Neue Methode gegen Krebs : Stuttgarter Ärzte zerstören bösartigen Tumor erstmals mit Licht

Stuttgarter Ärzte mit Schutzbrillen: Durch die photodynamische Therapie gelingt es ihnen, einer Patientin einen bösartigen Tumor in der Galle zu entfernen. Foto: Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgarter Ärzte mit Schutzbrillen: Durch die photodynamische Therapie gelingt es ihnen, einer Patientin einen bösartigen Tumor in der Galle zu entfernen. Foto: Robert-Bosch-Krankenhaus

Einer 73-Jährigen ist erfolgreich ein Tumor in der Galle entfernt worden – durch eine völlig neue Lichttherapie.

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18. September 2018, 05:48 Uhr

Stuttgart | Die neue Behandlungsmethode gegen Krebs soll schonender als eine Chemotherapie sein. Am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus gelang es Ärzten erstmals, bei einer älteren Patientin einen bösartigen Tumor in der Galle mittels Licht zu entfernen. Das berichtete das Krankenhaus am Montag in einer Pressemitteilung.

Die 73-Jährige war mit Verdacht auf Gallensteine in die Klinik gekommen. Wie sich dort herausstellte, litt sie jedoch an einem bösartigen Tumor im Gallengang, der so groß war, dass er bereits den ungestörten Fluss der Galle behinderte. Der Tumor hatte sich bereits weit in beide Seiten der Leber ausgebreitet – zu weit, um ihn chirurgisch entfernen zu können. Für eine Chemotherapie war die Patientin zu schwach. Somit entschieden sich die Ärzte für die sogenannte photodynamische Therapie – offenbar mit Erfolg.

"Schonender als eine Chemotherapie"

Die Ärzte führten der Patientin intravenös ein Medikament zu. Laut Chefarzt Jörg G. Albert sei die Substanz für sich eigentlich wirkungslos, sie lasse die Zellen im Körper allerdings extrem lichtempfindlich werden. Dadurch könne ins Innere des Körpers kein Licht mehr eindringen. So ließen sich die kranken Zellen im Gallengang zielgenau mit Laserlicht bestrahlen. Wie bei einem Sonnenbrand zerstöre das Licht das kranke Gewebe. Die Tumorzellen würden verbrennen und absterben. Dies sei "deutlich schonender als eine Chemotherapie, die immer auch gesunde Zellen zerstört“, heißt es von Professor Albert in der Pressemitteilung.

Hintergrund: Die Galle

Galle ist eine zähe Körperflüssigkeit, die in der Leber produziert, in der Gallenblase zwischengespeichert und zu den Mahlzeiten in den Zwölffinger-Darm ausgeschüttet wird. Auf ihrem Weg durchläuft sie ein Gangsystem, das man in seiner Gesamtheit als Gallenwege bezeichnet. Das funktionierende Zusammenspiel ist die Voraussetzung für eine reibungslose Verdauung. (aus der Pressemitteilung des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses)

 

Die Behandlungsform ist in Deutschland erst seit kurzem zugelassen. Bei einem Tumor im Gallengang seien die Heilungschancen demnach nur begrenzt, weil die Erkrankung im Anfangsstadium keinerlei Schmerzen oder Beschwerden hervorrufe. Durch die neue Therapieform könne die Lebensqualität der Patienten jedoch erhalten und sogar verbessert werden.

So war es auch im Falle der 73-Jährigen. Nach rund anderthalb Stunden hatte sie laut Krankenhaus die Behandlung überstanden. Zwei Wochen lang habe sie noch in einem abgedunkelten Zimmer verbringen müssen, um sich vor der Sonne zu schützen. Durch die Bestrahlung waren auch ihre Hautzellen sehr lichtempfindlich geworden und wären bei Sonneneinstrahlung sofort verbrannt. Jedoch habe ihr die Therapie keinerlei Schmerzen verursacht und sie konnte schon bald wieder aufstehen und das Wichtigste: die Galle konnte wieder ungehindert fließen.

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