Straßenverkehr : Der Ärger darf nicht mitfahren

Wer gestresst Auto fährt, konzentriert sich nicht ausreichend.
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Wer gestresst Auto fährt, konzentriert sich nicht ausreichend.

Es gibt gute Strategien gegen den Stress am Steuer: Genügend Zeit einplanen, eine geeignete Route vorab suchen und ein angemessenes Tempo fahren.

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18. Dezember 2013, 11:25 Uhr

Oft fährt sie mit, die Wut im Bauch. Nach einem Hupkonzert, einem Fingerzeig oder einer Drängelaktion fühlen sich viele Autofahrer gestresst. Dann heißt es: Ruhe bewahren, Schock bekämpfen und vor allem die Aggression unter Kontrolle bringen. Häufige und dauerhafte Stresssituationen können langfristige Folgen haben: Dazu zählen eine nachlassende Gedächtnisleistung, Unausgeglichenheit, Depression oder erhöhte Aggressionsbereitschaft.

Außerdem erhöht sich das Herzinfarktrisiko, das Immunsystem wird geschwächt und chronische Müdigkeit droht. Besonders beim Autofahren können Adrenalin-Schübe gefährliche Folgen haben, warnt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR): „Wer gestresst ist, konzentriert sich nicht mehr aufs Fahren und macht Fehler, indem er zum Beispiel andere Verkehrsteilnehmer übersieht oder eine falsche Entscheidung trifft.“

Stress entsteht nicht nur beim Autofahren, sondern oft schon vorm Einsteigen. „Fahrer tragen zusätzliche externe Stressoren in die eigene Fahrtabwicklung hinein, überwiegend durch den eigenen Zeitdruck oder Ärger. Der morgendliche Stau oder die Dauer der Rotphase sind gleich, aber der Fahrer wird unbeherrscht, wenn er merkt, dass es für den Termin eng wird“, erklärt Jörg Kubitzki, Unfallforscher im Allianz Zentrum für Technik.

Zwar sollte jeder Fahrer fähig sein, ohne unangemessen hohes Stresserleben einen verengten Baustellenfahrstreifen oder einen längeren Tunnelabschnitt zu passieren. Doch immer wieder geschieht es, dass die Nerven blank liegen. Vergangenes Jahr mussten laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) rund 15 500 Verkehrsteilnehmer wegen Verkehrsauffälligkeit ohne Alkoholeinfluss zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU). Darunter fallen Drängler, Raser und andere Verkehrssünder, die zu aggressiv auf den Straßen unterwegs sind.

Für gestresste Verkehrsteilnehmer gibt es mehrere Möglichkeiten, das Unwohlsein zu kompensieren. Das können neben einer beruhigenden Atemtechnik auch sanfte Musik oder ein schöner, entspannender Gedanke sein. Auch ein gemächliches Tempo, eine gute Routenplanung, ein angemessenes Zeitmanagement, Erholungspausen und eine kritische Selbstkontrolle vor und während der Fahrt sind hilfreich. Wichtig sei außerdem eine fehlerverzeihende defensive Fahrweise, erklärt Kubitzki.

„Bemerkt ein Autofahrer wiederholt über längere Zeit, dass er seine alltäglichen Fahrten als stressreich empfindet, ist professionelle Hilfe sinnvoll“, sagt Kubitzki. Dafür bieten Verbände und Gremien Stressseminare an, die sich teils an bestimmte Fahrzeugnutzer richten – vom normalen Autofahrer über Altenpfleger bis hin zu Rettungskräften. Entsteht der Stress durch Ärger über andere Verkehrsteilnehmer, rät DVR-Sprecher Rademacher zum inneren Dialog: „In meinem Auto bin ich der Chef. Ich lasse mich von anderen nicht zu riskantem Verhalten zwingen.“ Oder man distanziert sich bewusst von dem anderen: „Das ist nur ein armer Spinner, ein Angeber, der es nötig hat.“ Ein guter Fahrer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, er hat seine Emotionen im Griff. „Auf keinen Fall sollte das Fahren selbst zum Stressabbau dienen. Denn der eigene Stress macht sich im Fahrstil bemerkbar und kann so auch auf andere abfärben“, sagt Rademacher. Zu den größten Stressfaktoren zählen der Berufsverkehr, Termindruck, typische Dränglerstrecken und hohes Tempo – und denen können sich Autofahrer in vielen Fällen entziehen: Wer etwas früher oder später losfährt als üblich, kann nervenaufreibende Staus in der Hauptverkehrszeit umgehen. Ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel oder eine Fahrgemeinschaft können Alternativen sein.

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