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Medizin und Gesundheit

24. Oktober 2017 | 13:41 Uhr

Trend : Ist blass das neue Braun?

vom
Aus der Onlineredaktion

Jedes Jahr wird Bräune für uncool und Blässe zum Trend erklärt. Ein Hautarzt sagt, Bräune sollte als Hautkrankheit betrachtet werden

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Was haben Dieter Bohlen, Donatella Versace und Daniela Katzenberger gemeinsam? Alle drei sehen immer nach Sommer aus – jedenfalls mit Blick auf ihre Bräune. Dabei ist eine Gesichtsfarbe, die auf Sonnenbäder und Solarium schließen lässt, heute doch eigentlich verpönt.

Bräune müsse eigentlich als Hautkrankheit betrachtet werden, sagt der Münchner Hautarzt Christoph Liebich.

Wer außer sangriaseligen Briten im Spanien-Urlaub legt sich im Jahr 2017 also noch in die pralle Sonne? „Immer noch viel zu viele“, antwortet der Berliner Dermatologe Christian Kors. Das Bewusstsein, dass Sonnenbaden schädlich ist, sei zwar gestiegen, aber es sei immer noch mangelhaft. „Wenn ich Patienten zum Lichtschutz berate, kommt immer: ,Aber dann werde ich ja gar nicht mehr braun?‘“, erzählt Kors.

Jeder kennt es ja, das Geplänkel nach dem Urlaub: „Du hast ja richtig Farbe gekriegt!“, rufen Kollegen dem Menschen mit gebräuntem Teint entgegen, so als hätte er etwas geleistet. Aber wer am Mittelmeer eingecremt mit Lichtschutzfaktor 50 in den Schatten flüchtet, muss sich fragen lassen: „Du bist ja gar nicht braun geworden!“ Es klingt ein bisschen nach Versagen.

Dabei ist die Sonne doch so out? Zumindest schreiben das seit Jahren immer wieder große Zeitungen. Schon 2010 stand in der „Welt“: „Niemand (außer Jennifer Lopez) will aussehen, als sei er gerade von der Dolce&Gabbana-Yacht gefallen.“ Der „Spiegel“ veröffentlichte vor zwei Jahren „Ein Hoch auf die Blässe“, und dieses Jahr widmet sich die „SZ“ auf einer ganzen Seite der Sonne: „Jahr für Jahr schwindet die Zahl der unbeirrbaren Lichtgestalten, die glauben, dass man sich ihr mit Haut und Haar hingeben muss.“

Auch Hollywood-Stars warnen regelmäßig vor der Gefahr: Fast jeder dürfte wohl das Foto von Hugh Jackman („X-Men“) mit Pflaster auf der Nase kennen. Der australische Schauspieler hat sich schon mehrfach wegen Hautkrebs behandeln lassen, sagt immer wieder: Tragt Sonnenschutz. Schauspielerin Juliane Moore („A Single Man“) erklärt, sie benutze UV-Schutz auch an Regentagen. In Modezeitschriften ist der Schneewittchen-Teint von Megan Fox oder Jessica Chastain Trend.

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Foto: Colourbox
 

Die Sonne – der Gegner? Manch einer mag noch die Bilder der verbrannten Kronprinzessin Mette-Marit in Erinnerung haben. Die hellhäutige Norwegerin saß bei einem Interview vor einem Scheinwerfer, der Sonnenlicht reflektierte, und hatte danach starke Verbrennungen im Gesicht. Das war 2002.

Heute findet sich in dem Frauenmagazin „Freundin“ ein Pro und Contra zum Sonnenbaden, und in dem Berliner Blog „Mit Vergnügen“ heißt es in einem Anti-Sommer-Text fatalistisch: „Du hast die Wahl zwischen Hautkrebs durch Sonnenbrand oder Brustkrebs durch die Inhaltsstoffe der Sonnencreme.“

Ist blass also das neue Braun? Der Dermatologe Kors sagt dazu: „Schön wär’s.“ Denn die Zahlen sprechen für sich: Weltweit gebe es jedes Jahr zwei bis drei Millionen neue Fälle von hellem Hautkrebs, schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft. Jede UV-Belichtung verursache Erbgutschäden in den Zellen, sagt Kors. „Die Haut verzeiht extrem viel, aber sie vergisst keinen einzigen UV-Strahl.“ Dass zu viel Sonne und keine oder die falsche Sonnencreme schädlich sind, ist nicht neu – und doch hat man das Gefühl, dass das früher weniger Thema war.

Kann sich irgendjemand einen bleichen Burt Reynolds vorstellen? Braun sein, das war lange ein Statussymbol. Auch der Dermatologe Kors erinnert an die Nachkriegsgeneration, die plötzlich Sommerurlaub machen konnte. „Alle sind nach Italien gefahren, Bräune zeigte auch, dass man sich das leisten kann.“ Später gingen die Leute gar ins Sonnenstudio, Solarium zählte in den Neunzigern fast als Hobby. Heute steht das Wort „Assi-Toaster“ im Duden. Die hässlichen Assoziationen sind im Kopf: Falten, Lederhaut, Krebs. Und auch: Donald Trump.

Die „SZ“ sieht nun in den Deutschen, „die immer alles perfekt machen wollen“, schon Sonnenschutzweltmeister. Hautarzt Kors kann da nur abwinken. Die Vorzeigenation sei Australien. „Für die Menschen dort ist es selbstverständlich, jeden Tag mit UV-Schutz und UV-Schutzkleidung rauszugehen.“

 

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