Liebe und Partnerschaft : Die geheimen Beziehungsängste

Jeder Zweite hat Sorge, nicht mehr attraktiv zu sein. Männer in den Dreißigern sind besonders verunsichert.

svz.de von
29. September 2018, 16:00 Uhr

Die Ansprüche an Beziehungen steigen immer mehr und mit ihnen auch die Unsicherheiten. 84 Prozent der Paare in Deutschland sind zwar mit ihrer Beziehung zufrieden, zeigt die Elite-Partner-Studie 2018. Sorgenfrei sind sie offenbar trotzdem nicht: Insgeheim haben viele Beziehungsängste. Ganz vorne: die Sorge, sexuell nicht auszureichen. Jeder zweite Mann und sechs von zehn Frauen haben in ihrer aktuellen Beziehung zumindest manchmal Angst, dass ihr Partner mit dem Sexleben unzufrieden sein könnte.

Neben der Angst vor sexueller Unzufriedenheit und der Sorge um die eigene Attraktivität gehört auch der Verlust der Liebe zu den zentralen Themen in Partnerschaften: 49 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer haben zumindest manchmal die Sorge, dass ihr Partner sie vielleicht nicht mehr liebt.

Frauen sind unsicherer als Männer

Frauen sind in Partnerschaften deutlich verunsicherter als Männer. Insbesondere das eigene Aussehen wird kritisch hinterfragt. Eine deutliche Mehrheit der Frauen (58 Prozent) hat zumindest manchmal Angst, dass ihr aktueller Partner sie nicht mehr attraktiv finden könnte, 13 Prozent sogar häufig. Unter den Männern sorgen sich mit 41 Prozent aber auch nicht wenige um ihre Attraktivität. Ein weiterer Punkt, in dem sich die Geschlechter unterscheiden: Frauen fürchten häufiger als Männer, verlassen zu werden; etwa vier von zehn Frauen treibt diese Sorge zumindest hin und wieder um (42 Prozent), bei den Männern ist es nur gut jeder dritte (35 Prozent). Der Gedanke daran, dass der eigene Partner fremdgehen könnte, bereitet Frauen (38 Prozent) ebenfalls häufiger Sorge als Männer (26 Prozent).

Männer haben zwar etwas seltener Ängste als Frauen, sind in Partnerschaften aber keinesfalls angstfrei, wie die Ergebnisse zeigen. Die zentralen Beziehungsängste machen auch ihnen zu schaffen. Darüber hinaus haben 41 Prozent der Männer zumindest manchmal Angst, dass ihre Partnerin sie langweilig finden könnte (Frauen: 37 Prozent). Gut jeder vierte Mann (27 Prozent) fürchtet, dass die Partnerin ihre eigenen Eltern, Geschwister oder Familienmitglieder über die Beziehung stellt. Und jeder Dritte (33 Prozent) hat zumindest hin und wieder die Befürchtung, seiner Partnerin finanziell nicht genug bieten zu können (Frauen: 27 Prozent).

Männer zweifeln zwischen dem 30. und 40. Geburtstag

Insbesondere in der Phase zwischen dem 30. und 40. Geburtstag scheinen Männer von größeren Unsicherheiten geplagt. In dieser Altersgruppe weisen Männer über sämtliche Antwortmöglichkeiten hinweg höhere Ausprägungen auf als andere Altersgruppen. Fast jeder zweite Mann in seinen Dreißigern (48 Prozent) hat Angst vor einer Trennung. Auch die Sorge, betrogen zu werden, ist größer als bei anderen Altersgruppen, ebenso wie die Angst, nicht mehr attraktiv zu sein (52 Prozent), sexuell nicht mehr zu genügen (61 Prozent) oder langweilig zu sein (47 Prozent).

Die rosarote Brille schützt offenbar nicht vor Beziehungsängsten: Paare, die zwischen drei Monaten und einem Jahr zusammen sind, haben im Schnitt die meisten Ängste in Partnerschaften. Besonders die Sorge, nicht attraktiv genug zu sein, ist bei frisch Liierten erstaunlich hoch (59 Prozent). Ebenfalls hoch ausgeprägt ist in der frühen Phase einer Beziehung die Angst, verlassen (58 Prozent) und nicht geliebt zu werden (61 Prozent). Auch Bedenken, der Partner könnte die Karriere über die Beziehung stellen, sind zu Beginn einer neuen Liebe stärker (31 Prozent). Es bestehen zu Anfang also vor allem Ängste, die mit der Existenz der Beziehung selbst in Zusammenhang stehen. Die Sorge, der Partner könnte sexuell unzufrieden sein, erreicht dagegen erst nach drei bis fünf Jahren Beziehungsdauer ihren Höhepunkt. Insgesamt zeigt sich: Je länger ein Paar zusammen ist, desto geringer sind auch die Beziehungsängste. Und: Wer angibt, in der Beziehung zufrieden zu sein, hat auch weniger Sorgen.

Je älter desto sicherer

Zudem schwinden die Ängste mit dem Alter. Wer älter ist, fühlt sich offenbar sicherer und angstfreier in seiner Beziehung. Insbesondere Themen wie Äußerlichkeiten, Trennung oder Fremdgehen werden mit dem Alter bei den meisten immer weniger relevant. Während sich unter 30 Jahren noch vier von zehn Liierten um die mögliche Untreue des Partners sorgen, ist es über 60 nur jeder Achte. Die Angst, das Sexleben könnte den Partner nicht zufriedenstellen, sinkt zwar auch deutlich, bleibt aber für viele Liierte auch im Alter zumindest hin und wieder ein Thema (18 bis 29 Jahre: 60 Prozent, über 60 Jahre: 39 Prozent). Auch die Bedenken, nicht mehr attraktiv genug zu sein oder nicht mehr geliebt zu werden, werden seltener, ohne jedoch ganz zu verschwinden (18 bis 30 Jahre: 61 Prozent, über 60 Jahre: 28 Prozent).

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