Verbraucherschützer skeptisch : Diese Krankenkassen werden 2019 günstiger – lohnt ein Wechsel?

Einige Krankenversicherungen wollen 2019 ihre Beiträge senken.
Einige Krankenversicherungen wollen 2019 ihre Beiträge senken.

Hamburg. Wer die Krankenkasse wechselt, kann teilweise noch mehr Geld sparen – Verbraucherschützer sehen das jedoch kritisch.

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11. Dezember 2018, 18:51 Uhr

Hamburg | Durch das "Gesetz zur Beitrags­entlastung der Versicherten in der gesetzlichen Kranken­versicherung" wird die Krankenkasse ab Anfang 2019 für alle günstiger. Denn darin ist festgehalten, dass Arbeit­geber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte aller Beiträge zur Kranken­versicherung tragen. Bisher über­nehmen Arbeit­geber nur die Hälfte des allgemeinen Beitrags­satzes von 14,6 Prozent, ab 2019 wird auch der Zusatz­beitrag geteilt, den jede Kasse je nach finanzieller Situation fest­legt.

Für Selbst­ständige sinkt die Einkommensgrenze für den Mindestbeitrag ab 2019 auf 1038 Euro monatlich. Wer weniger verdient, zahlt maximal Beiträge für diesen Wert. Bisher entsprechen die Beiträge für Selbstständige einem Einkommen von 2284 Euro brutto.

Krankenkassen kündigen niedrigere Beiträge für 2019 an

Einige Krankenkassen haben laut "Finanztest", dem Finanzmagazin der Stiftung Warentest, vor, ihre Beiträge im kommenden Jahr zu senken. Diese Pläne müssen jedoch noch durch die Verwaltungsräte der Kassen und Aufsichtsbehörden bestätigt werden. Dazu zählen:

  • AOK Bremen/Bremerhaven
  • AOK Hessen
  • AOK Rheinland-Hamburg
  • Bergische KK
  • Bertelsmann BKK
  • BKK Firmus
  • BKK Freudenberg
  • BKK Gildemeister Seidensticker
  • BKK Melitta Plus
  • BKK Verbund Plus
  • Continentale BKK
  • Debeka BKK
  • hkk
  • mhplus BKK
  • Salus BKK
  • Securvita
  • WMF BKK und
  • die Techniker Krankenkasse.

Diese Krankenkassen verlangen laut "Finanztest" ab dem 1. Januar 2019 einen Beitragssatz von 15,4 Prozent und weniger und einen Zusatzbeitrag unter 0,9 Prozent.

  • AOK Bremen/Bremerhaven
  • AOK Niedersachsen
  • AOK Plus
  • Audi BKK
  • BKK Akzo Nobel Bayern
  • BKK Faber-Castell & Partner
  • BKK Firmus
  • BKK Freudenberg
  • BKK Pfaff
  • BKK SBH
  • BKK Scheufelen
  • BKK VerbundPlus
  • Debeka BKK
  • hkk
  • IKK Gesund Plus
  • Salus BKK
  • SKD BKK.

"Finanztest" hat dutzende Krankenkassen miteinander verglichen und kommt zu dem Ergebnis, dass Versicherte durch einen Wechsel der Krankenkasse teilweise viel Geld sparen könnten. Die Ersparnis sei abhängig vom Gehalt. Grundsätzlich gelte: Je höher das Gehalt, desto höher die Ersparnis. Wechsler sollten beachten, dass geringe Krankenkassenbeiträge ein höheres zu versteuerndes Bruttoeinkommen nach sich ziehen.

Wechsel der Krankenkasse: Verbraucherschützer skeptisch

Verbraucherschützer warnen zudem vor vorschnellen Handlungen. "Wir raten, nicht nur wegen günstiger Beiträge zu wechseln", sagte Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg unserer Redaktion. Er rät Versicherten dazu, die Angebote der Kassen zu vergleichen und nach persönlichen Prioritäten zu entscheiden. Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen eine Krankenkasse könnten vorhandene oder fehlende Filialen vor Ort, die Übernahme der Kosten für Haushaltshilfen bei erkrankten Kindern, die älter als zwölf Jahre sind, oder die Erstattung der Kosten für besondere Therapierichtungen, Homöopathie oder Anthroposophische Medizin sein, so Kranich. Er verweist auf die Test und Vergleiche der Stiftung Warentest. (Weiterlesen: Mehr Therapien für Menschen mit geistiger Behinderung)

Von regelmäßigen Wechseln, wie mittlerweile bei Kfz- oder Haftpflichtversicherungen nicht unüblich, rät der Verbraucherschützer entschieden ab. Er erinnert daran, dass die Krankenkassen ein Solidarsystem bildeten, "in dem Reiche für Arme, Gesunde für Kranke und Alleinstehende für Familien mitbezahlen. Dieser Ausgleich gelingt immer weniger, wenn jeder nur an sich denkt", sagte der Verbraucherschützer.

Können Versicherte jederzeit die Krankenkasse wechseln?

Jeder, der mindestens 18 Monate Mitglied in einer Krankenkasse ist, kann kündigen. Erhöht die Krankenkasse jedoch den Zusatzbeitrag, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.

Wie schnell klappt der Wechsel der Krankenversicherung?

Eine fristgerechte Kündigung greift zum Ende des übernächsten Monats. Erhöht die Krankenkasse den Beitrag, ist die Kündigung zum Ende des Monats möglich, in dem der höhere Beitrag erstmals gilt.

Wie muss die Kündigung der Krankenkasse erfolgen?

Schriftlich, am besten per Einschreiben mit Rückschein. Die Krankenkasse hat nach Zugang zwei Wochen Zeit, um die Kündigung zu bestätigen.

Wie klappt der Wechsel zur neuen Krankenversicherung?

"Jede Krankenkasse, die in Ihrem Bundesland geöffnet ist, muss Sie annehmen – unabhängig vom Alter und laufenden Behandlungen", so "Finanztest". Viele Krankenkassen bieten im Internet Formulare für den Eintritt an. Ansonsten reicht ein formloses Anschreiben mit der Absichtserklärung, der Kasse beitreten zu wollen. Wichtig ist außerdem, die Kündigungsbestätigung beizulegen oder digital zu übermitteln, wenn die Webseite der Kasse das anbietet.

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