Gesetz zur medizinischen Verwendung : Hunderte Patienten hoffen auf Cannabis auf Rezept

779 Schwerkranke dürfen in Deutschland legal Cannabis konsumieren.
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779 Schwerkranke dürfen in Deutschland legal Cannabis konsumieren.

Die Bundesregierung bereitet ein Gesetz zur medizinischen Verwendung von Cannabis vor. Verschrieben werden soll es nur Schwerkranken, denen sonst nichts hilft

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01. August 2016, 20:03 Uhr

Ohne Cannabis wäre er längst blind und könnte vor Schmerzen nicht vor die Tür gehen, ist Bernd Vohwinkel überzeugt. Der Frührentner aus Duderstadt inhaliert jeden Tag 3,0 bis 3,5 Gramm. Er ist einer von 779 Patienten bundesweit, die eine Ausnahmeerlaubnis zur ärztlich begleiteten Selbsttherapie mit Cannabis besitzen. Die Döschen mit den Hanfblüten bezieht sein Apotheker aus Holland. Manchmal muss Vohwinkel wochenlang auf das Medikament warten. „Wir werden dann quasi zum Schwarzmarkt und in die Illegalität gezwungen“, sagt der 56-Jährige, den die Augenkrankheit Glaukom, Hepatitis C und chronische Schulterschmerzen seit einem Unfall plagen.

Vohwinkel hat wie einige Leidensgenossen bei der Bundesopiumstelle einen Antrag auf Eigenanbau von Hanf gestellt, der aber abgelehnt wurde. „Die verlangen eine Haustür wie in einer Apotheke, Gitter vor dem Badezimmerfen-ster, ein Fingerprint-Schloss und eine Überwachungskamera“, erzählt der frühere Kraftfahrer. „Dafür habe ich kein Geld.“ Schon jetzt sei er auf finanzielle Hilfe seiner Familie angewiesen, denn die Krankenkasse übernimmt die Cannabis-Kosten in Höhe von etwa 1300 Euro monatlich nicht.

Die Bundesregierung hat vor, schwerkranken Menschen demnächst den als illegale Droge eingestuften Stoff auf Rezept zu ermöglichen - ein entsprechender Gesetzentwurf ist auf dem Weg. „Wir wollen, dass für Schwerkranke die Kosten für Cannabis als Medizin von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders geholfen werden kann“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).„Außerdem wollen wir eine Begleiterhebung auf den Weg bringen, um den medizinischen Nutzen genau zu erfassen.“ In vielen Ländern wie den USA oder Israel ist Cannabis als Medizin schon etabliert. Es wird zur Linderung der Nebenwirkungen von Chemotherapien, zur Appetitsteigerung bei HIV/Aids oder bei chronischen Schmerzen eingesetzt. In Deutschland ist Sativex das einzige zugelassene Präparat auf Cannabis-Basis. Es kann bei multiplen Spastiken an Patienten mit Multipler Sklerose verschrieben werden.

Der Entwurf sieht zudem die Gründung einer staatlichen Cannabis-Agentur vor. Zum Anbau von Cannabis als Arzneimittel soll es ein Ausschreibeverfahren geben. Im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gehen seit Veröffentlichung des Gesetzentwurfes täglich Anfragen zu dem Thema ein – hauptsächlich von Einzelpersonen und Unternehmen aus den Bereichen Landwirtschaft beziehungsweise Obst- und Gemüsebau.

Doch nicht alle Ärzte sind der Pflanze gegenüber positiv eingestellt. Der Psychiater Rainer Thomasius hält Cannabis für „kein besonders gutes Medikament“ und zählt dafür gleich eine Vielzahl an Gründen auf. „Wir wissen nicht, was die über 400 Wirkstoffe im Körper machen“, sagt der Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zudem gebe es ein Psychose-Risiko. Die akuten Nebenwirkungen wie Schwindel oder euphorische Zustände könnten bei älteren Menschen zu Stürzen führen.

Davon kann Cannabis-Patient Bernd Vohwinkel nicht berichten. „Wenn ich das Zeug nehme, sehe ich keine bunten Farben und habe auch keine Ausfallerscheinungen“, betont der chronisch kranke Frührentner. „Im Gegenteil - ich kriege dadurch wieder Appetit und Antrieb.“

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