Zwischen Lebenssinn und Trennung : Wie der Kinderwunsch Beziehungen prägt

Wenn nur einer der Partner ein Kind möchte, bedeutet das oft das Beziehungs-Aus.
Wenn nur einer der Partner ein Kind möchte, bedeutet das oft das Beziehungs-Aus.

Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem grundsätzlichen Kinderwunsch kaum – wohl aber im Zeitpunkt

svz.de von
01. September 2018, 16:00 Uhr

Die Mehrheit der unter 30-Jährigen wünscht sich (weitere) Kinder. Doch für gerade einmal 43 Prozent der Menschen in Deutschland gehört ein Kind unbedingt zu einer Beziehung dazu das zeigt die repräsentative ElitePartner-Studie 2018. Gut jeder Fünfte hat sich sogar aktiv für ein Leben ohne Kinder entschieden. Kompromissfähig ist diese Entscheidung offenbar nicht: Ein unterschiedlicher Kinderwunsch führt häufig zu Streit oder sogar zum Beziehungsaus.

Im Rahmen der Studie wurden 5 183 erwachsene deutsche Internetnutzer rund um ihre Einstellung zum Thema Kinderwunsch befragt. Erwartungsgemäß ist der Wunsch nach (weiterem) Nachwuchs im jungen Alter deutlich höher ausgeprägt: 62 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wünschen sich Kinder. Zwischen 30 und 39 Jahren sind es immerhin noch 45 Prozent, mit steigendem Alter nimmt der Wunsch deutlich ab. Allerdings träumen immer noch elf Prozent der Männer in ihren Fünfzigern davon, (erneut) Vater zu werden, bei den über 60-Jährigen Männern sind es neun Prozent.

Männer wollen erst später Vater werden

Im Geschlechtervergleich zeigt sich: Der Kinderwunsch unterscheidet sich zwischen Männern und Frauen insgesamt nur unwesentlich. Allerdings wird eine leichte Verschiebung mit Blick auf das Alter sichtbar; offenbar wünschen sich Männer erst später Nachwuchs.

In ihren Zwanzigern ist der Kinderwunsch bei Frauen stärker ausgeprägt als bei den Männern. 65 Prozent der Frauen unter dreißig wünschen sich Kinder, bei Männern sind es dagegen nur 59 Prozent. In den Dreißigern liegen Frauen und Männer dann nahezu gleichauf (44 beziehungsweise 45 Prozent). Ab dem vierzigsten Geburtstag sind die Männer vorn: 25 Prozent zwischen 40 und 49 Jahren wünschen sich noch Kinder, aber nur 16 Prozent der Frauen.

Der Wunsch nach emotionaler Bindung, Partnerschaft und Nachwuchs ist bei Männern im Vergleich zu Frauen nicht geringer ausgeprägt, so Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner. Doch häufig konzentrieren sich Männer zuerst auf Ausbildung und berufliche Entwicklung, kosten das Ungebundensein aus und sind erst später reif für den Entschluss, die Freiheiten einzutauschen. Da bei Männern keine biologische Uhr tickt, können sie es sich auch leisten, erst später ihren Vatergefühlen verbindlich nachzugehen.

Glückliche Paare, mehr Kinder

Übrigens: Wer zufriedener in seiner Beziehung ist, wünscht sich auch häufiger weitere Kinder (36 Prozent der zufriedenen Paare gegenüber 24 Prozent der unzufriedenen). Am größten ist der Kinderwunsch bei Paaren, die zwischen einem und fünf Jahren zusammen sind.

Ein Leben ohne Stramplerkauf und Hausaufgaben? 39 Prozent könnten sich vorstellen, auch ohne Kind glücklich zu sein und immerhin gut jeder Fünfte hat sich sogar bewusst für ein Leben ohne Kinder entschieden. Auch hier unterscheiden sich Frauen (22 Prozent) und Männer (23 Prozent) nicht. Allerdings fällt auf, dass deutlich mehr Singles als Liierte kinderlos bleiben möchten: Mehr als jeder dritte Single-Mann über dreißig gibt an, bewusst die Entscheidung für ein Leben ohne Kinder getroffen zu haben und ebenso viele Single-Frauen in ihren Vierzigern.

Dass die Entscheidung für oder gegen Kinder selten kompromissfähig ist, zeigen die folgenden Ergebnisse der Studie: Jeder Siebte (14 Prozent) gibt an, sich schon einmal aufgrund eines unterschiedlichen Kinderwunsches mit einem Partner gestritten zu haben. Und fast jeder Zehnte (neun Prozent) hat sogar schon eine Trennung wegen eines unterschiedlichen Kinderwunsches erlebt.

Wunsch nach Nachwuchs ein Beziehungskiller?

Insbesondere Single-Männer in ihren Dreißigern (16 Prozent) und Single-Frauen in ihren Vierzigern (15 Prozent) geben auffällig häufig an, dass der Kinderwunsch schon einmal Grund für das Beziehungsaus war.

Gesellschaftliche Konventionen scheinen den Wunsch nach Familienzuwachs nur noch bedingt zu beeinflussen. Nur noch 43 Prozent der Deutschen finden, dass ein Kind zu einer Beziehung dazugehört.

Vielmehr steht offenbar die Sinnstiftung, die ein Kind mit sich bringt, im Vordergrund: Für fast zwei Drittel steht fest, dass ein Kind dem Leben einen tieferen Sinn gibt (63 Prozent). Das gilt für Männer übrigens genauso wie für Frauen. Dass ein Kind die Beziehung stärkt, indem es ein Paar näher zusammenbringt, glaubt dagegen nicht einmal die Hälfte der Befragten Männer (46 Prozent) etwas mehr als Frauen (39 Prozent). Zudem stimmen zufriedene Paare (47 Prozent) deutlich mehr zu, dass ein Kind die Beziehung stärkt, als unzufriedene (28 Prozent).

Immerhin: Nur 29 Prozent aller Befragten finden, dass ein Baby grundsätzlich eine Zerreißprobe für eine Beziehung darstellt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen