Gesundheit am Arbeitsplatz : Depression – Chef sollte es wissen

Leidet ein Kollege an Depressionen, merken die anderen Mitarbeiter oft, dass etwas nicht stimmt. Schließlich sind viele Betroffene oft antriebslos und müde.
Leidet ein Kollege an Depressionen, merken die anderen Mitarbeiter oft, dass etwas nicht stimmt. Schließlich sind viele Betroffene oft antriebslos und müde.

Wer wenig Vertrauen zum Vorgesetzten hat, sollte den Betriebsrat auf sein Problem ansprechen.

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07. November 2015, 18:00 Uhr

Wer an einer Depression leidet, ist oft länger krankgeschrieben und verändert sich. Das bekommen normalerweise auch die Kollegen und der Chef mit. Sollten Betroffene ihre Krankheit dann öffentlich machen – oder macht es das nur noch schlimmer und raubt einem die Karrierechancen? 

„Grundsätzlich würde ich dazu raten, weil es entlasten kann und einem dann in der Regel mehr Verständnis entgegengebracht wird“, sagt Stephan Weiler von der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM). Es kommt allerdings sehr auf das Verhältnis zu Chef und Kollegen an. „Man sollte dabei auf sein Bauchgefühl hören.“ Wer kein Vertrauen zum Chef hat, sollte ihm auch nichts sagen.

Weiler empfiehlt, sich in solchen Fällen einen anderen Ansprechpartner bei der Arbeit zu suchen – etwa einen Betriebsrat oder den Betriebsarzt. „Das kann dann auch mit zusätzlichen Hilfemöglichkeiten wie einem guten Therapieplatz oder speziellen Coachings einhergehen.“ Das Schreiben eines Betriebsarztes erhöhe außerdem oft die Chancen auf einen Reha-Platz. Reagieren Kollegen, die nichts von der Krankheit wissen, komisch auf ein bestimmtes Verhalten des Erkrankten, kann der Eingeweihte auch als Mediator fungieren – und für Verständnis werben. Das funktioniere auch, wenn er nichts von der Depression erzähle, sagt Weiler.

Informiert ein Arbeitnehmer über seine Depression, reagiert das Umfeld oft verständnisvoll. Schließlich ist ihnen vielleicht schon vorher aufgefallen, dass der Kollege im Antrieb gehemmt und müde ist oder seine Arbeit nicht zu Ende bringt. Wichtig ist laut Weiler aber, das „Outing“ ganz oder gar nicht zu machen: „Entweder ich sage es allen oder keinem. Wenn drei aus dem Team Bescheid wissen und drei nicht, kann das nur zu Ärger führen.“

Eine Ausnahme ist es, wenn man es einem sehr guten Freund erzählt, der im gleichen Betrieb arbeitet. Viele Erkrankte machen sich Sorgen um ihre Karriere. „Manchmal sicher auch zurecht“, sagt Weiler. Aber:  Es kann sein, dass das gar nicht schlecht ist, weil man in dieser Situation den Anforderungen vielleicht nicht gerecht würde – und der Druck könnte die Krankheit noch verschlimmern. „Man sollte im Hinterkopf haben, dass die Vorgesetzten einen auch schützen wollen – auch wenn das natürlich wehtut.“

Grundsätzlich gilt: Selbst wer lange krankgeschrieben ist, muss niemandem etwas von seiner Depression erzählen. „Wer das nicht öffentlich machen möchte, sollte das ganz klar sagen“, rät Weiler. Dann könnten Arbeitnehmer etwa sagen:  „Sie haben meine Krankschreibung, und mehr möchte ich dazu nicht sagen.“ Einen Aspekt dürfen Betroffene allerdings nicht verschweigen: Wenn Nebenwirkungen von Medikamente anfangs ihre Arbeitsfähigkeit einschränken.

Dann müssen sie den Chef informieren, dass sie gewisse Tätigkeiten vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt ausüben dürfen – warum das so ist, müssen sie aber nicht sagen. Nach etwa vier Wochen könne man arbeiten wie immer, und auch die häufige Angst vor einer Abhängigkeit von Antidepressiva sei normalerweise nicht begründet.

Sophia Weimer

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