"Social Distancing" : Corona-Krise: Darf man noch spazieren gehen – und wenn ja, wie?

In Berlin hat jemand einer Skulptur einen Mundschutz verpasst. Welche Maßnahmen müssen Menschen ergreifen?
In Berlin hat jemand einer Skulptur einen Mundschutz verpasst. Welche Maßnahmen müssen Menschen ergreifen?

Um das Coronavirus einzudämmen, sollen Menschen ihr Verhalten anpassen. Was man darf – und was man lassen sollte.

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17. März 2020, 17:12 Uhr

Berlin/Köln | Der derzeit wichtigste Tipp, den jeder Einzelne im Kampf gegen das Coronavirus befolgen sollte, lautet: Zu Hause bleiben, soweit es geht. Die Idee dahinter: Je weniger Kontakt Menschen zueinander haben, desto geringer ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2. Vor allem größere Menschenansammlungen sind deshalb tabu. Auch allzu enge persönliche Kontakte können aber zum Problem werden.

Corona: Aktuelle Entwicklungen in unserem Live-Ticker

Die wichtigsten Regeln zum "Social Distancing" von Robert-Koch-Institut (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Überblick:

Kontakte reduzieren: Arbeit, Freizeit, Mobilität

Auch ohne strikte Isolation oder Quarantäne gibt es genug Möglichkeiten, den Kontakt mir anderen auf ein Minimum zurückzufahren. Wer kann und darf, arbeitet im Homeoffice. Verabredungen mit Freunden, Verwandten und Bekannten sollte man absagen, große Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern möglichst verschieben. Und das eigene Auto und Fahrrad sind aktuell bessere Fortbewegungsmittel als Bus und Bahn.

Abstand halten: Mehr als eine Armlänge

Ganz lässt sich der Kontakt mit anderen Menschen sicher nicht vermeiden - sei es aus beruflichen oder aus privaten Gründen. Das RKI rät aber, diesen auf wenige und bekannte Personen zu beschränken - sodass sich Infektionen im Zweifel nachverfolgen lassen. Dabei gelten zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen: Also mindestens ein, besser zwei Meter Abstand halten und auf alle Begrüßungsrituale wie Händeschütteln und Umarmungen verzichten. Und natürlich gilt immer: konsequent Hände waschen!


Rausgehen reduzieren: Und wenn, dann gegen den Strom

Wer es kann, geht nicht zu Stoßzeiten einkaufen, sondern genau dann, wenn Supermärkte oder Apotheken eher leer sind. Von Besuchen in Restaurants und Cafés rät die BZgA generell ab. Vermehrt sind solche Orte ohnehin geschlossen. Gleiches gilt für alle öffentlichen Orte mit Menschenansammlungen, vom Sport- oder Spielplatz bis zum Einkaufszentrum.

An frischer Luft bewegen: Wichtig, aber mit Augenmaß

Sonnenlicht und Sauerstoff sind weiter wichtig. Schließlich profitieren davon die physische und die ebenfalls nicht unwichtige psychische Gesundheit. Der Virologe Christian Drosten rät daher, weiter ins Freie zu gehen – nur eben mit Vorsicht: "Es ist nicht so, dass man sich beim Spazierengehen, wenn man sich begegnet, infiziert", sagte er am Freitag (13. März) in seinem NDR-Podcast. Allerdings gilt auch und gerade hier: Abstand ist wichtig. Wer laufen will, macht das also am besten allein – und nicht mit seiner Laufgruppe. Und wer in der Sonne seine Zeitung lesen will, sucht sich dafür am besten eine einsame Parkbank.

Bewegung an der frischen Luft ist trotz Corona möglich – aber am besten nicht in Gruppen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
dpa/Sebastian Gollnow
Bewegung an der frischen Luft ist trotz Corona möglich – aber am besten nicht in Gruppen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow


Kinder betreuen: Separat statt in Gruppen

Kitas und Schulen zu, Mama und Papa im Homeoffice. Da liegt der Gedanke nahe, die Kinder gemeinsam zu betreuen und so wenigstens einen Teil der Eltern in Ruhe arbeiten zu lassen. Doch davon rät die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) ausdrücklich ab – vor allem, wenn die Betreuungsgruppe sich in ständig wechselnder Besetzung trifft. Wenn überhaupt, sollten die Privat-Kitas aus sehr wenigen und immer den gleichen Kindern und Eltern bestehen. Weil das Coronavirus für ältere Leute besonders gefährlich ist, sollten die Großeltern derzeit keinen engen Kontakt zu den Kindern haben.

Passend dazu: Wie man Großeltern die Trennung von den Enkeln erklärt

Gefährdete unterstützen: Hilfe mit Augenmaß

Menschliche Kontakte meiden - das gilt umso mehr für Menschen, die zu den Risikogruppen gehören, also vor allem für Ältere und chronisch Kranke. Gleichzeitig sind diese in ihrer Bewegungsfreiheit am meisten eingeschränkt. Wer kann, sollte ihnen daher seine Hilfe anbieten, für Einkäufe etwa.

Wichtig sei dabei, dass Helfer und Risikopatient keinen direkten Kontakt haben, so Prof. John Ziebuhr, Leiter des Instituts für Medizinische Virologie der Universität Giessen. Am besten organisiert man den Einkauf daher per Telefon und stellt die Tüten einfach vor die Tür. Eine Ansteckung auf diesem Weg – also über das Geld oder den Henkel einer Tasche – sei eher unwahrscheinlich.

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