zur Navigation springen
Medizin und Gesundheit

24. September 2017 | 15:47 Uhr

Erste Hilfe : Es kommt auf jede Minute an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn jemand zusammenbricht, geht es häufig um Leben und Tod. Jeder muss in einer solchen Situation fit darin sein, Erste Hilfe zu leisten.

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Es passiert schnell und unvermittelt: Ein Kind blutet nach einem Unfall, ein Erwachsener kippt einfach um, jemand erleidet einen Herzinfarkt an seinem Schreibtisch. Die Umstehenden sind entsetzt – und meist auch wie gelähmt. Dabei ist keine Zeit zu verlieren. „Es kommt auf jede Minute an“, sagt Kersten Enke. Der Diplom-Gesundheitslehrer ist Leiter des Bildungsinstituts Hannover der Johanniter-Akademie.

Viele fürchten, etwas falsch zu machen – und verständigen allenfalls über die Nummer 112 den Rettungsdienst. Doch das ist nicht genug. „Umstehende müssen sehr schnell Erste Hilfe leisten“, betont Jan-Thorsten Gräsner. Der Arzt ist Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Ist jemand zusammengebrochen und liegt am Boden, spricht der Helfer den Patienten als erstes laut an: „Hörst Du/Hören Sie mich?“ Reagiert die Person weder darauf noch auf ein leichtes Schütteln an der Schulter, sollte der Ersthelfer auf die Atmung des Bewusstlosen hören. Ist die Atmung unregelmäßig oder schnappt der Betroffene nach Luft, könnte das auf einen Herzstillstand hindeuten, erklärt Prof. Peter Sefrin. Er ist Facharzt für Anästhesiologie und Leitender Notarzt in Würzburg. Als nächstes sollte einer der Umstehenden per Telefon über die Nummer 112 den Rettungsdienst holen.

Der Ersthelfer selbst beginnt so schnell wie möglich mit einer Herzdruckmassage. „Mit jeder Minute ohne Herzdruckmassage sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent“, sagt Sefrin.

Als erstes wird der Betroffene dafür auf den Rücken gelegt. Anschließend öffnet man die Kleidung über dem Brustkorb. Auf die Mitte der Brust legt der Helfer den Ballen seiner Hand, darauf wird der Ballen der anderen Hand platziert. Der Helfer verschränkt seine Finger, hält die Arme gerade und schiebt seine Schultern senkrecht über den Druckpunkt. Das Brustbein wird dann fünf bis sechs Zentimeter so heftig wie möglich nach unten gedrückt – und zwar 100 bis 120 Mal pro Minute. Dabei kann es helfen, leise den Song „Stayin Alive“ von den Bee Gees zu singen und sich an dem Rhythmus zu orientieren. Das Lied hat nämlich etwa 100 Beats pro Minute. Die Herzdruckmassage sollte ununterbrochen fortgesetzt werden, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist und hilft – auch wenn bis dahin einige Zeit vergeht.

Zusätzlich zur Herzdruckmassage ist eigentlich auch eine Mund-zu-Mund-Beatmung sinnvoll. „Das sollte man aber nur machen, wenn man trainiert ist und imstande ist zu beatmen“, sagt Enke. Das Wichtigste ist die Herzmassage.

Wer als Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn vor sich einen Unfall sieht, sollte nicht in Panik geraten. „Bevor man hilft, gilt es in erster Linie an die eigene Sicherheit zu denken“, erklärt Gräsner, der Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) ist.

Das heißt: Auto an den Seitenstreifen stellen, Warnblinkanlage einschalten, die Warnweste anziehen, Warndreieck etwa 200 Meter hinter dem eigenen Auto aufstellen, die Unfallstelle absichern, die Polizei (110) sowie den Rettungsdienst (112) anrufen.

Zeugen eines Unfalls sind allerdings auch verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. „Jeder sollte seine Kenntnisse deshalb regelmäßig auffrischen – am besten alle zwei, spätestens aber alle fünf Jahre“, erklärt Sefrin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen