Partnersuche : Warum Singles solo sind

Läuft mir vielleicht noch jemand Besseres über den Weg? Viele Singles hoffen darauf – und tun sich darum schwer, sich langfristig zu binden.
Läuft mir vielleicht noch jemand Besseres über den Weg? Viele Singles hoffen darauf – und tun sich darum schwer, sich langfristig zu binden.

Frauen haben hohe Ansprüche – und Männer möchten sich nicht festlegen.

svz.de von
25. März 2018, 05:00 Uhr

Fast jeder Dritte in Deutschland ist Single. Freiwillig? Nicht unbedingt. Die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2018 zeigt, warum Singles keinen Partner haben. Auch wenn eine knappe Mehrheit angibt, gerne solo zu sein, ist die Angst vor Enttäuschungen weit verbreitet. Vielen Singles fehlen Gelegenheiten, Menschen kennenzulernen, sie stellen die Karriere in den Vordergrund oder finden sich nicht attraktiv genug. Während Männer sich schwer festlegen können, geben Frauen offen zu, dass es auch an ihren hohen Ansprüchen liegt.

Die zehn häufigsten Gründe, warum Singles keinen Partner haben:

  1.  „Ich bin zurzeit gern Single.“ (59 Prozent)
  2.  „Ich habe Angst, (wieder) enttäuscht zu werden.“ (52 Prozent)
  3.  „Ich habe wenig Gelegenheiten, neue Menschen kennenzulernen.“ (49 Prozent)
  4.  „Ich habe sehr hohe Ansprüche und möchte keinen Kompromiss eingehen.“ (45 Prozent)
  5.  „Ich bin eher schüchtern, mir fällt es schwer, auf andere zuzugehen.“ (45 Prozent)
  6.  „Ich fokussiere mich zurzeit auf meinen Job und meine Karriere.“ (36 Prozent)
  7.  „Ich finde mich nicht attraktiv genug.“ (35 Prozent)
  8.  „Ich treffe immer wieder auf Männer/Frauen, die sich nicht festlegen wollen.“ (33 Prozent)
  9.  „Ich verdiene zu wenig Geld, kann einem Partner nicht genug bieten.“ (30 Prozent)
  10.  „Ich kann mich schwer festlegen, weil es vielleicht noch besser passende Partner gibt.“ (23 Prozent)

     

Ehrlich mit sich selbst

Die Daten der Studie zeigen: Singles schieben die Gründe für ihre Partnerlosigkeit nicht auf andere. Als häufigste Ursachen nennen sie die Angst, enttäuscht zu werden, zu hohe Ansprüche und Schüchternheit – Gründe, die vorrangig mit der eigenen Emotionswelt und dem eigenen Verhalten zu tun haben. Erst auf den Plätzen sieben bis neun folgen Aspekte wie Aussehen, Finanzen oder die Bindungsunwilligkeit anderer.

Allerdings gibt auch jeder zweite Single an, schlicht zu wenig Gelegenheiten zu haben, neue Menschen kennenzulernen. Besonders in ihren Dreißigern treffen Alleinstehende selten auf mögliche neue Partner (61 Prozent).

Zweifel an der eigenen Attraktivität

Etwa jeder dritte Single findet sich nicht attraktiv genug und glaubt, deshalb allein zu sein. Und je länger die nächste Beziehung auf sich warten lässt, desto stärker wird dieses Gefühl: 42 Prozent der Singles, die über zehn Jahre allein sind, sehen den Grund in fehlender Attraktivität. Gleichzeitig sind sie auch am häufigsten überzeugt, gerne Single zu sein (75 Prozent).


Kompromisse? Nein danke!

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen sind häufiger aus Angst vor Enttäuschungen allein als Männer (59 vs. 44 Prozent). Darüber hinaus beschreibt sich jede zweite Single-Frau (48 Prozent) als sehr anspruchsvoll und wenig offen für Kompromisse, wenn ein potenzieller Partner nicht ganz den Erwartungen entspricht (Männer: 42 Prozent).


Verunsicherte Männer

Männer dagegen haben andere Unsicherheiten: Jeder zweite Single-Mann (49 Prozent) macht seine Schüchternheit für seinen Solo-Status verantwortlich. (Frauen: 42 Prozent). Und mit 37 Prozent glaubt deutlich über ein Drittel der alleinstehenden Männer, zu wenig Geld zu verdienen (Frauen: 24 Prozent). Darüber hinaus bekennen Männer häufiger, dass sie sich nicht festlegen können: Mehr als jeden vierte Single-Mann verunsichert der Gedanke, dass es noch besser passende Partnerinnen geben könnte (27 Prozent). Unter den Frauen sagt das nur jede fünfte. Männer in ihren Dreißigern scheinen dabei besonders unsicher: Sie haben häufiger als andere Altersgruppen mit Schüchternheit (65 Prozent), der Sorge, nicht attraktiv genug zu sein (39 Prozent) und Angst vor Enttäuschungen (60 Prozent) zu kämpfen.


Junge Leute möchten sich nicht festlegen

Jeder zweite Single unter 30 Jahren begründet den eigenen Single-Status mit hohen Ansprüchen (49 Prozent). Offenbar sind junge Singles wenig bereit, Kompromisse einzugehen. Diplom-Psychologin Lisa Fischbach sagt: „Unter 30-Jährige sind heutzutage häufig von einer ‚Alles ist möglich-Haltung‘ geprägt. Das wirkt sich auch auf die Liebe aus. Wer sich mit wenig Beziehungserfahrung und dem Wunsch einer langfristigen Partnerschaft binden möchte, der sucht oft den idealen Partner für eine perfekte Beziehung. Doch diese Optimierungstendenz führt eher nicht in eine glückliche Beziehung, sondern verhindert diese.“

So sagen dann auch 28 Prozent der Singles unter 30 Jahren, dass sie sich schwer festlegen können – es könnte schließlich noch einen besseren Partner geben. Im mittleren Alter ist dagegen die Angst vor Enttäuschungen besonders groß (30 bis 39 Jahre:63 Prozent, 40 bis 49 Jahre: 60 Prozent). Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Je älter Singles sind, desto häufiger geben sie an, ganz einfach gerne solo zu sein.

Job, Job, Job

Nicht zuletzt wirkt sich auch die Karriere auf das Bindungsverhalten aus. Mehr als jeder dritte Single fokussiert sich zurzeit lieber auf den Job als auf die Liebe (36 Prozent). Erwartungsgemäß spielt die Karriere für Akademiker eine größere Rolle: 41 Prozent sehen darin auch einen Grund für ihren Single-Status (Nicht-Akademiker: 35 Prozent). Akademiker glauben auch weitaus häufiger, dass ihr Bildungsstatus oder ihre Karriere andere einschüchtert (31 Prozent vs. 18 Prozent). Zudem sagen 56 Prozent der alleinstehenden Akademiker, dass sie hohe Ansprüche an einen Partner haben (Nicht-Akademiker: 43 Prozent).

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