Lesertelefon Herzerkrankungen : Brustschmerzen gehören abgeklärt

Wer erblich vorbelastet ist, sollte sein Risiko frühzeitig checken, um Herzerkrankungen vorzubeugen.
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Wer erblich vorbelastet ist, sollte sein Risiko frühzeitig checken, um Herzerkrankungen vorzubeugen.

Experten des Schweriner Herzzentrums und der Rostocker Universitätsmedizin beantworteten gestern beim Telefonforum zahlreiche Leserfragen zum Thema Herzerkrankungen

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23. Juni 2016, 12:00 Uhr

Das Interesse an unserem gestrigen Telefonforum „Herzerkrankungen“ war groß. Die Fragen beantworteten  Ärzte der Schweriner Helios Kliniken und der Rostocker Universitätsmedizin: Prof. Dr. Alexander Staudt, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie, Dr. Jörg Ruppert, Leitender Oberarzt des Bereichs Elektrophysiologie/Herzrhythmusstörungen und  Priv.-Doz. Dr. Alexander Kaminski, Leitender Oberarzt für den Bereich Herzchirurgie. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir für Sie notiert.

Wie kann ich einem Herzinfarkt vorbeugen?
Man kann unheimlich viel tun, um einem Herzinfarkt vorzubeugen. Dazu gehört ausreichend körperliche Bewegung, eine kalorienarme Ernährung – mediterrane Kost ist hier besonders geeignet – und mit dem Rauchen aufhören. Durch eine gesunde Lebensweise, aber auch indem man seinen Blutdruck optimiert und Fettwerte ggf. medikamentös behandelt, kann man bereits viel tun, damit es nicht zu einem Herzinfarkt kommt.

Sind Brustschmerzen immer gleich Herzschmerzen?
Brustschmerzen können viele Ursachen haben und gehören immer ärztlich abgeklärt – es gilt einen Herzinfarkt auszuschließen. Tatsächlich sehen wir viele Patienten, die lange vor ihrem Herzinfarkt über Brustschmerzen berichtet haben und erst gekommen sind, als es zu spät war.

Was sollte man bei Brustschmerzen/ einem Herzinfarkt tun?
Wer ein heftiges Enge- oder Druckgefühl hinter dem Brustbein oder über dem Herzen bemerkt, sollte sich schnellstmöglich in die Notaufnahme einer Klinik einfinden, damit ein Herzinfarkt abgeklärt werden kann. Im Notfall mit dem Rettungsdienst.

Leben mit einem Herzfehler – was ist zu beachten?
Grundsätzlich sollte jeder Herzfehler, wenn er bedeutsam ist, korrigiert werden. Dies ist aber primär eine Aufgabe der Herzchirurgie. Nach der Operation sollten sich die Patienten weiterhin unter ärztlicher Aufsicht befinden und regelmäßig einen spezialisierten Kardiologen aufsuchen.

Besteht bei Luftnot immer auch der Verdacht auf eine Herzschwäche?
Luftnot muss nicht gleichzeitig eine Herzschwäche bedeuten. Allerdings gibt es einen höheren Anteil an Patienten, die an einer Herzschwäche leiden, wo Luftnot das einzige Symptom darstellt. Wer unter Luftnot leidet, sollte aber grundsätzlich einen Arzt aufsuchen, um auch eine Herzschwäche auszuschließen.

Leben mit einem Stent – was muss ich beachten?
Die Implantation eines Stents bedeutet, dass die Herzkranzgefäße und das gesamte Gefäßsystem schon deutlich erkrankt sind. Insofern gilt es, etwas gegen die Gefäßverkalkung zu unternehmen und die Ernährung beispielsweise auf mediterrane Kost umzustellen, mit dem Rauchen aufzuhören und sich körperlich mehr zu bewegen.

Leben mit einer neuen Herzklappe – was muss ich beachten?
Die neue Herzklappe ersetzt die Funktion der alten Herzklappe. Allerdings ist es häufig notwendig, dass Betroffene bestimmte Blutverdünner regelmäßig einnehmen, die verhindern sollen, dass sich Blutgerinnsel bilden. Diese könnten einen Schlaganfall auslösen. Ebenfalls ist es erforderlich, dass man bei bestimmten Eingriffen eine Antibiotikaprophylaxe einnimmt, um eine Klappeninfektion nach dem Eingriff zu vermeiden.

Ich verspüre häufig anfallsartiges Herzrasen. Ist das gefährlich?
Die überwiegende Anzahl solcher Herzrhythmusstörungen ist harmlos. Es können jedoch durchaus bedrohliche Erkrankungen dahinterstecken. Nach Möglichkeit sollte ein EKG während der Herzrhythmusstörung geschrieben werden, um die Ursache zu erkennen. Oft ist auch ein 24-Stunden-EKG notwendig. Die meisten solcher Herzrhythmusstörungen können gut mit Medikamenten oder mit dem Herzkatheter behandelt werden.

Vor Kurzem bin ich das zweite Mal plötzlich bewusstlos geworden. Brauche ich einen Herzschrittmacher?
Die Abklärung von plötzlichen Bewusstseinsverlusten ist häufig schwierig. Es müssen nicht nur Erkrankungen des Herzens bedacht werden, sondern z.B. auch Erkrankungen des Gehirns und der Halsgefäße. Wenn eine umfangreiche Abklärung ergibt, dass Aussetzer des Herzens die Ursache sind, kann ein Herzschrittmacher helfen. Bei ganz unklaren Fällen kann auch ein winziger Herzmonitor unter die Haut gesetzt werden, der die Entdeckung von Herzrhythmusstörungen über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren ermöglicht.

Mein Herzschlag ist gelegentlich unregelmäßig. Mir geht es dann sehr schlecht. Mein Kardiologe hat im EKG Vorhofflimmern gefunden. Ich habe gehört eine Verödung könnte mir helfen. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Bei vielen Patienten, die unter Vorhofflimmerattacken leiden, führen Medikamente zu keiner befriedigenden Besserung. Gerade dann kann eine Verödung im linken Herzvorhof mit dem Herzkatheter doch noch helfen und Betroffene von den Vorhofflimmerattacken befreien. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage der Blutverdünnung. Viele Patienten mit Vorhofflimmern benötigen eine Blutverdünnung, um das Risiko von Schlaganfällen zu senken.

Wie sieht es mit Medikamenten vor einer Herz-OP aus? Was muss ich absetzen?
Wenn Ihr Arzt Ihnen regelmäßig einzunehmende Medikamente verschrieben hat, sollten Sie diese in Absprache mit ihm wie gewöhnlich auch vor Ihrer Operation am Herzen einnehmen. Blutverdünner bilden die Ausnahme. Bei der Vorbesprechung der OP werden Ihr Arzt oder der Klinikarzt mit Ihnen besprechen, wann genau Sie die Einnahme aussetzen müssen.

Ich hatte einen Herzinfarkt, nun leide ich unter einer eingeschränkten Pumpleistung des Herzens. Wie geht es medizinisch für mich weiter?
Ihr Arzt wird nun prüfen, ob Sie womöglich eine Bypass-Operation oder einen Defibrillator brauchen. Betraf der Herzinfarkt ein einziges Gefäß, sind ja noch drei andere vorhanden. Man muss also schauen, ob diese gut aussehen oder ebenfalls betroffen sind und die Durchblutung des Herzens funktioniert. Hat sich hingegen eine schwere Rhythmusstörung entwickelt, sollte ein Defibrillator eingesetzt werden.“

Ich soll eine Herzklappe bekommen. Ist ein minimal-invasiver Eingriff sinnvoller oder eine ausgedehnte Herz-OP?
Die klassische große OP am offenen Herzen ist vor allem bei einer Aortenklappe immer noch der Goldstandard. Sie wird keinem operablen Patienten vorenthalten. Aber nicht jeder erfüllt die Kriterien für diesen Eingriff. Für Risikopatienten wie etwa Hochbetagte ist die minimal-invasive Variante die bessere Wahl. Dabei wird von einer Körperschlagader aus ein Katheter bis zum Herzen vorgeschoben und dort eine künstliche Klappe exakt platziert. Experten prüfen in einer Teamkonferenz für jeden Patienten individuell, welches Verfahren die beste Erfolgsaussicht und Schonung bietet.

Ich habe einen Bypass bekommen. Braucht es nun regelmäßige Nachuntersuchungen?
Spezielle risikoreiche kardiologische Maßnahmen wie eine Herzkatheter-Untersuchung sind lediglich notwendig, wenn bei Ihnen neue Symptome auftreten sollten. Mit den Bypässen ist eine neue Ausgangssituation geschaffen worden. Von da an muss beobachtet werden, ob es zu neuen Problemen kommt. Ansonsten reicht Ihr Routine-Check beim Kardiologen.

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