Indische Heilkunst : Ayurveda: Mehr als ein Trend

Eine wärmende Kürbissuppe tut dem Verdauungstrakt besonders abends gut.
Foto:
1 von 1
Eine wärmende Kürbissuppe tut dem Verdauungstrakt besonders abends gut.

Volker Mehl erklärt die indische Lehre. Einfache Änderungen der Lebensweise sollen für mehr Wohlbefinden sorgen

svz.de von
09. Januar 2018, 12:00 Uhr

Ayurveda ist eine jahrtausendealte traditionelle indische Heilkunst, das Wort bedeutet übersetzt „Wissen vom Leben“. In Indien ist Ayurveda gleichzusetzen mit westlicher Medizin, aus naturwissenschaftlicher Sicht gibt es aber keine Belege für die Wirksamkeit.

Eine wichtige Rolle spielen die sogenannten Doshas, drei unterschiedliche Lebensenergien: Vata, Pitta und Kapha. Jedes Dosha ist in jedem Menschen vorhanden, aber in unterschiedlicher Ausprägung. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kommt es laut ayurvedischer Lehre zu Krankheiten. Um dieses Gleichgewicht wiederherzustellen, gibt es zum Beispiel bestimmte Rezeptempfehlungen im Rahmen einer Ernährungsberatung, aber auch Massagen oder Kuren.

Wichtig im Ayurveda ist der ganzheitliche Ansatz, das betont auch Volker Mehl. Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Heilkunst, schreibt Kochbücher zum Thema und gibt Seminare. Zu ihm kommen Menschen, die sich für Ayurveda interessieren, aber auch krank sind. Mehl arbeitet auch für seine Bücher und Seminare mit Ärzten und Psychologen zusammen. „Manche Leute sind fast schon enttäuscht, wenn sie zu mir kommen, denn sie erwarten Wunderdinge. Ich sage ihnen, was sie beachten sollen: warmes Wasser, warmes Frühstück, auf die Essensmenge achten, versuchen, vegetarisch zu kochen, abends eine Suppe essen und nicht so spät ins Bett gehen. Da erntet man oft enttäuschte Blicke“, sagt Volker Mehl im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Teilnehmer würden eher exotische Gerichte erwarten, kompliziertere Vorgaben. „Der Gag dabei ist, sie kommen nach drei Wochen wieder und sagen, Herr Mehl, das hat funktioniert.“ Denn Ayurveda ist alles andere als kompliziert.

Zum Beispiel das warme Wasser am Morgen. Im Wasserkocher aufgekocht oder zehn Minuten lang auf dem Herd soll eine kleine Tasse mit kleinen Schlucken vor dem Frühstück getrunken werden. „Warmes Wasser ist der Textur des Körpers sehr nah, es ist weich, warm und süß. Deshalb die warme Ernährungsweise. Damit hat man schon einmal ein warmes, wohliges Gefühl im Körper, es löst einen Entspannungsreflex in Magen und Darm aus“, erklärt Mehl die Wirkung.

Im Ayurveda ist schon lange bekannt, dass Darm und Psyche eng miteinander verknüpft sind, in der westlichen Medizin gibt es dieses Wissen erst seit Kurzem. In der indischen Heilkunst ist das aber einer der Hauptansätze. Um dem Darm etwas Gutes zu tun, weil er sich zum Beispiel durch Stress verkrampft hat, sollte man warmes Wasser trinken, das wirkt direkt auf das Darmnervengewebe. „Es ist ein Willkommensgruß und eine Entlastung“, beschreibt Mehl den Effekt.

Im Ayurveda soll der Körper morgens gleich gereinigt werden durch Entleerung von Darm und Blase. Das warme Wasser hilft bei dieser Reinigung, aber auch über den ganzen Tag verteilt getrunken, wirkt es wie eine sanfte Reinigungskur. Und es ist simpel.

Das ist dem Koch sehr wichtig: einfache Änderungen der Lebensweise. „Die Leute denken, Ayurveda ist was Spezielles, Exotisches. Es sind aber nur ganz kleine Stellschrauben, an denen man dreht, denn es geht um das Verständnis, dass man weiß, warum man was tut. Mein Körper hat morgens ein besonderes Bedürfnis, und dann ist es schlauer, darauf zu reagieren in Form von warmem Wasser, warmem Frühstück anstatt von eiskaltem Wasser und kaltem Joghurt.“

Es geht darum herauszufinden, was einem selbst gut tut, welches Essen man verträgt, mehr auf sich und seinen Körper zu hören. Und weniger einem Trend hinterherzurennen, in der Hoffnung, dadurch abzunehmen und leistungsfähiger zu werden.

„Ayurveda ist komplett trendbefreit, es ist im ersten Moment nichts anderes als ein ganzheitliches Lebenssystem, wie man sein Leben führt und betrachtet“, betont Mehl. Viele würden denken, eine Woche Kur im Ayurveda-Hotel, und alles sei wieder in Ordnung: „Man steht mit Ayurveda auf und geht mit Ayurveda ins Bett.“ Wenn man etwas ändern will. Denn Volker Mehl macht klar, dass die Umstellung vor allem an einem selbst hängt, man muss sie schon durchführen. „Es muss vom Kopf in die Füße! Aber was soll ich noch sagen, wenn jemand zu mir kommt und sagt, das mit dem warmen Wasser ist wirklich schwierig. Wenn er es nicht einmal schafft, den Finger auf den Wasserkocher zu legen, dann wird es schwierig mit einer Lebensveränderung.“

Einfache Lebensveränderung, das sei auch der Grund, weshalb er Bücher schreibt. Es geht ihm erst einmal nicht darum zu erklären, was es mit den Doshas auf sich hat, sondern zu verstehen, warum man etwas ändern sollte. „Ayurveda hat durchaus das Potenzial zur Heilung. Viele ernährungsindizierte Krankheiten wie Rheuma, Arthrose oder Diabetes könnten verschwinden. Das Wissen hat man seit Jahrtausenden, es hapert nur bei der Anwendung, denn es ist Arbeit, keine Zaubermedizin“, erklärt er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen