Lesertelefon : Beiträge sparen durch Tarifwechsel

Bei einem Kassenwechsel muss man Fristen beachten.
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Bei einem Kassenwechsel muss man Fristen beachten.

Experten beantworteten beim Telefonforum zahlreiche Leserfragen zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung.

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15. Juni 2016, 20:45 Uhr

Das Interesse an unserem Telefonforum „Krankenversicherung“ war enorm. Die Fragen beantworten Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale MV, Thomas Räth vom Verband der privaten Krankenversicherung und Gilbert Ruff von der AOK Nordost. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir für Sie notiert.

Ist es möglich, in einen anderen Tarif meiner privaten Krankenversicherung zu wechseln, um Beiträge zu sparen? Ich bin seit 15 Jahren privat versichert.
Ja, Sie haben sogar ein verbrieftes Recht laut Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes. Wenn Sie innerhalb des jetzigen Versicherers in einen anderen Tarif wechseln, bleiben Ihnen Ihre Alterungsrückstellungen erhalten. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt – es sei denn, Sie wollen höhere Leistungen als bisher versichern. Dann sind für die Mehrleistungen Gesundheitsfragen zu beantworten. Sie sollten bei der Tarifwahl darauf achten, ob Sie in einen älteren Tarif wechseln, bei dem noch unterschiedliche Kalkulationen für Männer und Frauen vorgenommen werden oder in einen der neuen Unisextarife. Bei letzteren wird diese Unterscheidung nicht mehr vorgenommen. In der alten Tarifwelt haben Sie das Recht, beispielsweise auch in den Standardtarif zu wechseln. Für die Unisextarife steht in solchen Fällen der Basistarif zur Verfügung. Der ist in der Regel deutlich teurer als der Standardtarif.

Ich bin als Selbstständiger freiwillig gesetzlich krankenversichert. Kann ich das bleiben, wenn ich in Rente gehe?
Ja, das können Sie. Allerdings wird dann geprüft, welchen Status Sie als Rentner bekommen. Dabei ist entscheidend, wie lange Sie in der zweiten Hälfte des Berufslebens gesetzlich versichert waren. Kommen Sie auf 90 Prozent, werden Sie zum Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner. Werden die 90 Prozent nicht erreicht, bleiben Sie weiter freiwilliges Mitglied. Die Unterscheidung hat finanzielle Konsequenzen: Freiwillige zahlen entsprechend ihrer gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Kassenbeiträge. Neben der Alters- und einer eventuellen Betriebsrente zählen im Unterschied zu den Pflichtmitgliedern zusätzlich auch Mieteinnahmen, ausgezahlte private Lebens- und Rentenversicherungen sowie Kapitalerträge. Das gilt bis zur Bemessungsgrenze von 4237,50 Euro monatlich.

Ich bin freiwillig in der gesetzlichen Kasse versichert. Muss ich Kassenbeiträge auf die Einnahmen aus meiner Photovoltaikanlage zahlen?
Als freiwilliges Mitglied müssen Sie auch dafür den vollen Beitrag zahlen.

Ich bekomme außer meiner Alters- auch eine Witwerrente. Muss ich tatsächlich auch auf die Witwerrente Kassenbeitrag zahlen?
Ja. Das hat der Gesetzgeber so festgelegt. Das gilt für freiwillig wie pflichtversicherte Kassenmitglieder.

Ich bekomme ziemlich viele Medikamente verschrieben und muss entsprechende Zuzahlungen begleichen. Kann ich mich davon befreien lassen? Gehören die Eigenanteile für Zahnersatz mit dazu? Kann man sich generell befreien lassen?
Das Sozialgesetzbuch V schreibt vor, dass maximal zwei Prozent des beitragspflichtigen Einkommens für Zuzahlungen aufzuwenden sind. Für chronisch Kranke gilt ein Prozent. Sobald Sie den entsprechenden Betrag bezahlt haben, können Sie sich von weiteren Zuzahlungen befreien lassen. Die Eigenanteile für Zahnersatz gehören leider nicht zu den Zuzahlungen. Eine generelle Befreiung von Zuzahlungen ist leider nicht möglich.

Mein Sohn fängt im Herbst an zu studieren. Momentan ist er über mich familienversichert. Kann das beim Studium so bleiben?
Das ist eine Altersfrage – in der Regel können studierende Kinder bis zum 25. Lebensjahr beitragsfrei gesetzlich familienversichert bleiben. Zeiten als Bundesfreiwilliger können die Frist etwas verlängern. Danach ist ein eigener Beitrag zur Krankenversicherung der Studenten (KVdS) zu zahlen. Ab Wintersemester 2016/17 kostet der rund 66 Euro im Monat. Hinzu kommen der Zusatzbeitrag der Kasse sowie der Beitrag zur Pflegeversicherung. Wenn Ihr Sohn Bafög bekommt, erhält er auch einen Zuschuss zur KVdS.

Ich bin Ende fünfzig und nicht mehr erwerbstätig. Kann ich nun von der privaten in die gesetzliche Kasse wechseln?
Normalerweise ist ein Wechsel laut Gesetz ab dem 55. Lebensjahr nicht mehr möglich. Einzige Ausnahme: Wenn Sie keine Einkünfte in Höhe von maximal 415 Euro monatlich haben, können Sie über Ihren gesetzlich versicherten Ehepartner beitragsfrei familienversichert werden. Bei den Einkünften zählen alle Einnahmen also auch Renten, Mieteinnahmen, Zinsen, Erwerbseinkünfte dazu.

Ich bin mit meiner gesetzlichen Kasse nicht zufrieden, unter anderem weil es schwer ist, Ansprechpartner zu finden. Kann ich in eine andere Kasse wechseln?
Ja, nach 18-monatiger Mitgliedschaft können Sie in eine andere gesetzliche Kasse wechseln. Sie müssen nur eine zweimonatige Kündigungsfrist beachten. Wirksam wird der Wechsel aber erst, wenn Sie innerhalb dieser Frist der bisherigen Kasse die Mitgliedschaft in der neuen nachweisen.

Wie lange wird eigentlich Krankengeld gezahlt?
Die gesetzlichen Kassen zahlen maximal 78 Wochen lang wegen der gleichen Krankheit. Eigentlich sind es nur 72 Wochen, weil die sechswöchige Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber mitgezählt wird. Für privat versichertes Krankentagegeld gilt diese Zeitbegrenzung nicht – hier wird bis zur Gesundung oder bis zur Verrentung gezahlt.

Mein Sohn macht gerade Abitur. Derzeit ist er über mich privat krankenversichert. Wie geht es nach dem Abi weiter?
Er bleibt zunächst privat versichert. Macht er später eine Ausbildung mit entsprechender Vergütung, wird er gesetzlich pflichtversichert. Wenn er studiert, unterliegt er ab Studienbeginn der gesetzlichen Versicherungspflicht. Er kann sich aber davon befreien lassen, und privat versichert bleiben. Die Entscheidung gilt dann für das gesamte Studium.

Egal wie er sich entscheidet – als Student muss er auf jeden Fall einen eigenen Beitrag zahlen. Entweder für die gesetzliche Krankenversicherung der Studenten – da eine beitragsfreie Familienversicherung nicht möglich ist – oder für einen privaten Studententarif.

Ich bin seit Kurzem selbstständig tätig und Mitglied einer gesetzlichen Kasse. Auf welcher Basis wird mein Beitrag berechnet?

Als hauptberuflich Selbstständiger sind Sie freiwillig versichertes Mitglied. Damit wird Ihr gesamtes Einkommen für die Beitragsberechnung zugrunde gelegt. Also Erwerbseinkommen, Zinseinkünfte oder Mieteinnahmen. Der Gesetzgeber hat für Beitragsberechnung hauptberuflich Selbstständiger ein Mindesteinkommen von 2178,75 Euro festgelegt. Daraus ergeben sich einschließlich Pflegeversicherung ein Mindestbeitrag von rund 370 Euro und ein Höchstbeitrag von etwa 765 Euro, wenn die Kasse den durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent erhebt. Krankengeld ab der siebten Woche ist hier mit versichert.

In der Regel wird der Beitrag anhand des letzten Steuerbescheides festgelegt. Da Sie den als „Neuselbstständiger“ noch nicht haben können, kann Ihr Einkommen erst einmal nur geschätzt werden.

Um die gesetzlich festgelegten Mindesteinkünfte und den entsprechenden Mindestbeitrag kommen Sie nicht herum. Nur für Existenzgründer mit Gründerzuschuss kann das Mindesteinkommen bei 1452,50 Euro festgelegt werden.

Wenn sich im Laufe des Jahres gravierende Veränderungen ergeben, sollten Sie umgehend die Krankenkasse informieren. Es gibt durchaus Möglichkeiten der Beitrags-entlastung. Darüber sollte man sich individuell beraten lassen.

Ich bekomme demnächst ALG II. Wird mir der Zusatzbeitrag auch abgezogen?
Für ALG-II-Empfänger zahlt der Bund den durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent. Ist der Zusatzbeitrag höher, müssen Sie die Differenz selbst zahlen – oder in eine günstigere Kasse wechseln.

Falls das der Fall sein sollte, sollten Sie bei Ihren Familienangehörigen auch darauf achten. Denn seit diesem Jahr sind diese nicht mehr familienversichert – jeder ALG-II-Empfänger über 15 Jahre ist nun eigenständig krankenversichert. Für ALG-I-Bezieher überweist die Arbeitsagentur den kassenindividuellen Beitrag.


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