und Lagerfeuer helfen in der Regel ganz gut – allerdings nur in unmittelbarer Nähe.
  • Hausmittelchen vergessen: Weder das Essen von Knoblauch oder Bananen, noch das Aufstellen von Behältern mit ätherischen Ölen oder das Auslegen von halben Zitronen – gespickt mit Gewürznelken – funktioniert wirklich zuverlässig.            
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