Partnerschaft : Hochexplosive Mischung unterm Baum

Stress, zu hohe Erwartungen und unterschiedliche Ansichten sind der Zündstoff für Streit an den Feiertagen

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24. Dezember 2017, 05:30 Uhr

Endlich! Der Weihnachtsbaum ist geschmückt, die Gans brutzelt im Ofen und auch die letzten Weihnachtsvorbereitungen sind erledigt. Nun sollte eigentlich der gemütliche Teil beginnen und sich jeder entspannen können. Doch kommt es in vielen Familien gerade an den Feiertagen zu Unstimmigkeiten. Statt fröhlich unter dem Tannenbaum zu sitzen, herrschen Frust und dicke Luft.

Die Feiertage sind bei vielen Paaren Höhepunkt der Streitkultur, sagt Paarberater und Buchautor Christian Thiel. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens haben die meisten Menschen sehr hohe Erwartungen an die Festtage. Und zweitens ist die Zeit der Weihnachts- und Silvestervorbereitungen voller Stress. Viele Menschen starten deshalb schon ausgelaugt in den Feiertagsmarathon. „Kommen dann unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche an die Festtage zusammen, kann sich daran Streit entzünden.“

Für Matthias Lührs, Heilpraktiker für Psychotherapie und Paar- und Sexualtherapeut aus Rostock, gibt es nicht die eine Ursache für Streit unterm Tannenbaum. Woran sich die Gemüter erhitzen, sei sicherlich von Mensch zu Mensch, von Paar zu Paar und von Familie zu Familie verschieden. Ein Umstand begünstigt seiner Meinung nach aber den Zwist: „Wo sonst jemand geregelt Wochentag für Wochentag verbringt, sind plötzlich mehrere Tage nacheinander frei. Bei manch einem ähnlich den ersten Tagen seines Jahresurlaubes.“

Gepaart mit Stress und zu hohen Erwartungen an die Paar- oder Familienzeit, entsteht so eine hochexplosive Mischung: „Und dann ergeben sich auch noch Zeit und Gelegenheit, gerade die Gegebenheiten anzusprechen, die einem schon länger unter den Nägeln brennen.“

Bereits im Vorfeld sollte man versuchen, Stress zu reduzieren. Was nützt der perfekte Weihnachtsbaum, wenn es darunter nur Streit gibt? Wenn die Vorbereitungen bereits sehr stressig und zeitraubend waren, sollte man spätestens am Weihnachtsmorgen einen Schnitt machen. In diesem Jahr liegen die Feiertage für viele Branchen günstig. Heiligabend fällt auf den morgigen Sonntag, an dem viele nicht arbeiten müssen. Eine gute Gelegenheit, gemeinsam mit dem Partner oder der Familie mit einem gemütlichen Frühstück in den Tag zu starten. Bei einem ausgedehnten Spaziergang kann die Anspannung abfallen. Bloß nicht mehr zu viel für den Tag vornehmen und ihn lieber mit der Familie oder Freunden genießen.

Wichtig ist es auch, Kompromisse bei der Planung auszuhandeln. Paare sollten sich rechtzeitig über die Gestaltung der Feiertage verständigen, rät Paarberater Christian Thiel. Dabei ist es wichtig, alle Bedürfnisse gleichwertig zu behandeln und den Partner nicht zu den eigenen Ideen überreden zu wollen.

Sein Rostocker Therapeutenkollege Matthias Lührs hat vor allem einen Tipp, wie es an Weihnachten harmonisch bleiben kann: „Meine Erwartungen herunterschrauben. Vorstellungen korrigieren“, sagt er. Denn die Vorstellung vom perfekten Fest ist oft mit Erinnerungen verbunden, sagt auch Diplom-Psychologin Monika Deininger. „Gerade von Weihnachten haben viele Menschen kindliche Illusionen.“ Deshalb kann es besser sein, nicht zu groß feiern zu wollen, nicht zu viel in die Tage zu packen und einfach die Zeit zu genießen.

Trotz aller Bemühungen hat es gekracht. Wie verhält man sich nun bei dicker Luft an den Feiertagen?

Generell rät Matthias Lührs, dass man sich am besten im Vorfeld schon mental auf diesen oder jenen „Fallstrick“ einstellt – und auf die jeweilige Reaktion, wenn man sich in einem verheddert. Das hilft, mit der Streitsituation umzugehen.

Gab es bereits Streit und ist keine Klärung in Sicht, hat der Paartherapeut vor allem einen Tipp: auseinandergehen. Manchmal hilft es, wenn sich erhitzte Gemüter eine Weile nicht begegnen und getrennt beruhigen können. Das kann schon dazu beitragen, dass die negative Stimmung aufgelockert und eine Versöhnung möglich wird. Trotz aller Unstimmigkeiten ist es für Lührs wichtig, dass man fair bleibt: „Den anderen sollte man genau so behandeln, wie man selbst in genau dieser Situation auch behandelt werden möchte.“

Herrscht nach wie vor dicke Luft, kann man sich dennoch auf Positives besinnen: „Man sollte sich der kostbaren Zeit bewusst werden, die man geschenkt bekommen hat – und diese nicht unnütz vergeuden“, mahnt Lührs.

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