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Liebe, Flirt und Partnerschaft

25. September 2017 | 06:34 Uhr

Nach der Geburt : Papa will kuscheln, Mama ist müde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Geburt eines Kindes muss kein Grund für eine Flaute im Bett sein.

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Das Baby ist da, die Freude riesig, doch plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Der kleine Erdenbürger schreit unentwegt, Zeitmangel und Erschöpfung zehren an den Nerven. „Wenn ein Paar erstmals Nachwuchs bekommt, wird das bisherige Leben total auf den Kopf gestellt. In dieser aufregenden Zeit kann die Erotik schnell auf der Strecke bleiben“, weiß Diplompädagogin Irmgard Hoenck. Sie berät häufig Menschen, bei denen das Sexleben eingeschlafen ist und die daran etwas ändern wollen.

„Oft geben sie als Beginn für die Flaute im Bett die Geburt des ersten Kindes an“, meint die Beraterin. So war es auch bei Melanie und Christoph, die sich nach der Geburt ihres Sohnes Julius, der heute 17 Monate alt ist, schleichend als Paar auseinanderlebten. Beide bedauerten das und suchten Irmgard Hoencks Hilfe.

„Die Zeit nach der Geburt ist eine Revolution“, sagt diese. Beide Eltern seien mit der Versorgung des Babys voll ausgelastet, zudem müssten sie die Aufgabenverteilung untereinander neu regeln und sich in ihre Rollen als Vater und Mutter hineinfinden. Etliche Paare hätten dann irgendwann das Gefühl, nur noch ein gut funktionierendes Elternpaar, aber kein romantisches Liebespaar mehr zu sein.

Das Schlafdefizit sorge meist mit dafür, dass Mama und Papa in freien Minuten lieber Schlaf nachholen, statt miteinander im Austausch zu sein.

„Doch wenn das Gespräch versiegt, wirkt sich das auf die Beziehung aus. Die körperliche Intimität kommt nach der seelischen Intimität, und diese entsteht nun mal durch offene und ehrliche Gespräche. Der Weg ins Schlafzimmer führt durch’s Wohnzimmer“, bringt es Irmgard Hoenck auf den Punkt.

In ihrer Beratungspraxis beobachtete sie, dass Männer unzufrieden damit sind, wenn ihre Partnerin nach der Geburt nur wenig Lust auf prickelnde Momente hat. „Manchmal fühlt sich der Mann ausgeschlossen, weil für die Frau das Kind im Mittelpunkt steht. Mögliche Reaktionen können dann Eifersucht, Frust und emotionaler Rückzug sein“, so die Therapeutin. Dabei gibt es für die weibliche Unlust auch körperliche Gründe. Nach der Geburt ist das Hormon Prolaktin im Körper der Frau erhöht. Es ist für die Milchbildung zuständig und wirkt als Nebeneffekt stark lustmindernd. Durch die enge Verbindung zum Baby und das Stillen ist ebenfalls das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Nähe weitgehend erschöpft.

Außerdem kostet eine Geburt Kraft. Es dauert etwa sechs bis zwölf Monate, bis sich Körper und Psyche vollständig davon erholt haben. In dieser Situation ist es wichtig, dass der Partner keinen Druck ausübt und keine Vorwürfe macht.

„Geben Sie Ihrer Partnerin Zeit. Zeigen Sie ihr, dass Sie für sie da sind. Unterstützen und entlasten Sie sie im Haushalt und bei der Säuglingspflege. Legen Sie Ihren Blick auf die Beziehung und nicht so sehr auf die sexuelle Leistung“, rät Irmgard Hoenck. Ebenfalls seien familiäre Unterstützungssysteme notwendig, damit das Paar regelmäßig Zeit für sich bewahren und ein Liebespaar bleiben kann. Eines möchte Irmgard Hoenck jungen Eltern mit auf den Weg geben: „Scheuen Sie sich bei Partnerschaftsproblemen nicht, in eine Beratungsstelle zu gehen. Manchmal fällt es mit professioneller Unterstützung leichter, ins offene Gespräch miteinander zu kommen“.

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