Grippewelle : Dreifach-Impfstoff kein Volltreffer

Als wenig passgenau erweist sich der Dreifach-Impfstoff.
Als wenig passgenau erweist sich der Dreifach-Impfstoff.

Zum Start der Grippesaison: Dominierender Erreger nicht im Mittel enthalten

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15. Januar 2018, 20:45 Uhr

Zum Start der Grippewelle in Deutschland spielt der gefürchtete H3N2-Virus eine untergeordnete Rolle. Stattdessen sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 59 Prozent der bisher nachgewiesenen Fälle Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie ungewöhnlich oft vertreten. In dem Dreifach-Impfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten, ist diese Komponente allerdings nicht enthalten. Wohl aber in dem teureren Vierfachimpfstoff, der noch keine Kassenleistung ist.

„Mehr als die Hälfte der Influenza-Fälle werden fast ausschließlich durch die Typ-B-Linie, die nicht im Dreier-Impfstoff enthalten ist, verursacht“, sagt die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts Susanne Glasmacher im Gespräch mit unserer Redaktion. Zwar würden die meisten schweren Grippewellen mit vielen Todesfällen, vor allem bei alten Menschen, durch H3N2 verursacht, so die Sprecherin. Das heiße aber nicht, dass man an Influenza B nicht sterben könne. Von den in Deutschland bisher registrierten elf Todesfällen seien vier auf den Typ-B-Virus zurückzuführen. Glasmacher betont, dass für die bekannten Risikogruppen eine Grippeimpfung auch jetzt noch Sinn mache. Wegen der aktuellen Dominanz der Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie sei es wohl ratsam, Hochrisikopatienten bevorzugt mit dem Vierfachimpfstoff zu versorgen. In Einzelfällen würden die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Glasmacher empfiehlt aber, das mit der Kasse vorab zu klären.

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Und wie sollen sich Personen verhalten, die sich bereits mit dem Dreifach-Impfstoff haben impfen lassen? Eine generelle Empfehlung, sich mit einem Vierfachimpfstoff nachimpfen zu lassen, gibt es nach Angaben von Glasmacher nicht. Dafür stehe auch gar nicht genügend Impfstoff zur Verfügung. „Wenn jemand aber besonders Risiken für einen schweren Verlauf hat, kann das infrage kommen.“ In Österreich, wo ebenfalls die B- Viren-Variante dominiert, ist der Vierfach-Impfstoff nach Medienberichten bereits ausverkauft.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstatten bislang meist nur den preiswerteren Dreifach-Impfstoff. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung allerdings im Dezember vergangenen Jahres geändert und rät seitdem zum Vierfach-Impfstoff. Für die aktuelle Grippe-Saison kommt die Entscheidung aber zu spät. Das letzt Wort wird in Kürze der Gemeinsame Bundesausschuss sprechen.

Nach Angaben von Glasmacher passt der Dreifachimpfstoff für die andere Hälfte der derzeit zirkulierenden Grippeerreger aber ganz gut. Nach den Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie mit 59 Prozent sind das mit etwa 30 Prozent die A(H1N1)pdm09-Viren. Influenza-A(H3N2)-Viren wurden in Deutschland bisher nur in 11 Prozent der Fälle nachgewiesen. Dass das Verhältnis der verschiedenen Grippeerreger und damit auch die Passgenauigkeit des Impfstoffes könne sich im Verlauf der Saison aber noch ändern, betont die RKI-Sprecherin. In Großbritannien sorgt aktuell der H3N2-Erreger für überfüllte Krankenhäuser. Medien sprechen von der möglicherweise größten Grippewelle seit 50 Jahren. Mehr als 50 000 Operationen seien abgesagt oder verschoben worden, damit sich Krankenhäuser um die Grippe-Patienten kümmern können, heißt es.
 

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