Partnerschaft : Langzeitstudie beweist: Wer zusammenzieht, nimmt zu

Ziehen Paare zusammen, ändert sich meist auch ihr Essverhalten. Foto: Colourbox
Ziehen Paare zusammen, ändert sich meist auch ihr Essverhalten. Foto: Colourbox

Jetzt kommt's dicke: Wer zusammenzieht, legt an Gewicht zu. Auch Scheidungen haben Einfluss auf die Waage.

svz.de von
09. Oktober 2018, 10:23 Uhr

Berlin | Egal, ob verheiratet oder nicht: Paare haben ein höheres Körpergewicht als Singles. Eine Langzeitstudie hat jetzt jedoch herausgefunden, dass es nicht die Ehe ist, die die Pfunde auf der Waage steigen lässt, sondern das erste Zusammenziehen. Für die Ergebnisse haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, der Universität Mannheim, der Universität Leipzig und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung über einen Zeitraum von 16 Jahren Daten von über 20 000 Menschen ausgewertet.

Mit der ersten gemeinsamen Wohnung steigt das Gewicht

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Paare nach dem Zusammenziehen etwa doppelt so viel zunehmen, wie Paare in den ersten vier Ehejahren. Auch wenn wichtige Einflüsse wie Alter, Kinderkriegen, Sport, Rauchen, Gesundheitszustand oder Stress herausgerechnet werden, bleibt dieser Effekt bestehen. „Das heißt, dass diese Gewichtszunahme vor allem mit der Beziehungsveränderung zusammenhängt. Denn eine Änderung des Beziehungsstatus bedeutet oft auch eine Änderung der alltäglichen Essgewohnheiten – zum Beispiel gemeinsames Frühstücken, das allein vielleicht nicht stattgefunden hätte oder bescheidener ausgefallen wäre. In Gesellschaft isst man in der Regel mehr und nimmt somit mehr Kalorien zu sich“, sagt Ralph Hertwig, Co-Autor der Studie und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.


Nach der Trennung purzeln die Pfunde

Die Studie zeigt auch, dass eine Trennung wieder zur Gewichtsabnahme führt. Der Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße setzt, sinkt bei Frauen und Männern wieder weitestgehend auf den Wert vor dem Zusammenziehen. Interessanterweise nehmen beide Geschlechter aber bei Scheidungen, die auf Trennungen folgen, am meisten zu. Eine mögliche Erklärung der Wissenschaftler dazu ist, dass viele Menschen – vor allem Männer – bei der Scheidung bereits wieder in einer neuen Beziehung sind.

Beziehungsstatus hat hohen Einfluss

„Mit Blick auf die Gewichtszunahme sind Zusammenziehen und Scheidung wichtige Zeitfenster für Prävention. Bisher wurden soziale Einflüsse – zu denen auch Beziehungsveränderungen zählen – in der Entstehung von Übergewicht kaum beachtet. Stattdessen wurden vor allem individuelle Faktoren wie Wissen oder Willensstärke diskutiert. Dabei zeigen unsere Ergebnisse, dass ein unverheirateter Mann, der vor dem Zusammenziehen leicht übergewichtig ist, im Durchschnitt etwa 7,5 Kilogramm zunimmt, nachdem er je mindestens vier Jahren ohne Trauschein zusammengelebt hat, verheiratet, getrennt und geschieden war. Dadurch erhöht er sein allgemeines Sterblichkeitsrisiko um bis zu 13 Prozent“, sagt Jutta Mata, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim und assoziierte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Alle Ergebnisse der Originalstudie können Sie hier (kostenpflichtig) nachlesen.

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