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Gesundheitsrisiko : Blutvergiftungen durch Mücken

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Blutsauger können Viren und Bakterien übertragen. Das Aufkratzen von Quaddeln erhöht Infektionsrisiko

von
erstellt am 07.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ein roter Streifen auf der Haut, er zieht sich über die Fußsohle. Nachdem die fünfjährige Charlotte aus Schwerin vor rund einer Woche ihren Fuß untersuchte, musste sie kurze Zeit später ins Krankenhaus. Der Grund: Sie wurde von einer Mücke gestochen und bekam daraufhin eine Blutvergiftung.

Charlotte ist kein Einzelfall. Professor Emil Reisinger, Experte für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Rostock, beobachtet derzeit vermehrt ähnliche Fälle. „Ein Drittel der Menschen trägt Streptokokken auf der Haut, die Krankheiten auslösen können, unter anderem auch Blutvergiftungen.“ Mit dem Aufkratzen der Mückenstiche gelangen die Bakterien in die Wunde und somit in den Blutkreislauf. „Das kann wirklich gefährlich werden, zu einem Multiorganversagen und sogar zum Tod führen“, sagt Reisinger. Seine Empfehlung: „Wir müssen uns das Kratzen abgewöhnen. Wenn es juckt, hilft ein Kühlgel, prophylaktisch kann die Haut mit Mückenschutzmittel eingerieben werden.“ In der Regel würde eine Blutvergiftung mit Antibiotika behandelt.

Streptokokken, Fäkal- oder Coli-Bakterien können aber auch über den Stechapparat der Mücke in den Körper gelangen – so wie im Fall der kleinen Charlotte. Aufgekratzt habe die Fünfjährige ihren Mückenstich nämlich nicht. „Mücken haben ein breites Wirkungsspektrum. Sie stechen nicht nur Menschen, sondern auch wilde Tiere“, gibt Kai Gloyna, Biologe beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock zu bedenken.

Emil Reisinger beobachtet derweil noch ein weiteres Phänomen: „Die Quaddel-Bildung ist ganz schlimm in diesem Jahr.“ Der Mediziner spricht von Auswüchsen von einem Zentimeter und mehr. Quaddeln seien eine allergische Reaktion auf den Stich. Sobald die Mücke piekst, pumpt sie Giftstoffe in die Wunde. „Die Substanzen hemmen die Blutgerinnung. Das erleichtert der Mücke das Saugen“, erklärt Reisinger. Der Speichel der Mücken rufe wiederum die juckenden Quaddeln hervor.

Momentan fühlen sich Mücken in Deutschland sehr wohl. „Sie mögen Sommer wie diese: starke Niederschläge, gepaart mit warmen Temperaturen“, sagt Gloyna. Dabei können die Insekten fast überall Eier legen: Von Joghurtbechern, über Dachrinnen bis hin zu Blumenkübeln, in denen Wasser steht. „Mücke ist nicht gleich Mücke. Es gibt zahlreiche potentielle Bruthabitate. Während die eine fließende Gewässer bevorzugt, fühlt sich die andere in Friedhofsvasen wohl“, beschreibt Gloyna. Von einer „Plage“ spricht der Biologe bisher jedoch nicht. „Ob ich viele Mücken um mich herum habe, ist auch immer abhängig davon, wo ich mich aufhalte. Auf dem Zeltplatz oder bei der Paddeltour werden mir mehr Mücken begegnen, als im urbanen Raum. In der Summe haben wir aber ein gutes Mückenjahr.“ Der Biologe betont auch, dass Mücken für das Ökosystem von großer Bedeutung sind. Schließlich sind sie zum Beispiel Futter für Spinnen, Fische, Amphibien, Libellen, Fledermäuse und Vögel.

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