Liebesgeschichten : Wie liebt die Welt?

Die Erkenntnis  der Weltenbummlerin: „Die Liebe gibt es natürlich überall. “
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Die Erkenntnis der Weltenbummlerin: „Die Liebe gibt es natürlich überall. “

Studentin auf Reisen sucht Liebesgeschichten – die Erkenntnis: Von anderen Kulturen können wir da noch viel lernen.

svz.de von
16. März 2014, 21:30 Uhr

Was finden Chinesen romantisch? Wie leben Paare in einer arrangierten Ehe? Und was macht ein Buddhist, wenn er verliebt ist? Auf der Suche nach Liebesgeschichten ist Jungautorin Wlada Kolosowa um die Welt gereist – und hat das Buch „Lovetrotter“ (Kailash) geschrieben. Fünf Monate lang besuchte die 27-Jährige fünf Kontinente und insgesamt neun Länder.

Ihre Erkenntnis: „Die Liebe gibt es natürlich überall. Der Unterschied liegt darin, wie man damit umgeht.“ Anders als in Deutschland bedeuten Schmetterlinge im Bauch andernorts nämlich nicht automatisch, dass man den anderen umgarnt: „Es wird es in jedem Land geben, dass man das Lächeln von jemandem besonders schön findet“, sagt Kolosowa. „Aber nicht in jedem Land bedeutet es, dass man dem nachgeben muss.“

In China erzählte ihr eine Frau, dass Liebe eher so etwas wie „Teamarbeit“ sei. „Ich habe auch glückliche Menschen in arrangierten Ehen getroffen“, betont die Autorin. „Viele erwarten von der Liebe auch gar keine Schmetterlinge im Bauch.“ Romantik kann es in so einer Beziehung aber sehr wohl geben – nur anders. „Einmal hat mir eine Frau erzählt, dass ihr Mann sie mit einem Regenschirm von der Bushaltestelle abgeholt hat, weil es geregnet hat“, sagte Kolosowa. „Ich weiß nicht, warum der Regenschirm an der Haltestelle weniger wert sein soll als ein Strauß roter Rosen.“

Egal ob in Ägypten, Kambodscha oder dem Iran – die Studentin stieß auf ihrer Reise überall auf Menschen, die bereit waren, ihr solch persönliche Geschichten zu erzählen. Erleichtert hat ihr dabei, dass sie zum Teil Bekannte oder Verwandte besucht hat oder über Couchsurfing – also vorher vereinbarte Übernachtungen bei Einheimischen – schnell in Kontakt kam.

Nicht überall waren die Menschen aber gleichermaßen offen: „In China bin ich wirklich verzweifelt“, sagt Kolosowa. „Die Leute reden nicht gern darüber und schon gar nicht mit einem Fremden.“ Dabei hat die 27-Jährige Erfahrung darin, Paaren private Geschichten zu entlocken: Für „jetzt.de“ hat sie sich von ihnen erzählen lassen, wann sie sich ineinander verliebt haben.

Über diesen Moment freut man sich allerdings nicht überall so wie hierzulande: In Kambodscha kämpfte ein Mönch verzweifelt gegen seine Liebe zu einer jungen Frau an, der Buddhist fühlte sich sogar regelrecht krank deswegen, wie Kolosowa schreibt. „Auch die Weisesten sind gegen die Verknalltheit, diesen westlichen Virus, nicht immun“, stellt sie fest. „Aus dem zufriedenen Mönch war ein Teenager mit Liebeskummer geworden.“ Am Ende fanden die Liebenden übrigens doch zueinander.

Auf manchen Stationen ihrer Reise hatte es die Autorin allerdings leichter: In Russland traf sich Kolosowa mit ihrer Großmutter und ihrem Cousin, um über Liebe zu reden. In Deutschland nahm sie auch ihre eigene Beziehung als Beispiel und in den USA konnte sie auf Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis zurückgreifen, denn in New York studiert sie kreatives Schreiben.

Von der Idee erinnert das Buch an andere Reisebücher. Der Knaur-Verlag veröffentlichte zuvor etwa „In 80 Frauen um die Welt“ von Thilo Mischke. Der Autor und Journalist versuchte dabei auf einer Weltreise ebensoviele Frauen zu verführen. Die Journalistin Meike Winnemuth wiederum gewann bei Günther Jauch die Millionen – und schrieb über ihre so finanzierte Weltreise das Buch „Das große Los“ (Knaus). „Ich habe das nicht gemacht, weil ich dachte, ich muss die Reise am Ende unbedingt verkaufen“, betont Kolosowa. „ Ich wollte eine Motivation für mich selbst, in Kontakt mit Einheimischen zu treten.“

Was können wir nun von der Liebe in anderen Ländern lernen? Kolosowa: „Ich glaube, ein bisschen Beständigkeit. Dass man sagt: Ich habe jetzt den Menschen und schaue mich nicht permanent nach einem besseren um. Vielleicht auch den Mut, verbindliche Schritte zu machen. Und dass man nicht das eigene Liebesmodell als das absolut Wahre ansieht.“

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