Das Gefühl der Einsamkeit : Volkskrankheit Einsamkeit?

Tiefe Beziehungen und ein guter Freundeskreis können Gefühle von Einsamkeit auffangen.
Tiefe Beziehungen und ein guter Freundeskreis können Gefühle von Einsamkeit auffangen.

Jeder zehnte Deutsche ist häufiger allein, als ihm gut tut.

svz.de von
31. März 2018, 16:00 Uhr

Sportvereine, Bekanntenkreis oder Arbeit: Es gibt tausend Möglichkeiten, sich mit Menschen auszutauschen und Zeit zu verbringen. Dennoch schleicht sich bei mehr als jedem zehnten Deutschen (11 Prozent) häufig das Gefühl von Einsamkeit ein. Immerhin knapp jeder Dritte (30 Prozent) fühlt sich zumindest hin und wieder verlassen. Frauen fühlen sich öfter einsam als Männer (Frauen: 45 Prozent; Männer: 36 Prozent).

Alleinstehende leiden dabei besonders unter dem Gefühl, einsam zu sein: Über die Hälfte von ihnen (52 Prozent) fühlt sich hin und wieder oder sogar häufig alleine. Das zeigt eine aktuelle, bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Online-Partnervermittlung Parship unter rund 1100 Bundesbürgern.

Einsam auch mit Partner

Die drei häufigsten Faktoren für das Gefühl von Einsamkeit sind die Entfernung zu Familie und Freunden (22 Prozent), zu wenig Freizeit, zum Beispiel durch Beruf oder Familie (21 Prozent) und zu wenig finanzielle Mittel (22 Prozent). So geben 51 Prozent der Menschen mit einem Nettoeinkommen von unter 1500 Euro an, sich mindestens ab und an isoliert zu fühlen. Bei Deutschen mit einem Nettoeinkommen von über 3800 Euro ist es nur jeder Vierte (25 Prozent).

Singles sehen den Hauptgrund für ihre Einsamkeit darin, dass sie keinen passenden Partner haben (45 Prozent).

Aber immerhin 14 Prozent der Deutschen in Beziehungen fühlen sich verlassen, weil sie sich in einer unglücklichen Partnerschaft befinden. Auch die eigene Schüchternheit steht fast jedem Fünften (17 Prozent) im Weg. Bei den Silver Surfern im Alter von 70 bis 79 Jahren ist auch die schlechte körperliche Verfassung für ein Gefühl der Isolation verantwortlich (19 Prozent).

Überraschend: Mit steigendem Alter sinkt der Grad der Einsamkeit. Während sich ganze 61 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zumindest hin und wieder einsam fühlen, sind es nur 17 Prozent der 70- bis 79-Jährigen. Mit Kindern im Haus ist zwar immer viel los, aber der Nachwuchs hat kaum Einfluss darauf, wie häufig man sich alleine fühlt (einsam mit Kindern: 45 Prozent; einsam ohne Kinder: 39 Prozent).

Jeder Zweite überwindet das Gefühl, alleine zu sein, indem er mit der Familie oder mit Freunden über Telefon oder Internet in Kontakt tritt (49 Prozent) oder sich mit ihnen persönlich trifft (48 Prozent). Wenn Singles sich verlassen fühlen, versuchen sie oft im Internet neue Kontakte zu knüpfen (20 Prozent) oder gönnen sich selbst etwas Gutes wie ein leckeres Essen oder Wellness (48 Prozent).

Aktiv werden

Psychologin Dr. Eva Wlodarek sagt: „Einsamkeit lässt sich umwandeln, indem man sie als Wegweiser benutzt. Sie deutet nämlich daraufhin, dass sich innerlich oder äußerlich etwas verändern muss, etwa, dass wir offener werden oder mehr ausgehen. Wenn uns das gelingt, überwinden wir nicht nur die Einsamkeit, sondern sind als Persönlichkeit sogar an ihr gewachsen. Wichtig ist, dass man nicht darauf wartet, von anderen aus dem isolierten Zustand erlöst zu werden, sondern selbst die Verantwortung übernimmt. Dabei hilft ein konkreter Plan: Zunächst formulieren, was man möchte – etwa eine Beziehung, einen Freundeskreis, Begleitung für ein Hobby – und dann konsequent an der Umsetzung arbeiten, ähnlich wie für ein Projekt im Job. Ein weiterer Tipp: Geben Sie zuerst, was Sie haben möchten, seien es Einladungen oder Zuwendung. Das erhöht die Chance, es auch selbst zu bekommen.“

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