Serie Gesund leben : Ein besonderer Stoff auf der Haut

Reichlich Erfahrung: Eveline Wulf arbeitet seit 17 Jahren in Zingst.
Reichlich Erfahrung: Eveline Wulf arbeitet seit 17 Jahren in Zingst.

Die Rügener Heilkreide eignet sich nahezu für jedermann

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06. April 2018, 12:00 Uhr

Die weiße Masse trocknet langsam und wird schuppig, die Haut darunter jedoch ist nun seidenweich. Eine knappe halbe Stunde lässt Eveline Wulf ihren Gästen das Vergnügen, mit Rügener Heilkreide eingerieben auf der Liege oder dem sogenannten Softpack zu bleiben. „Dort liegen sie wie auf einem Wasserbett. Die Kreide wirkt in der Wärme auf den Körper, über die Haut werden Prozesse angeregt, die entgiften, entwässern oder entsäuern – und es ist auch einfach gut für das reine Wohlbefinden“, erklärt die Wellness-Therapeutin im Kurmittelzentrum in Zingst auf dem Darß. Aber auch kalt lässt sich die Kreide anwenden.

Der Naturstoff regt Durchblutung und Stoffwechsel an, fördert die Wundheilung, wirkt entspannend, entzündungshemmend und anregend. „Für Menschen mit Neurodermitis oder Schuppenflechte ist Kreide allerdings oft nicht günstig, weil sie die Haut weiter austrocknet.“

Wenn Eveline Wulf ihre Gäste wieder aus dem Wohlfühl-Paradies zurückholt, brauchen sie erstmal eine Pause, denn „es bedeutet zwar Wohlbefinden, aber es ist auch anstrengend.“ Doch manche ihrer Gäste muss Wulf zu dieser Ruhe überreden, sie sind zu sehr in der täglichen Eile gefangen. „Aber wo bliebe sonst der Erholungseffekt? Dann ist es ja fast rausgeschmissenes Geld“, meint sie. Denn die Kreide-Packungen als Wellness-Anwendung müssen selbst bezahlt werden. Sie werden nicht nur auf der Insel Rügen und in Zingst angeboten, sondern auch an zahlreichen anderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern.

Das einzige natürliche Vorkommen Deutschlands liegt auf Rügen, wo das natürliche Heilmittel abgebaut wird. Die Felsen an der Küste werden natürlich nicht angetastet, aber die Vorräte im Innern der Halbinsel Jasmund reichen noch für 70 bis 80 Jahre.

Das allergenfreie „weiße Gold“ entstand vor knapp 70 Millionen Jahren aus den Skelettresten urtümlicher Meeresbewohner. Das Sassnitzer Kreidewerk liefert sie als feines Pulver. Für eine Ganzkörperpackung werden etwa zwei Tassen Kreide benötigt, angerührt mit Meerwasser.

„Man kann auch normales Wasser nehmen“, erklärt Wulf. „Aber wir hier an der Ostsee haben Seewasser, was ja ebenfalls ein Naturheilmittel ist – also verwenden wir es auch.“

Schon vor rund 100 Jahren entstanden auf Rügen die ersten Kreidebäder, bis heute wird die Heilkreide auch für Kurpatienten genutzt. Sie lindert Beschwerden bei Muskel- und Gelenkerkrankungen sowie bei verschiedenen Hautproblemen. In Mecklenburg-Vorpommern darf sie in der Physiotherapie gleichwertig mit Fango oder Moor verwendet werden – das ist in keinem anderen Bundesland so. Das bedeutet, dass die Krankenkassen Kreide-Behandlungen als Teil einer Kur vergüten.

Nach Zingst kommen im Sommer und Winter viele Wellness-Kunden, im Frühjahr und im Herbst dagegen mehr Kurgäste. Solche ambulanten Vorsorge-Kuren können über den Hausarzt beantragt werden. Ob Packung oder Peeling, Kur oder Wellness – in jedem Fall verbessert die Kreide den Allgemeinzustand.

>>Weitere Teile unserer Serie "Gesund leben" finden Sie hier!

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