UMFRAGE : Kirchliche Sexuallehre spielt für Jugend keine Rolle

Die Kirchenlehre hat mit der Lebenswirklichkeit jungen Christen nicht mehr viel gemeinsam.
Die Kirchenlehre hat mit der Lebenswirklichkeit jungen Christen nicht mehr viel gemeinsam.

Sex vor der Ehe und Verhütung gehört für junge Gläubige zur Selbstverständlichkeit

svz.de von
28. Dezember 2013, 10:55 Uhr

Die kirchliche Sexualmoral spielt für neun von zehn katholischen Jugendlichen keine Rolle. Das ergab eine Online-Umfrage des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). An der Befragung beteiligten sich knapp 10 000 Menschen.

Die Umfrage mache deutlich, dass Jugendliche und junge Erwachsenen die kirchliche Meinung zu Ehe und Familie kennten. „Die große Mehrheit (90 Prozent) sieht diese aber kritisch – und befolgt sie deshalb nicht“, erklärte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler. „Es gibt eine riesige Kluft zwischen der Lehre der Kirche und der Alltagswirklichkeit junger Katholiken. Sex vor der Ehe und Verhütung gehören zu ihrem Beziehungsleben selbstverständlich dazu.“ Der BDKJ hatte eine weltweite Vatikan-Umfrage zu Ehe, Familie und Partnerschaft eigens für junge Menschen übersetzt. Die detaillierten Ergebnisse wurden diese Woche der Deutschen Bischofskonferenz übergeben und stehen darüber hinaus im Internet.

Die jungen Katholiken gingen feste Bindungen ein und wollten ihre Partnerschaft ganzheitlich leben, so Tänzler. Heiraten wollten viele später und planten, Kinder erst in der Ehe zu bekommen. „Eine große Rolle spielt dabei die wirtschaftliche Unsicherheit junger Menschen in der Ausbildungsphase.“ Auch die kirchliche Ablehnung von homosexuellen Beziehungen und der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen stoßen bei den Umfrageteilnehmern laut BDKJ auf Unverständnis. Die große Mehrheit wünsche sich neben der Akzeptanz von Homosexualität mehr Vertrauen in persönliche Gewissensentscheidungen und mehr Antworten auf Fragen, die heute bewegten. „Dazu müsste die Kirche zuerst den Menschen zuhören, anstatt immer direkt etwas zu sagen zu haben“, so Tänzler. Laut BDKJ fühlen sich zudem 20 Prozent der Kinder aus Trennungsfamilien in der Kirche diskriminiert. „Diese Zahl ist erschreckend hoch und fordert die Kirche auf, einzuladen statt auszugrenzen“, so Tänzler. Viele Umfrageteilnehmer hätten auch die Befürchtung, dass die Kirche zu Fragen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Nächstenliebe nicht mehr ernst genommen werde, da ihre Lehre zu Ehe, Familie und Sexualität nicht zur Lebensrealität passe.

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