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Lesertelefon : Auch Ältere können Organe spenden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie alt darf ein Spender sein und wie wird der Hirntod festgestellt? Diese und andere Fragen beantworteten gestern zwei Expertinnen an den Lesertelefonen.

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen steht dem Thema Organspende generell positiv gegenüber. Doch nur ein Bruchteil der Befürworter regelt das für sich mit dem entsprechenden Eintrag in den Organspendeausweis. Oftmals fehlt es an Informationen, um die Entscheidung zu erleichtern. Brigitte Lenzky-Roth und Tanja Rögner vom Info-Telefon der Deutschen Stiftung für Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beantworteten dazu Leserfragen.

Muss mein Hausarzt irgendetwas ausfüllen, wenn ich Organspender werden will? Wie kommt man an den Ausweis?

Ob Sie Organspender werden wollen oder nicht – das ist Ihre ganz persönliche Entscheidung. Ihr Hausarzt hat damit nichts zu tun. Nach dem entsprechenden Organspendeausweis können Sie bei Ihrer Krankenkasse, in der Apotheke fragen oder Sie bestellen ihn über das gebührenfreie Infotelefon Organspende unter 0800/90 40 400. Dort erhalten Sie auch weitere Informationen zum Thema.

Meine Schwester hat mir gesagt, dass mein Organspendeausweis nichts mehr nützt, weil ich schon 72 bin. Ist das so?

Nein. Der älteste Organspender war 98 Jahre alt. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann immer erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden. Alter ist auf jeden Fall kein Hinderungsgrund für die Bereitschaft zur Organspende. Behalten Sie Ihren Ausweis.
 

So läuft eine Organspende ab


Nach einem schweren Unfall mit Schädelhirntrauma nehme ich ziemlich starke Medikamente. Komme ich da als Spenderin überhaupt noch infrage?
Das ist nicht unbedingt ausgeschlossen. Bei allen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organ- und Gewebespende infrage kommt. Nach einer ausgeheilten Krebserkrankung beispielsweise ist eine Organspende beispielsweise fünf Jahre nach Diagnosestellung prinzipiell möglich.

Angenommen, ich habe als potenzieller Organspender einen lebensbedrohlichen Unfall, wird dann von Seiten der Ärzte auch wirklich noch alles getan, um mich zu retten?
Da können Sie sicher sein. Das Ziel aller medizinischen Maßnahmen ist es, das Leben des Patienten zu retten. Dafür wird alles getan. Kommt aber ärztliche Hilfe zu spät oder sind die Unfallfolgen zu weit fortgeschritten, kann der Patient mitunter nicht mehr gerettet werden. Wurde im Krankenhaus der Tod durch vollständiges irreversibles Hirnversagen (Hirntod) festgestellt, können Kreislauf und Atmung aber künstlich durch Beatmung und Medikamente aufrecht erhalten werden. Dann erst stellt sich die Frage einer Organspende.

Ich bin gerade 16 geworden und habe mir aus der Apotheke einen Organspendeausweis mitgebracht. Muss meine Mutter ihr Okay geben, wenn ich darauf „ja“ ankreuze?
Nein, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr ohne Einwilligung der Eltern erklären.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, welche Organe für eine Transplantation genutzt werden können. Was kommt überhaupt infrage?
Nach dem Hirntod können folgende Organe und Gewebe entnommen und übertragen werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Mich beschäftigt der Gedanke, dass man nach der Organentnahme möglicherweise entstellt aussieht. Kann man dann noch aufgebahrt werden?
Es spricht nichts dagegen. Denn der Leichnam wird durch eine Organ- und Gewebespende nicht entstellt. Das Transplantationsteam geht zu jedem Zeitpunkt respektvoll mit dem Körper des Toten um. Die Entnahme findet in einem normalen Operationssaal statt und die Ärzte verschließen die operativen Einschnitte nach der Entnahme wieder, um den Körper zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben.

Werden Ärzte zur Rechenschaft gezogen, wenn ihnen Manipulation bei der Organvergabe nachgewiesen wird?

Ja, Manipulationen, die eine erhöhte Dringlichkeit für eine Transplantation vorgeben, können unter Strafe gestellt werden. Besondere Bedeutung kommt dabei der Ermittlung verschiedener Laborwerte der Patienten zu. Denn sie entscheidet über die Aufnahme und Platzierung auf der Warteliste. Um die Transparenz bei der Übermittlung der Laborwerte sicherzustellen, werden diese Untersuchungen im 6-Augen-Prinzip durchgeführt und erfasst.

Was hat es mit dem geplanten Transplantationsregister auf sich? Heißt das, dass dann registriert wird, ob man sich zu einer Organspende bereit erklärt?
Nein, nur im Fall einer tatsächlichen Organentnahme werden die medizinisch relevanten Daten des Spenders streng verschlüsselt und ohne Angabe jeglicher Identifikationsmerkmale – wie Name und Adresse – an das Register übermittelt. Dort verknüpft man sie mit den medizinisch relevanten Daten des Organempfängers. Damit sollen langfristig bessere Erkenntnisse für die Nachsorge von transplantierten Menschen erhalten werden.

Ist es richtig, dass man als Inhaber eines Organspendeausweises den Angehörigen im Fall eines Hirntodes die Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme erspart?
Wenn Sie Ihren Wunsch, Organspender werden zu wollen, entsprechend dokumentiert haben, müssen Ihre Angehörigen nicht um eine Entscheidung gebeten werden. Denn dann hat in jedem Fall der Wille des Verstorbenen Vorrang. Die Organentnahme ist dann rechtlich zulässig. Die Angehörigen werden jedoch darüber informiert.

Wird von sehr alten Menschen noch ein Herz transplantiert?
Ist der Spender zum Zeitpunkt seines Hirntodes 65 Jahre oder älter sind, wird in der Regel das Herz nicht mehr entnommen. Anders sieht es zum Beispiel mit den Nieren und der Leber aus. Diese Organe sind Filterorgane und können sich immer wieder regenerieren. Sie werden dann vor allem älteren Patienten transplantiert, und es bestehen gute Aussichten, dass sie noch lange problemlos arbeiten.

Woher weiß man, ob jemand, der für hirntot gehalten wird, nicht nur in einem tiefen Koma liegt?
Als „tiefes Koma“ bezeichnet man einen Zustand von Bewusstlosigkeit, aus dem der Betroffene nicht erweckbar ist. Auf äußere Reize folgen allenfalls automatische Reflexe. Ein Wiedererwachen aus dem Koma ist möglich. Die Hirnfunktionen sind dabei teilweise erhalten und nachweisbar. Der Hirntod hingegen ist der komplette Ausfall aller Funktionen des Gehirns. Und das wird anhand klinischer Test geprüft.

Kann ich auch in einer Patientenverfügung meine Entscheidung für eine Organ- und Gewebespende festhalten? Oder muss ich unbedingt einen Spenderausweis haben?
Sie können Ihre Patientenverfügung nutzen, um Ihren Willen als Organspender zu dokumentieren. Dann sollten Sie folgende Formulierung wählen: „Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu. Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor.“ Es kann aber dennoch sinnvoll sein, den Ausweis zu nutzen, weil er im Fall des Falles eventuell schneller greifbar ist.

Was geschieht, wenn mein Organspendeausweis nicht vorliegt, wenn ich am Hirntod verstorben bin?
Wer sich mit einem Organspendeausweis für eine Entnahme entscheidet, sollte diese Entscheidung auch seiner Familie mitteilen. Die kann dann, falls Ihr Dokument nicht auffindbar ist, in Ihrem Sinne entscheiden.








 

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