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Lesertelefon: Trinkverhalten : Ab wann schadet Alkohol?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gaben gestern Auskunft an unserem Lesertelefon

von
erstellt am 25.Feb.2015 | 07:45 Uhr

Abends trinke ich immer drei, vier Bier. Bin ich schon abhängig?
Ob eine Abhängigkeit vorliegt können Sie prüfen, indem Sie versuchen, ein paar Wochen völlig auf den Alkohol zu verzichten. Ein Kriterium für eine Abhängigkeit ist auch, wenn Sie den Alkohol brauchen, zum Beispiel um sich zu entspannen oder um einzuschlafen oder um Hemmungen zu überwinden. Die Trinkmenge an sich ist nicht das Kriterium für eine Abhängigkeit. Aber Fakt ist, dass Sie mit drei, vier Bier pro Tag deutlich über der als unbedenklich eingestuften Menge liegen.

Wie viel kann man denn trinken, ohne der Gesundheit zu schaden?
Als Faustregel gilt: Gesundheitsbewusste Männer sollten nicht mehr als zwei Gläser, Frauen nicht mehr als ein Glas Alkohol pro Tag trinken. Dabei geht man davon aus, dass ein Bierglas 0,25 Liter fasst, ein Weinglas 0,125 Liter und ein Schnapsglas 0,04 Liter. In jedem dieser Gläser stecken etwa 10 Gramm reiner Alkohol. Zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein.

Ich bin schon über 70. Zum Fernsehen abends trinke ich immer ein bis zwei Bier. Muss ich das der Gesundheit zuliebe reduzieren?
Nein, mit zwei kleinen Bieren sind Sie noch im Normbereich. Wenn Sie großen Wert auf eine gesunde Lebensweise legen, können Sie versuchen, an zwei Tagen in der Woche keinen Alkohol zu trinken, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Falls Sie aber Medikamente nehmen, dann klären Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Apotheker, ob das Bier am Abend in Ordnung ist.

Ohne Alkohol komme ich nicht in den Schlaf. Ich zittere richtig. Wenn ich was trinke, kann ich einschlafen, werde aber nach zwei Stunden wieder wach. Ich befürchte, dass ich abhängig bin und will da wieder raus. Habe schon selbst versucht, weniger zu trinken, leider erfolglos. Wie komme ich weg vom Alkohol?
Machen Sie Nägel mit Köpfen, organisieren Sie einen Entzug und danach eine Therapie. Einen anderen Weg sehe ich nicht. Für den Entzug brauchen Sie eine Einweisung in ein Krankenhaus. Die kann Ihnen Ihr Hausarzt ausstellen. Spielen Sie ihm gegenüber mit offenen Karten. Schildern Sie Ihre Situation, ohne etwas zu beschönigen. Die Entgiftung dauert etwa sieben bis zehn Tage. Danach sollte unbedingt eine Therapie beginnen. Für eine ambulante Therapie sollten Sie sich schon vor der Einweisung ins Krankenhaus einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle in Ihrer Nähe holen.

Ich scheue mich davor, einem Arzt von meinem Alkoholproblem zu berichten. Kommt man auch anders zu einer Einweisung ins Krankenhaus?
Um einen Arztbesuch kommen Sie nicht herum. Denken Sie daran, dass jeder Arzt der Schweigepflicht unterliegt und dass Sie bestimmt nicht der erste mit einem Alkoholproblem sind. Es ist nur ein Formular, das ausgefüllt werden muss …

Könnte man die Entgiftung nicht auch selbst schaffen?
Dazu würde ich keinesfalls raten. Es geht ja um Ihre Gesundheit. Und keiner weiß, wie der Körper reagiert, wenn der gewohnte Alkohol ausbleibt. Der Entzug ist für Sie unter ärztlicher Aufsicht viel sicherer.

Seit Jahren trinkt mein Mann. Er lässt trotz vieler Bitten meinerseits nicht davon ab. Wie kann er es schaffen, vom Alkohol los zu kommen?
Wirklich helfen kann nur eine spezielle Therapie. Wenn Ihr Mann etwas ändern will, können Sie ihm helfen, eine Suchtberatungsstelle zu finden. Wenn nicht, können Sie sich selbst Hilfe bei einer Beratungsstelle suchen. Auf jeden Fall sollten Sie Ihr eigenes Leben mit eigenem Freundeskreis und eigenen Hobbys leben, damit Sie sich mit der Situation nicht zu sehr belasten.

Meine Frau trinkt immer mehr – inzwischen ist es eine Flasche Sekt am Abend. Sie meint, sie hätte das alles im Griff und könnte auch gut ohne Alkohol auskommen. Das glaube ich aber nicht …
Sagen Sie Ihrer Frau ganz sachlich, was Sie beobachten und dass Sie sich um ihre Gesundheit Sorgen machen. Wenn sie meint, alles im Griff zu haben, kann sie das beweisen, indem sie wirklich ein paar alkoholfreie Wochen einlegt. Schafft sie es nicht, kann sie sich in einer Suchtberatungsstelle helfen lassen. Das muss sie aber wollen. Eine Datei der Beratungsstellen, geordnet nach Postleitzahlen, finden Sie im Internet unter www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme.

Wenn ich jetzt mit meiner Frau nicht weiterkomme, gibt es dann vor Ort eventuell Gesprächskreise oder Beratungsstellen, wo ich mich hinwenden kann?
Sie können im örtlichen Telefonbuch oder im Internet nach Suchtberatungsstellen schauen. Dort werden in der Regel auch Angehörige beraten. Im Internet finden Sie zum Beispiel unter www.dajeb.de entsprechende Beratungsstellen in Wohnortnähe.


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