Lesertelefon : Bewegung senkt Darmkrebsrisiko

Bei  einer  Darmspiegelung  können  entdeckte Polypen   sofort entfernt  werden.
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Bei einer Darmspiegelung können entdeckte Polypen sofort entfernt werden.

Der März ist traditionell Darmkrebsmonat. Die Experten aus den Schweriner Helios Kliniken Prof. Dr. Jörg-Peter Ritz, Dr. Hubert Bannier und Stefanie Ulmer beantworteten Leserfragen.

svz.de von
20. März 2014, 11:51 Uhr

Kann ich der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen?

Die Ursachen für Darmkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt, bekannt sind jedoch einige Risikofaktoren wie erbliche Belastung, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, zum Beispiel Morbus Crohn, das Vorliegen von Dickdarmpolypen, Übergewicht, eine ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Ernährung, wenig körperliche Bewegung sowie Nikotin- und Alkoholkonsum.

Das Darmkrebsrisiko lässt sich durch eine gesunde Ernährung senken. Viel frisches Obst und Gemüse, aber nur wenig Fleisch und Fleischprodukte gehören dazu. Vor allem sollte man auf zu viel rotes, frittiertes oder stark angebratenes Fleisch verzichten. Auch regelmäßige Bewegung senkt das individuelle Darmkrebsrisiko. So sinkt bei Menschen, die sich 30 bis 60 Minuten pro Tag intensiv körperlich betätigen, das Darmkrebsrisiko nachweislich um 40 bis 50 Prozent. Auch der Verzicht auf Nikotin und Alkohol kann der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen.

Wie sehen die ersten Alarmzeichen aus?

Wenn eine Darmkrebserkrankung entsteht, löst dies in der Regel keine Beschwerden aus und kann daher viele Jahre unerkannt bleiben. Es gibt jedoch Alarmzeichen, bei deren Auftreten Sie dringend einen Arzt aufsuchen sollten. Das sind veränderte Stuhlgewohnheiten wie Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen, wiederholt einsetzender Stuhldrang ohne Stuhlentleerung, Blutbeimengungen im Stuhl, Blässe und Blutarmut sowie Gewichtsverlust und Kräfteverfall.

Wann bezahlt die Krankenkasse die Früherkennungsuntersuchung?

Früh erkannt, ist Darmkrebs heilbar. Deshalb ist es wichtig, die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt in diesem Zusammenhang verschiedene Leistungen. Diese beinhalten ein Informationsgespräch beim Arzt mit einer ausführlichen Aufnahme der Familiengeschichte, um eventuell familiär bedingten Darmkrebs frühzeitig feststellen zu können, die Erfassung der persönlichen Risiken wie entzündliche Darmerkrankungen sowie Hinweise auf die bestehenden Früherkennungsuntersuchungen. Diese umfassen vom 50. bis 55. Lebensjahr jährlich einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl als möglichen Hinweis auf eine Darmkrebserkrankung und ab 55 Jahren die Durchführung einer Darmspiegelung. Eine Wiederholung nach zehn Jahren ist möglich.

Wie verläuft eine Darmspiegelung?

Die Darmspiegelung ist die zuverlässigste und wirksamste aller Früherkennungsuntersuchungen. In der Hand eines erfahrenen Spezialisten ist sie sicher und schmerzfrei. Voraussetzung für die Durchführung der Untersuchung ist eine gründliche Reinigung des Darms. Dazu muss der Patient innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine definierte Menge Abführmittel einnehmen und darf keine festen Speisen mehr zu sich nehmen. Der Patient erhält auf Wunsch zu Beginn der Darmspiegelung ein Beruhigungsmittel. Mit Hilfe eines beweglichen optischen Instruments (zehn bis 15 Millimeter dicker Schlauch) kann der Arzt bei der Spiegelung den Darm von innen betrachten. Während der Untersuchung können Gewebeproben entnommen und Polypen, das sind die Darmkrebsvorstufen, abgetragen werden. Die Untersuchung dauert zirka 20 Minuten. Werden Polypen abgetragen, verlängert sie sich auf etwa 30 Minuten.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es bei Darmkrebs?

Therapie und Prognose der Erkrankung sind entscheidend davon abhängig, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Das wird dadurch bestimmt, ob er in das umliegende Gewebe eingedrungen ist, Lymphknoten befallen oder bereits Absiedelungen, also Metastasen, in anderen Organen wie der Leber gebildet hat.

Die geeignete Therapie wird für jeden Patienten innerhalb des Tumorboards von den Experten aller beteiligten Fachdisziplinen besprochen und festgelegt. In den meisten Fällen wird der Tumor operiert. Bei manchen Patienten wird der chirurgische Eingriff mit einer Chemo- oder Strahlentherapie kombiniert. Auch die Kombination von Chemo- und Immuntherapie kann zur Darmkrebsbehandlung angewendet werden.

Wovon hängt es ab, ob in Schlüssellochtechnik oder über einen großen Schnitt operiert wird?

Das hängt von mehreren Faktoren ab. Prinzipiell prüfen wir bei jedem Patienten vor der Operation, ob eine Operation in Schlüssellochtechnik möglich und sinnvoll ist. Wir wissen, dass die Patienten nach einer minimal invasiven Operation weniger Schmerzen haben, schneller wieder auf die Beine kommen, die Darmtätigkeit rascher wieder funktioniert und sie früher nach Hause können. Wenn ein Patient jedoch ausgedehnte Voroperationen im Bauchraum hinter sich hat, ist es häufig nicht möglich, in Schlüssellochtechnik zu operieren.

Wann kann ein künstlicher Darmausgang zurückverlegt werden?

Prinzipiell müssen wir heutzutage viel seltener einen künstlichen Darmausgang anlegen als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Ob der Darmausgang zurückverlegt werden kann, hängt davon ab, wie die Wundheilung nach einer Operation vonstatten gegangen ist. Ist alles ohne Komplikationen verlaufen, kann ein zum Schutz der Darmnaht angelegter künstlicher Darmausgang bereits nach zirka zehn Wochen wieder zurückverlegt werden. Manchmal muss man aber auch einige Monate abwarten, damit sich der Patient erst einmal von der Operation erholt. Musste bei der Operation der Schließmuskel entfernt werden, kann der künstliche Ausgang gar nicht zurückverlagert werden.

Wann muss ein künstlicher Darmausgang angelegt werden?

Heute kann bei mehr als 90 Prozent der Patienten mit Dickdarmkrebs ein dauerhafter künstlicher Darmausgang vermieden werden. Nur wenn der Tumor direkt am Schließmuskel wächst, muss dieser aus Sicherheitsgründen mit entfernt werden. Liegt der Tumor im restlichen Teil des Dickdarms beziehungsweise in einem Abstand von mehr als einem Zentimeter vom Schließmuskel entfernt, kann auf die Anlage des künstlichen Ausgangs verzichtet werden.

Kann auch der Dünndarm betroffen sein?

Auch der Dünndarm kann von Darmkrebs betroffen sein. Dies ist jedoch eine absolute Rarität und tritt nur in wenigen Einzelfällen im Jahr auf. Die viel häufigere Problematik ist der Krebs im Dick- und im Mastdarm.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Darmkrebs nach Entfernung erneut auftritt?

Wenn eine Operation erfolgreich durchgeführt wurde und der Tumor mit allen Lymphbahnen entfernt wurde, haben Patienten eine sehr hohe Chance, dass nie wieder ein Tumor auftritt. Dennoch empfehlen wir allen Patienten, sich regelmäßig einer Tumornachsorge zu unterziehen. Dabei werden in immer länger werdenden Abständen Darm, Leber, Lunge und das Blut untersucht, um frühzeitig zu erkennen, ob nach der Operation wieder Krebs an einer neuen Stelle entstanden ist. Wird der Darmkrebs in einem frühen Stadium operiert, ist der Patient mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit geheilt. Bei diesen Patienten tritt also nie mehr ein Darmkrebs oder eine Krebsfolgeerkrankung auf.

Gibt es beim Auftreten von Lebermetastasen noch eine Chance auf Heilung?

Ja die gibt es. Wir haben in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl an therapeutischen Möglichkeiten dazu gewonnen. Hierdurch können wir auch Patienten, bei denen die Leber mit Tochtergeschwülsten befallen ist, heilen. Häufig sind hier Kombinationen mehrerer Krebstherapien erforderlich. Die Patienten erhalten zum Beispiel eine Chemotherapie, um die Tochtergeschwülste kleiner werden zu lassen. Anschließend kann dann der Tumor operativ entfernt werden. Eine andere Möglichkeit ist die Verödung des Tumors durch eingebrachte Sonden. Wir besprechen jeden Krebspatienten in unserem Tumorboard, um aus Sicht aller beteiligten Fachbereiche die beste Therapie festzulegen.

Warum bemerkt man den Darmkrebs so lange nicht?

Wie die meisten Krebsarten entsteht der Darmkrebs aus einer einzelnen Zelle, die sich bösartig umgewandelt hat. Es dauert lange, bis aus dieser einen Zelle ein Polyp und schließlich ein größerer Tumor wird. Erst wenn der Tumor so groß ist, dass er den Darm komplett verlegt oder blutet, bemerkt der Patient etwas von diesen Veränderungen. Dies kann aber unter Umständen viele Monate bis Jahre dauern. Umso wichtiger ist die Durchführung einer Vorsorgeuntersuchung durch eine Darmspiegelung. Hier können schon ganz kleine Tumoren oder Vorläuferstadien (Polypen) erkannt und gleichzeitig entfernt werden. Der Patient ist dann von der Erkrankung geheilt.

Ist Darmkrebs erblich?

Es gibt tatsächlich vererbbare Formen von Darmkrebs. Wir selbst überprüfen bei allen unseren Darmkrebspatienten mögliche Risikofaktoren dafür. Treffen mehrere Risikofaktoren zu, empfehlen wir dem Patienten und seinen Angehörigen eine genetische Beratung. Zu den Risikofaktoren für eine vererbbare Form von Darmkrebs zählen das Auftreten der Erkrankung im Alter unter 50 Jahren, das Vorhandensein zahlreicher Polypen im Dickdarm oder das Auftreten von Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades.

Gibt es eine Krebsdiät?

Es ist nicht möglich, durch einschränkende Diäten den Krebs am Wachstum zu hindern. Der Krebs holt sich immer, was er an Nahrung braucht und nimmt dabei keine Rücksicht auf Ihren körperlichen Zustand. Ganz im Gegenteil: durch das Weglassen bestimmter Lebensmittelgruppen oder Nährstoffe laufen Sie Gefahr, in den Teufelskreis der Mangelernährung zu geraten und nicht genug Kraft für die Therapien zu haben. Eine ausgeglichene und bedarfsgerechte Ernährungsweise stärkt nicht nur Ihren Körper, sondern ist immer auch ein Beitrag zur Lebensqualität. Essen Sie mit allen Sinnen und Genuss.

Seit mein Darmkrebs behandelt wird, schmeckt alles anders. Ist das normal? Was kann ich tun?

Während der Behandlung können Nebenwirkungen wie Gewichtsverlust, Geruchs- oder Geschmacksstrungen auftreten. Alles schmeckt pappig, Süßes ist viel zu süß oder häufig schmeckt alles einfach bitter. Versuchen Sie, Ihr Körpergewicht zu stabilisieren und ersetzen Sie Nahrungsmittel und Speisen durch andere. Eine gute Alternative zu Fleisch sind Milch- und Milchprodukte wie Quarkspeisen. Auch Eiergerichte sind ein guter Ersatz. Geflügel wird oft besser toleriert als andere Fleischsorten. Verwenden Sie milde Gewürze und Kräuter wie Petersilie, Basilikum, Ingwer oder Curry. Testen Sie immer wieder aus, häufig kommt dann der Appetit von selbst wieder.

Ich habe einen künstlichen Darmausgang, darf ich noch alles essen?

Eine spezielle Diät gibt es hier nicht. Sie können alles essen, was Sie vertragen. Beobachten Sie genau. Manchmal hilft es, ein Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen, um einen Überblick zu bekommen, was Ihnen bekommt und was nicht. Essen Sie regelmäßig kleine Mahlzeiten, damit sich ein kontinuierlicher Entleerungsrhythmus einstellt. Liegt der künstliche Ausgang im Bereich des Dünndarms, trennen Sie das Trinken vom Essen, damit der Speisebrei nicht unnötig verdünnt wird. Aber achten Sie darauf, trotzdem genügend zu trinken. Im Durchschnitt liegt der Flüssigkeitsbedarf bei zirka drei Litern. Gesalzene Brühen liefern neben Flüssigkeit auch Kochsalz. Das ist ideal, um den Wasser- und Mineralstoffausgleich zu regulieren.
Stopfende und quellende Nahrungsmittel wie Kartoffeln, gekochte Möhren, Reis, Haferflocken, geriebener Apfel, Heidelbeeren oder Bananen wirken sich vor allem nach der Operation günstig aus, wenn der Stuhl noch zu dünnflüssig ist.

Um Reizungen oder gar eine Blockade des künstlichen Darmausganges zu vermeiden, verzichten Sie besser auf faserreiche Lebensmittel wie Spargelstangen, Pilze, Ananas, Nüsse oder harte Obstschalen.

 

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