Liebe : Halbwegs glücklich

Die Deutschen glauben an die große Liebe.dpa
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Die Deutschen glauben an die große Liebe.dpa

Zu gut, um sich zu trennen, zu schlecht, um zu bleiben: Das trifft auf viele Beziehungen zu und oft sorgen überhöhte Erwartungen für Unzufriedenheit.

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14. April 2018, 16:00 Uhr

Wer heiratet, glaubt nicht selten, den idealen Partner fürs Leben gefunden zu haben. Doch von Perfektion kann bei keiner Ehe die Rede sein. Da sind solche, die das Label glücklich verdienen, da sie von Harmonie, Respekt und Zuneigung dominiert werden, unglückliche, in denen Streit und negative Emotionen vorherrschen – und einige, die irgendwo dazwischen schweben, sogenannte Semi-Happiness-Ehen.

Auf Dauer unzufrieden

„Darunter versteht man Ehen, die weder unglücklich noch richtig glücklich sind“, erklärt Friedhelm Schwiderski vom Arbeitskreises Paar- und Psychotherapie. Dieser Status Quo sei ein chronischer emotionaler Zwiespalt und stelle sich meist bei länger andauernden Beziehungen ein. Die Paarbeziehung sei oft sehr sachlich: Das Persönliche hat kaum Raum, man spricht nicht über sich selbst und lässt den anderen nicht allzu nah an sich heran. Zärtlichkeit und Sexualität sind ins Abseits geraten. Die Folge sei ein dumpfes Gefühl der Unzufriedenheit.

Neben dem Ausbleiben von Schmetterlingsgefühlen sind oft enttäuschte Erwartungen Auslöser für das Gefühl der Semi-Happiness. „Viele erhoffen sich aus der ersten Verliebtheit heraus viel zu viel“, sagt Peter Groß vom Bundesverband deutscher Psychologinnen und Psychologen. Sie erwarten, für immer auf Händen getragen zu werden oder sind der Überzeugung, mit ihrem Gegenüber in allem auf einer Wellenlänge zu sein. „Erwartungen wie diese sind natürlich utopisch. Schließlich treffen hier zwei Individuen aufeinander, zwei komplexe Systeme mit verschiedenen Genen und Prägungen. Die können komplett unterschiedlich sein.“ Unterschiedlich heißt aber nicht zwingend inkompatibel. Ausschlaggebend ist, wo die Differenzen liegen: „Man sollte darüber nachdenken, was einem in einer Beziehung wirklich wichtig ist. Was ist für mich völlig unverzichtbar, was ist verhandelbar und was ist ein absolutes No-Go“, erklärt Groß. Ergebe der Vergleich der eigenen Vorstellungen zu gravierende Unterschiede, ist es manchmal das Beste, einen Schlussstrich zu ziehen.

Ansonsten gilt es, auf keinen Fall überstürzt zu handeln. Um die Beziehung beurteilen zu können, sollten auch die Gemeinsamkeiten mit dem Partner, seine guten Seiten in die Waagschale geworfen werden. „Und man sollte sich vor Augen führen, dass dauerhaftes Glück auf ganzer Linie unrealistisch ist“, erklärt Dariush Barsfeld, Paartherapeut in Darmstadt.

Dies zu realisieren und zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt: Er verhindert, dass man dem Traumbild vom perfekten Partner zu sehr nachjagt und falsche Entscheidungen trifft. „Es passiert oft, dass gute Beziehungen in die Brüche gehen, weil einer von beiden überhöhte Anforderungen hat und denkt, jemanden finden zu können, der in wirklich allem zu ihm passt“, erklärt Beate Landgraf vom Verband Freier Psychologen und Heilpraktiker für Psychotherapie.

Langweilen die immer gleichen Alltagsabläufe, müssen sie verändert werden. Hat man das Gefühl, sich nicht verwirklichen zu können, weil der Partner bestimmte wichtige Träume nicht teilt, sollte man ihnen alleine nachgehen statt zu verzichten.

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