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20 Fragen an Dr. Peter-Michael aus Zislow : In die endlose Weite blicken

vom

Dr. Peter-Michael Diestel, Rechtsanwalt aus Zislow, kann nicht kochen, würde aber gern Klavier spielen, weil das die Frauen mögen. Heute beantwortet er uns die 20 Fragen zum Wochenende.

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2013 | 07:40 Uhr

Zislow/Plau am See | Schon immer wollte Dr. Peter-Michael Diestel Rechtsanwalt werden, denn das bedeutet für ihn Freiheit. Aufgewachsen ist der 60-Jährige auf Rügen, zu Zeiten der DDR. Für 174 Tage war Diestel Innenminister der freigewählten DDR-Regierung, bevor die Wiedervereinigung kam. Gemeinsam mit Wolfgang Schäuble und Edmund Stoiber unterschrieb er am 1. Juni 1990 den Vertrag zum Abriss der innerdeutschen Grenzen, die wohl wichtigste Unterschrift in seinem Leben. In seinem Buch "Aus dem Leben eines Taugenichts?" beschreibt er all diese Dinge. In Zislow, weit ab von der anderen Beölkerung, inmitten der Natur, sammelt Dr. Peter-Michael Diestel Kraft und findet Entspannung, entweder auf dem Wasser oder auf seinem Hochsitz. Jetzt beantwortete der leidenschaftliche Rechtsanwalt SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?

Auf meinem Hochsitz hinterm Haus. So einen hat bestimmt niemand hier in der Gegend.

Wären Sie Bürgermeister, was würden Sie sofort ändern?

Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich eine Festlegung treffen: Kurze Redezeiten, nur konstruktive Beiträge, wer dummes Zeug quatscht, BlaBla, sich aufbaut und sich darstellt, der muss fünf Euro in die Abgeorndetenkasse bezahlen. Das heißt nur konstruktive, kurze Beiträge, die die Gemeinde, die Stadt, die Region interessieren, wichtig sind. Wer darüber hinaus, dummes Zeug quatscht, sinnlose Parteipolitik veranstaltet, muss fünf Euro in die Kasse zahlen. Und dann würde das für mein Dafürhalten auch den Bürgermeisterposten attraktiver machen.

Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen?

Im Wald und auf dem Wasser. Ich habe mir in den Wende-Wirren ein Domizil gesucht, in dem ich abtauchen kann, das gibt mir Rückhalt und Kraft. Ich bin Christ, und sage immer: "Ich bin im Zentrum der Schöpfung". Das empfinde ich so. Mecklenburg-Vorpommern, die mecklenburgische Seenplatte, schöner kann man nicht leben. Wenn man glücklich und zufrieden ist, dann hat man auch die Gabe, diese Schönheit zu erkennen und zu begreifen und für sich auszunutzen.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mein erstes Geld habe ich als 13-Jähriger verdient. Da habe ich einen Schülerausweis gefälscht, in der Leipziger Brauerei, die gibt es heute leider nicht mehr. Und zwar war ich da im Fasskeller und hab da Bierfässer ausgewaschen.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Für meinen allerersten Anzug für meine Konfirmation. Ich bin mit 14 konfirmiert worden, das war damals eine Seltenheit. Ich war der einzige in der Klasse. Damit ich dann nicht so ärmlich dastehe, habe ich in der Brauerei vier Wochen vorher gearbeitet. Hat auch für einen Anzug gereicht.

Was würden Sie gerne können?

Ich würde gerne Klavierspielen können, dann hat man es mit den Frauen einfacher. Frauen mögen Klavierspielen. Das würde ich gerne können, aber ich kann es nicht. Deshalb muss ich das als Wunsch so stehen lassen.

Was stört Sie an anderen?

Dummheit gepaart mit Arroganz. Ich habe über diese Frage lange nachgedacht. Dummheit gepaart mit Arroganz ist eine Kombination, die man häufiger feststellen kann. Das stört mich. Alles andere tolerier ich.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Als ich in der vergangenen Woche planmäßig zum Auftakt der deutschen Bundestagswahl die neuen Stasi-Vorwürfe gegen Gregor Gysi aus der Zeitung entnommen habe. Jedes Jahr nach der Wende, immer vor den Wahlen, wird die Behörde bemüht, egal ob es stimmt oder nicht. Es ist eine Normalität wie der Frühling, Herbst und Winter, so wie die Morgenstimmung uns erreicht. Kurz vor den Wahlen wird Gregor Gysi mit Stasi-Kontakten belastet. Ich glaube, uns würde allen etwas fehlen, wenn das nicht mehr geschieht. Das macht auch deutlich, wie lächerlich diese ganze Geschichte ist, für mich zumindest. Und darüber habe ich am Wochenende herzlich gelacht.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?

Ich mache ständig Unvernünftiges. Sehr viel, was ich mache, ist unvernünftig. Ich hoffe, dass ich die männliche, menschliche Reife nie erreiche. Und das ich mit dem Blödsinn und dem Unvernünftigem irgendwann in die Kiste gelegt werde. Ich lebe unvernünftig, ich schlaf wenig, ich arbeite viel, ich esse unregelmäßig, ich kann nicht kochen. Ich geh viel in Kneipen. Es gibt vieles, was nicht zweckmäßig ist. Aber das ist auch schön. Ich bin froh, dass ich in kein Raster zu pressen bin. Die Unvernunft ist ein ständiger und hartnäckiger Begleiter von mir.

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Da habe ich lange drüber nachgedacht. Das ist für mich der Papst. Vor ein paar Wochen hätte ich noch Stefan Heym gesagt, der es auch ist. Aber der Papst mit seiner Klugheit und seiner gigantischen Wirkung - auch für mich als evangelischen Christen - ist für mich ein großes Vorbild, ein mutiger Mann, der mit Thesen in der Welt auftritt, die man, wenn man nicht drüber nachdenkt, als altmodisch empfindet. Wenn man sich damit aber beschäftigt, und drüber nachdenkt, weiß man, das ist tiefer Humanismus. Klugheit, das dient der Kirche. Also würde ich Kardinal Ratzinger, Papst Benedikt XVI. als meinen Helden betrachten.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Die beiden Bücher "Wege übers Land und durch die Zeiten" von Ursula Karusseit und "Jagen, Sex und Tiere essen - Die Lust am Archaischen" von Florian Asche lese ich parallel.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich gucke kein Fernsehen. Ganz wenig. Ich gucke nur, wenn ich im Fernsehen selbst bin, dann bekomme ich die Mitschnitte von den Fernsehsendern zugeschickt, die gucke ich mir manchmal an.

Wo trifft man Sie eher: Auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?

Ich bin weder auf dem Fußballplatz, noch vor dem Fernseher zu finden. Ich treibe sehr viel Sport. Mache jeden Tag Sport in meinem Kraftraum.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Ratzinger würde ich gerne mal treffen, das ist die logische Konsequenz aus der zehnten Frage. Ich habe ihn in den 90er Jahren als Kardinal kennen gelernt, im Beisein von Helmut Kohl und da fiel er mir schon auf. Den würde ich sehr gerne mal treffen.

Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?

Das, was da ist. Spartanisch und einfach. Aber eine Kerze brennt immer, die habe ich beim Frühstück immer an. Brot habe ich immer da, auch Marmelade oder Butter ist immer da. Sehr spartanisch, aber würdevoll. Eine Serviette ist da, auf meinem alten Küchentisch aus dem Jahr 1680. Es ist dürftig, weil ich nicht koche und auch keine große Neigung habe, mir irgendwas zu kochen. Erstens kann ich es nicht und zweitens ich will es auch nicht. Bügeln, Kochen und Fenster putzen habe ich mir vorgenommen, werde ich nie machen. Dafür kann ich viele andere Sachen. Das ist eben mein Splien.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

"El condor Pasa". Damit verbinde ich die schönste Erinnerung, die ein Mann haben kann. Und das sollten sie auch bleiben (lächelt).

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?

Als ich noch Innenminister war, habe ich von einem berühmten Spion, der für die DDR in der BRD spioniert hat, den höchsten Orden geschenkt bekommen. Für mich ziemlich überraschend und unerwartet, da ich ja aus einem anderen politischen Lager kam, und darüber habe ich mich sehr gefreut, den Karl-Marx-Orden. Ich will den Namen mal nicht nennen, aber es ist für mich eine sehr schöne Erinnerung. Es ist eine Reaktion eines Menschen aus einem eindeutig anderen politischen Lager, der aber meine Persönlichkeit und Leistung akzeptiert hat. Das hat mich ein bisschen stolz gemacht.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Ich habe viele Träume und ich möchte, dass diese Träume auch Träume bleiben. Ich will sie nicht erfüllen, nicht realisieren. Ich bin ein Mensch mit Träumen, Sehnsüchten und Fantasien. Meine Träume haben nichts Materielles. Träumen hat mit Illusion zu tun, weit weg von der Rationalität, von der Realität. Ich möchte, dass die Träume eben nicht realisiert werden, sondern Träume bleiben.

Was werden Sie als Rentner machen?

Ich werde kein Rentner werden. Ich bin erstmal freiberuflicher Rechtsanwalt und ich wünsche mir, dass der liebe Gott mich in meinen Stiefeln sterben lässt - bei der Arbeit, bei der Jagd, in einem fremden Kleiderschrank versteckt, irgendsowas.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Stellen Sie diese Fragen meinem Freund Günther Beyer, einem in Plau wohnenden Unternehmer, der Eigentümer und Geschäftsführer des größten deutschen Furnierwerkes in Pritzwalk ist. Einer der größten Arbeitgeber, ein sozialer Mensch und sehr klug. Einer meiner Freunde. Er hat eine Leidenschaft, er kann kochen wie ein Weltmeister. Und er lädt mich manchmal ein und dann quatschen wir.

 

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