Zahlen des Arbeitsministeriums : Psychische Leiden treiben Zehntausende in die Frührente

Zehntausende gehen wegen psychischer Probleme in Frührente. Symbolfoto
Zehntausende gehen wegen psychischer Probleme in Frührente. Symbolfoto

Zehntausende Menschen gehen wegen psychischer Störungen in Frührente. In vielen Fällen sind Depressionen der Grund.

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08. September 2019, 14:36 Uhr

Berlin | Psychische Störungen führen häufig zum Bezug von Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt.

Depressionen besonders häufig Grund für Frührente

Demnach waren im vergangenen Jahr 71.319 Fälle, in denen erstmals eine Erwerbsminderungsrente gezahlt wurde, auf psychische Störungen zurückzuführen. Das entspricht im bundesweiten Schnitt einem Anteil 42,9 Prozent. Laut Bundesarbeitsministerium führten im vergangenen Jahr besonders häufig Depressionen zur erstmaligen Zahlung einer Erwerbsminderungsrente. Den Angaben zufolge ging es dabei in 21.455 Fällen um mehr oder weniger dauerhafte Depressionen, in 9.623 Fällen um eine vorübergehende Erkrankung. In 6.206 Fällen führten im vergangenen Jahr psychosomatische Störungen zu einer neuen Erwerbsminderungsrente.

Insgesamt 1,8 Millionen Frührentner

Insgesamt gab es in Deutschland 2018 rund 1,8 Millionen Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Als volle Erwerbsminderung gilt, wenn das Leistungsvermögen des Betroffenen weniger als drei Stunden Arbeit pro Tag beträgt. "Trotz des Hereinwachsens der geburtenstarken Jahrgänge ins Hauptrisikoalter für Erwerbsminderung ist die Zahl der Neufälle rückläufig", so das Arbeitsministerium.

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Psychische Erkranken werden häufiger diagnostiziert

Psychische Störungen seien seit Jahren "führende Bewilligungsdiagnosen" für eine Erwerbsminderungsrente. Die Bundesregierung verweist allerdings auf Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts, wonach psychische Erkrankungen nicht häufiger geworden seien. Jedoch hätten die diagnostizierten und behandelten Fälle sei Jahren kontinuierlich zugenommen. Es gebe auch ein verändertes "Hilfesucheverhalten". Ärztliche und psychotherapeutische Leistungsangebote würden frühzeitiger in Anspruch genommen.

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