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Lesertelefon : Auch Shisha-Rauch ist ein Giftgemisch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Abschied von der Zigarette: Expertinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantworteten Fragen unserer Leser zum Rauchstopp.

von
erstellt am 12.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Nicht nur die Atemwege werden durch das Rauchen geschädigt. Raucher haben auch ein extrem erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer es schafft, von der Zigarette loszukommen, mindert diese gesundheitlichen Risiken – in jedem Alter. Aber es ist nicht einfach, und es kann immer wieder zu Rückfällen und Demotivierung kommen. Wie man es trotzdem schaffen kann, und wie man sich gründlich auf den Rauchstopp vorbereitet, dazu gab es Auskunft von den Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Gibt es Tage, die sich besonders zum Aufhören eignen?
Sicherlich sind einige Tage günstiger als andere – zum Beispiel solche, an denen man wenig Stress hat und keine allzu schwierigen Verlockungssituationen auf einen warten. Aber so manch einer hat sich auf der Suche nach dem idealen Rauchstopp-Tag auch verzettelt – und immer wieder Gründe gefunden, warum genau dieser Tag nicht geeignet ist. Auch, wenn es den „perfekten Ausstiegstag“ vielleicht nicht gibt: Indem man den Rauchstopp gut vorbereitet, kann man selber dazu beitragen, dass der erste Tag ohne Zigarette möglichst optimal verläuft.

Ich will aufhören, aber es wird mir sehr schwerfallen, zum Kaffee nicht zu rauchen.
Das liegt daran, dass Sie – vermutlich sehr lange – zum Kaffee oft eine Zigarette geraucht haben und dass sich diese Verknüpfung tief in Ihr Gehirn eingegraben hat. Der Kaffee kann dadurch zum Auslösereiz für das Verlangen nach einer Zigarette werden. Es erfordert etwas Zeit, diese gedankliche Verknüpfung von Kaffee und Zigarette zu lösen. Vielleicht können Sie in den ersten Wochen nach dem Ausstieg ein anderes Ritual entwickeln, zum Beispiel, indem Sie in Ruhe einen Tee zubereiten und trinken? Sie können ja schon vorab nach Ihrer Lieblingssorte suchen.

Meine Aufhör-Versuche sind daran gescheitert, dass ich ohne Zigarette unausstehlich wurde. Wie kommt das?
Nach dem Rauchstopp müssen schwierige Situationen ausgehalten bzw. anders bewältigt werden. Das reibt viele Menschen auf. Für die körperliche Komponente ist in erster Linie das Nikotin verantwortlich. Es dockt im Gehirn an spezielle Rezeptoren an und stimuliert so die Freisetzung des Botenstoffs Dopamin. Dadurch entsteht ein Wohlgefühl. Davon will man mehr – also wird weitergeraucht. Das Gehirn gewöhnt sich schnell an den regelmäßigen Konsum, die Rezeptoren werden unempfindlicher. Mehr Nikotin ist nötig, um das gleiche Wohlgefühl zu erzeugen. Außerdem bilden sich neue Rezeptoren. Bekommen die nicht genug Nikotin, kommt es zu Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Bedrücktheit, innerer Unruhe, Angst – eben Ihrer Unleidlichkeit.

Ich habe lange geraucht, will jetzt aufhören, habe aber Angst, dass mich die Entzugssymptome wieder schwach machen. Worauf muss ich mich da einstellen?
Es kann zu starkem Rauchverlangen kommen, zu Nervosität, Aggressivität, Schlafstörungen, gesteigertem Appetit und schlechter Stimmung. Aber manche verspüren fast keine Symptome und manche leiden nur ein paar Tage unter geringen Problemen. Aber Sie können sicher sein, dass die Symptome nach sieben bis zehn Tagen stark abgeschwächt sind und spätestens nach einigen Wochen verschwinden.

Ich habe zweimal versucht, aufzuhören, aber jedes Mal sind meine Gedanken ständig um die Zigarette gekreist. Wie kann ich das vermeiden?
Zunächst einmal sollten Sie wissen, dass Verlangensattacken in der Zeit nach dem Rauchstopp völlig normal sind. Entspannungs- und Meditationsübungen können helfen, sich auf etwas anderes zu konzentrieren – auf die eigene Atmung zum Beispiel – und dadurch zur Ruhe zu kommen. Oder Sie lenken sich ab – am besten mit Tätigkeiten, bei denen Sie unmöglich rauchen können, wie Wasser trinken, Obst essen, Zähne putzen… Sie können sich einen Notfallzettel mit ein paar „Ablenkungsmanövern“ zulegen.

Ich habe aufgehört und fast fünf Kilo zugenommen. Wie kriege ich die wieder herunter?
Verwenden Sie wenig vorgefertigte Kost, wenig Fastfood. Fett und Zucker sollten Sie reduzieren, denn darin stecken die meisten Kalorien. Aber hungern müssen Sie nicht. Essen Sie sich an ballaststoffreichen Lebensmitteln satt, zum Beispiel an Gemüse, Obst oder Vollkornprodukten. Das füllt den Magen. Wenn sie etwas kauen wollen: Karotte, Gurke oder Kohlrabi sind geeignet. Und trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag, vor allem Mineralwasser. Bewegen Sie sich bei jeder Gelegenheit. Nehmen Sie die Treppe und nicht den Fahrstuhl, das Rad und nicht den Bus. Bauen Sie Bewegung in den Alltag ein, wo immer es geht. Jeder Gang macht schlank!

Kommt COPD immer vom Rauchen? Wird man sie wieder los, wenn man aufhört?
COPD steht für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, zu deutsch „Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung“. Etwa 90 Prozent der COPD-Erkrankungen sind auf Tabakkonsum zurückzuführen. Jeder fünfte Raucher erkrankt Schätzungen zufolge an einer COPD. Studien zeigen, dass dabei Frauen offenbar ein höheres Risiko haben. Allerdings profitieren Frauen auch in besonderer Weise, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Ihre Lungenfunktion verbessert sich schneller und nachhaltiger als bei Männern. Geheilt werden kann die Erkrankung zwar nicht, aber ihr Fortschreiten kann verzögert werden.

Stimmt es, dass bei der Entwöhnung auch Nikotin verwendet wird? Wie überwindet man dann die Abhängigkeit?
Sie meinen sicher Nikotinersatzpräparate. Diese können gegen die körperliche Abhängigkeit helfen. Mit Sprays, Inhalatoren, Kaugummis und Lutschtabletten wird Nikotin über die Mund- oder Nasenschleimhaut, mit Pflastern über die Haut aufgenommen. So kann das Nikotin zwar ins Blut gelangen – aber viel langsamer als beim Rauchen und ohne die anderen schädlichen Stoffe. Durch eine schrittweise Verminderung der Nikotin-Dosis „schleicht“ man die körperliche Abhängigkeit aus. Die Überwindung der psychischen Abhängigkeit ist hingegen ein längerer Prozess. Es muss eingeübt werden, die Situationen, die früher automatisch mit einer Zigarette verknüpft waren, ohne Zigarette zu bewältigen.

Eine junge Kollegin ist schwanger, raucht aber noch ab und zu. Das sollte sie doch aber nicht tun, oder?
Nein, denn durch den Rauch gelangen giftige Substanzen wie Nikotin und Kohlenmonoxid in den Blutkreislauf des Kindes. Seine Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen wird beeinträchtigt. Kinder von Raucherinnen wiegen bei Geburt etwa 200 bis 300 Gramm weniger, sind kleiner und ihr Kopfumfang ist geringer. Sie haben eine verringerte Lungenleistung und ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen wie Gaumenspalten. Außerdem steigert Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten und für den plötzlichen Kindstod.

In meiner Schule rauchen viele Schüler Shisha, weil sie meinen, das sei nicht gesundheitsschädlich. Was sagen Sie?
Tabakrauch ist ein Giftgemisch – auch der einer Wasserpfeife. Der Tabak in der Wasserpfeife wird bei niedrigen Temperaturen verschwelt. Dabei entstehen Gifte wie Acetaldehyd, Acrolein oder Benzol in hohen Konzentrationen. Aus dem zugesetzten Zucker und Sirup entstehen beim Verschwelen krebserzeugende und schleimhautreizende Stoffe. Zum Teil sind die Schadstoffmengen größer als bei filterlosen Zigaretten. Und durch das lange Rauchen einer Shisha wird mehr Nikotin aufgenommen als bei einer Zigarette.

Mein Sohn geht in die 7. Klasse und raucht heimlich. Ich finde das nicht gut, aber was mache ich am besten?
Suchen Sie eine Situation, in der Sie mit Ihrem Sohn in aller Ruhe reden können. Wenn Sie das Rauchen ansprechen, könnte es aber sein, dass er zunächst wenig Gesprächsbereitschaft zeigt. Jugendliche wollen nicht belehrt werden. Sie sind jedoch meist aufgeschlossener gegenüber sachlichen Informationen, aus denen sie selbst ihre Schlüsse ziehen können. Bieten Sie Ihrem Sohn „Fakten“ an, mit denen er sich auseinandersetzen kann. Das wäre zum Beispiel eine Tabelle mit den schädlichen Stoffen, die im Tabakrauch enthalten sind, wie Formaldehyd, Benzol, Nitrosamine und Blausäure. Material extra für Jugendliche finden Sie unter www.rauch-frei.info im Internet.

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